Geheimdienst-Wikipedia "It's wiki, wiki, Baby"


Das Wiki-Konzept für den Austausch von Informationen haben jetzt auch die Geheimdienste entdeckt. Mitarbeiter der 16 US-Geheimdienste und anderer Behörden nutzen ein internes Wiki, das die CIA als "Intellipedia" bezeichnet.
Von Katherine Shrader, Washington

Die öffentlich nicht zugängliche Web-Site verwendet ebenfalls die Mediawiki-Software und sieht daher auch ganz so aus wie Wikipedia. Nur die Artikel sind sehr viel spezieller. So gibt es etwa einen Artikel über Nordkorea und einen über Osama Bin Laden. Das Wiki-Prinzip gilt aber auch bei der Intellipedia: Wer sich fachkundig und berufen fühlt, ergänzt einen Beitrag oder ändert ihn.

Geheimdienstmitarbeiter, die sich für ein Thema besonders interessieren, können bei dem entsprechenden Beitrag ein Lesezeichen setzen oder sich mit Hilfe von RSS über jede Änderung und Aktualisierung unterrichten lassen. Als der Baseball-Spieler Cory Lidle mit seinem Kleinflugzeug im Oktober in ein New Yorker Hochhaus stürzte, gab es innerhalb von zwei Stunden 80 Einträge dazu in der "Intellipedia" - verfasst von zuständigen Mitarbeitern der Verkehrssicherheitsbehörde TSA und acht weiterer Behörden.

Der Absturz hatte zwar keinen terroristischen Hintergrund, aber in den Minuten unmittelbar danach konnte dies noch niemand mit Sicherheit sagen. Jeden Tag gebe es mindestens 1000 Änderungen oder neue Einträge, sagt Don Burke von der CIA-Abteilung für Wissenschaft und Technik. Die Mitarbeit ist freiwillig. Auch der Nationale Geheimdienstkoordinator John Negroponte hat bereits einen eigenen Artikel verfasst, der sich mit der Lage in Nigeria beschäftigt. Jeder Eintrag ist namentlich gekennzeichnet.

So lassen sich auch falsche Einschätzungen im Nachhinein eindeutig bestimmten Personen zuordnen. Bei der Einrichtung der Web-Site wurden strenge Sicherheitsvorkehrungen getroffen. Der Server ist nicht über das Internet zu erreichen, sondern ist ein Teil des "Joint Worldwide Intelligence Communications Systems" (JWICS), das das Verteidigungs- und das Außenministerium der USA zur Übermittlung vertraulicher Informationen eingerichtet haben.

Auch gibt es verschiedene Zugangslevel, so dass die als besonders vertraulich eingestuften Informationen nur dem innersten Kreis der Geheimdienste bekannt werden. Insgesamt steht die "Intellipedia" mehreren zehntausend Geheimdienst- und Behördenmitarbeitern zur Verfügung. Vor allem die jüngere Generation mache bereits regen Gebrauch vom Geheimdienst-Wiki, sagt Negropontes stellvertretender Direktor für Geheimdienstanalysen, Michael Wertheimer. "Das entspricht genau der Art, wie sie gerne arbeiten."

Besondere Form der Ermunterung

Um auch die eher traditionell denkenden Mitarbeiter für das Wiki zu gewinnen, haben sich die Verantwortlichen eine besondere Form der Ermunterung ausgedacht. Sie schicken jedem Mitarbeiter für den ersten Beitrag eine kleine schwarze Gartenschaufel mit der Aufschrift auf dem Griff: "I dig Intellipedia. It's wiki, wiki, Baby". Wie diese Gartenschaufel aussieht, kann man in der englischsprachigen Ausgabe der Wikipedia anschauen.

FTD

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