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Facebook vs. Google: Die digitale Schlammschlacht

Das soziale Netzwerk Facebook hat sich mit einer Schmutzkampagne gegen Google blamiert. Einflussreiche Blogger sollten dazu gebracht werden, kritisch über den Konkurrenten zu berichten.

Auf den ersten Blick klingt die Geschichte wie das Drehbuch zu einem nur mäßig originellem Hollywood-Streifen über den Konkurrenzkampf zweier Weltkonzerne: Da beauftragt die eine Firma eine PR-Agentur, die auf finsteren Wegen und mit Hilfe von korrupten Journalisten dafür sorgen soll, dass der unliebsame Unternehmensrivale in der Öffentlichkeit an den Pranger gestellt wird.

Doch die Geschichte ist keine Erfindung aus Hollywood. Sie ist real und spielt sich in den Zentralen zweier Weltkonzerne einige hundert Kilometer weiter nördlich ab, im "Silicon Valley", dem IT- und Internetzentrum. Und bei den beteiligten Firmen handelt es sich um niemand Geringeren als die Riesen der Szene, Facebook und Google.

Und es ist Facebook, das mit faulen Tricks spielt. Das weltgrößte soziale Netzwerk beauftragte die Werbeagentur Burson-Marsteller, die dafür sorgen sollte, dass kritische Berichte über Googles Umgang mit dem Datenschutz erscheinen. Doch die Sache kam ans Tageslicht: Ein Blogger lehnte das entsprechende Angebot von Burson-Marsteller ab und veröffentlichte die E-Mails der Agentur im Netz. Facebook gab inzwischen alles zu. Eine "Verleumdungskampagne" sei aber weder gewollt gewesen noch in Auftrag gegeben worden, wiegelte ein Sprecher des Online-Netzwerks ab.

Facebook habe lediglich erreichen wollen, dass Dritte - Blogger oder Journalisten - überprüfen, ob Google ohne Erlaubnis der Nutzer Informationen auf den Facebook-Seiten sammle und verwerte. Facebook habe Burson-Marsteller engagiert, um Aufmerksamkeit auf dieses Thema zu lenken. Die Agentur habe "öffentlich zugängliche Informationen" nutzen sollen. Der Grund der Aktion sei der Datenschutz, sagte ein Sprecher. "Wir sind besorgt, dass Google unangemessen mit den Daten umgeht, die von Facebook-Nutzern zusammengerafft werden." Eine Entschuldigung bot er nicht an. Facebook hätte die Sache aber "seriös und transparent" handhaben sollen, sagte er.

Streit um Nutzerdaten

Streitpunkt ist ein Googletool namens Social Circle. Damit können Nutzer des Google-Mail-Angebots Gmail auf Informationen aus dem Facebook-Account zurückgreifen. Und das sind nicht nur Informationen über Freunde, sondern auch über Freunde von Freunden.

Die Werbeagentur Burson-Marsteller bestätigte unterdessen, dass sie von Facebook angeheuert wurde. Ein Angestellter beauftragte unter anderem den Blogger, der alles ans Licht brachte. "Die US-Bürger müssen erfahren", was Google mit ihren Daten anstelle, zitierte der Blogger aus der E-Mail. Der Name Facebook als Auftraggeber fiel aber nicht. Genau dies sei falsch gewesen, räumte die Werbeagentur ein. Dies verstoße gegen ihre eigenen Regeln. Die aufgeflogene Schmutz-Kampagne zeigt die gewachsene Rivalität zwischen dem Internetriesen Google und dem ständig wachsenden sozialen Netzwerk Facebook, das im Umgang mit Datenschutz selbst am Pranger steht.

Für Deutschland und Europa erhielt Burson-Marsteller übrigens keine Aufträge von Facebook. Das sagte eine Sprecherin der deutschen Dependance der PR-Firma stern.de.

cf/AFP / AFP