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Spanien Ein ganzes Land will mehr Ruhe vor Influencer-Werbung für Bitcoin und Co.

Bitcoin
Wer für Bitcoin und Co. wirbt, muss das demnächst den spanischen Behörden melden.
© Cylonphoto / Picture Alliance
Das große Geld für Influencer liegt derzeit in der Werbung für sehr kleine Coins mit riesigen Kursschwankungen – und das führt oft zu Verlusten auf Seiten der Anleger. In Spanien ist das Anpreisen daher nun meldepflichtig.

Bitcoin und Ethereum gelten in bestimmten Kreisen als solide Investition. Die Kurserfolge der letzten Jahre sorgen dafür, dass viele Menschen die beiden Kryptowährungen zwar kennen, sich aber aufgrund der hohen Preise von wesentlich kleineren Coins das große Geld versprechen. Da dies der Suche nach der Nadel im Heuhaufen gleicht, springen Anleger gerne auf (meist bezahlte) Empfehlungen an, die große Influencer ihnen geben.

Für die Social-Media-Größen ist das oft sehr einträglich, da sie teilweise vor der Weitergabe des Tipps selbst investieren. Wenn dann viele Fans dem Aufruf folgen, steigt der Kurs und es lohnt sich gleich doppelt. Gewarnt wird natürlich nur selten, damit die Euphorie keinen Dämpfer bekommt. Um das zu vermeiden, will Spanien das hemmungslose Anpreisen ab Mitte Februar stark regulieren und fordert zehn Tage vor Start einer Kampagne eine schriftliche Benachrichtigung, so die Agentur Reuters. Das betrifft zunächst Influencer mit mehr als 100.000 Fans, Firmen und Personen mit eigenen Coins sowie entsprechende Marktplätze.

Das Ende von "Pump and Dump"?

Das soll in erster Linie dafür sorgen, dass ausreichend vor den Risiken einer Anlage gewarnt wird. Den Behörden gibt es außerdem die Möglichkeit, die werblichen Maßnahmen für hochgradig volatile Finanzprodukte zu beobachten. Ein weiterer möglicher Nebeneffekt: Die recht lange Frist vor Start einer Kampagne erschwert spontane "Pump and Dump"-Aktionen. Damit ist das koordinierte Treiben eines Kurses kleinster Währungen gemeint, dem anschließend ein rascher Insider-Verkauf folgt und zahllose Anleger auf hohen Verlusten sitzenbleiben.

Ob die spanische Regel ein Vorbild für weitere Länder wird? Der Wille, den Kauf und Verkauf sowie die Werbung für Kryptowährungen zu regulieren, scheint um sich zu greifen. Auch die strenge Kontrolle oder gar Verbote sogenannter Mining-Unternehmen geraten in vielen Ländern verstärkt in den Fokus.

Für interessierte Anleger, die nicht über Insiderwissen verfügen, sind das gute Nachrichten. Denn den Goldrausch rund um unbekannte Krypto-Assets machen sich immer mehr Influencer und Prominente zunutze, die für das Bewerben einzelner Projekte enorme Summen erhalten. Erst kürzlich startete in den USA eine Sammelklage gegen Kim Kardashian und Floyd Mayweather, die für ein solches Unternehmen warben und Anleger nach einem schweren Kurssturz in die roten Zahlen trieben. Die spanischen Behörden stellten Fußballer Andrés Iniesta im vergangenen November öffentlich an den Pranger, nachdem dieser nicht vor Risiken gewarnt hatte und auf Twitter begeistert für einen Krypto-Marktplatz warb.

Bitcoins

In der deutschen Influencer-Szene kommt der Werbe-Trend für weitgehend unbekannte Kryptowerte so langsam auch an. Nachdem zum Beispiel Marcel Eris alias MontanaBlack früher nur sporadisch etwas über Bitcoin und Co. schrieb, aber nie offen dafür warb, rührte der Streamer mit 1,1 Millionen Followern auf Twitter vor wenigen Tage die Werbetrommel für ein NFT-Projekt.


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