Kolumne - Neulich im Netz Dip-di-dip: Danke Dänenimport Dorthe


Alliterationen sind derzeit nicht schick, schrieb kürzlich ein weit gereister Kolumnist. Sie seien Relikt einer vergangenen Zeit. Was so oder so ähnlich auch auf Dorthe zutrifft.

Denn Dorthe war hip, als hierzulande die Farbbilder laufen lernten. Das Farbfernsehen wurde übrigens seinerzeit über einen großen Plastikknopf angeschaltet. Dazu stellte sich der Intendant des Zweiten Deutschen Fernsehens in einer Fernsehshow in die Mitte und drückte auf den Knopf. Schwarzweiß gab es ab da nur noch auf Arte. Zurück zu Dorthe, die auf dem Höhepunkt des Dänenbooms über die Grenze gespült wurde und hier mit Gitte und Vivi Bach auf Deutsch mit "dänisse Agsent" machte.

Damit hatten sie Erfolg. Dorthe und Gitte verkauften Schellack- und Schallplatten, und Vivi Bach heiratete Tausendsassa Dietmar Schönherr, der nicht nur das Raumschiff Orion auf Kurs hielt, sondern auch die deutsche Samstagabendshow. Dort moderierte er eine Sendung mit Vivi Bach, die so langweilig war, dass man sich alle zehn Minuten auf die Beine hauen musste, damit sie nicht einschliefen, und ins Gesicht auch. Weswegen die Sendung immer wieder für Gesprächsstoff sorgte. Berühmt bis zum heutigen Tag ist sie wegen einer Modenschau, bei der ein Fräulein ein durchsichtiges Oberteil trug und nichts darunter.

Dorthe kriegt 'nen Kollo

Zu diesem Zeitpunkt war Dorthe bereits mit Rene Kollo liiert. Er war kein Däne, sondern ein anerkannter Opernsänger, der ähnlich wie die drei Tenöre keine Kamera ausließ, um hinein zu singen. Was so oder so ähnlich auch für Franz Beckenbauer gilt, dem man an manchen Abenden auch nicht entgehen kann, weil er aus jeder zweiten Werbung herausschaut und in allen Shows herumsitzt, wenn er denn nicht gerade ein Länderspiel mitkommentiert oder bei der Weltmeisterschaftsgala Bälle in den Hallenhimmel schießt.

Berti Vogts, der Franz Beckenbauer als Trainer der Nationalmannschaft ablöste, verpasste seinen ersten Titel übrigens ausgerechnet gegen die Dänen. Die gewannen nämlich das Europameisterschaftsfinale, was eine Ungeheuerlichkeit sondergleichen war, da sie als Nachrücker für die kurzfristig vom Turnier ausgeschlossenen Jugoslawen nicht einmal ordentlich trainiert hatten, dann eben ein bisschen mitspielten und zur Überraschung aller überhaupt nicht mehr damit aufhörten.

Kaum weniger überraschend, als <llink adr="http://www.schulla.com/covergalerie/DATEN/D/DORTHE/DORTHE.htm">Dorthe einige Jahre zuvor einen großen Erfolg feierte mit dem Schlager "Dip-di-dip". Er begann folgendermaßen: "Er kam auf eine Party mit 'ner anderen an, di dip di dididididipdidip. Und er hat mir gefallen wie kein andrer Mann, di dip di didi didi dip di dip."

So sang man damals, heute würde man das wohl anders singen. Und Alliterationen würden wahrscheinlich nur aus Versehen in den Text rutschen.

<a class="link--external" href="mailto:stern@ha-net.de">Thomas Hirschbiegel</a>

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