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Künstliche Intelligenz: "Dark Web" sucht Terror-Websites

Forscher aus Arizona haben ein Programm entwickelt, das Websites auf Anzeichen von terroristischen Inhalten prüft. Ursprünglich sollte es die Echtheit der Werke von William Shakespeare belegen.

Das Internet ist voll von Propaganda militanter Islamisten. Mehrere zehntausend Websites werden als terroristisch eingestuft, angefangen bei ideologischen Abhandlungen bis hin zu konkreten Anleitungen wie "A guide to kill Americans in Saudi Arabia". Zur Unterstützung der Ermittlungsbehörden bei der Identifizierung solcher Seiten hat das Labor für Künstliche Intelligenz an der Universität von Arizona das Projekt "Dark Web" gestartet.

Die beteiligten Forscher entwickeln ein Programm für eine Inhaltsanalyse, das typische Syntaxmuster und HTML-Codes in einer Datenbank festhält. Nicht nur statische Webseiten, sondern auch Blogs, Diskussionsforen und Chat-Räume werden automatisch auf Übereinstimmungen überprüft. "Dark Web" solle dabei helfen, die "Al-Kaida-Universität im Internet" zu durchleuchten, erklärt der Leiter des Forschungsinstituts, Hsinchun Chen. Hintergrund ist die starke Zunahme von terroristischen Inhalten im Internet - Chen spricht von einer Verzehnfachung in den vergangenen zwei Jahren. Dies übersteige inzwischen die Möglichkeiten der Geheimdienste.

Scannt auf 480 Merkmale

"Eine Automatisierung ist absolut notwendig", sagt auch der Washingtoner Terrorexperte Evan Kohlmann. Erstes Ergebnis des von der Nationalen Forschungsstiftung der USA geförderten Projekts ist das Programm Writeprint. Dabei handelt es sich um die Weiterentwicklung eines Programms, dass ursprünglich dazu verwendet wurde, um die Echtheit des Werks von William Shakespeare zu bestimmen. Writeprint hat 480 verschiedene Merkmale erfasst, darunter Eigenheiten wie Stil, Begrifflichkeiten, Grußformeln, aber auch Design-Merkmale wie Schriftarten und Farben. Die Genauigkeit des Tools betrage 95 Prozent, erklärt Chen. Es erfasse zahlreiche Merkmale, die mit bloßem Auge nicht zu erkennen seien.

Das Programm soll nicht die Personen ermitteln, die für die auf diese Weise gefundenen Internet-Botschaften verantwortlich sind. Das sei Sache der Strafverfolgungsbehörden und Geheimdienste, sagt Chen. Das Projekt könne aber dazu beitragen, Mitteilungen desselben Autors zu identifizieren und Verbindungen aufzuzeigen, die nicht offensichtlich seien. "Unser Programm wird helfen, die radikalen Meinungsführer im Cyberspace zu finden", sagt Chen. In Kürze würden einige der Tools schon bei einigen Behörden zum Einsatz kommen. Welche das sind, wollte er nicht sagen. Bislang werde die Kommunikation von Terroristen im Internet nur manuell ausgewertet, erklärt der ehemalige Antiterrorexperte beim FBI, Dale Watson.

Eine Automatisierung wäre "ein großer Beitrag zum Kampf gegen den Terrorismus". So könnten schnell große Mengen Daten durchsucht werden, sagt Watson. "Die Frage ist dann, wo kommt die Website her, wo gehen die Verbindungen hin?" Andere schätzen die Möglichkeiten der Software weniger optimistisch ein. Sie müsse erst noch zeigen, dass sie nicht nur akademisch, sondern in der realen Welt anwendbar sei, sagt Ben Venzke, Chef der privaten Sicherheitsfirma IntelCenter. Und auch Gabriel Weimann, ein internationaler Terrorismusexperte an der Universität von Haifa, dämpft die Erwartungen. "Ich halte nicht viel vom computerisierten Scanning", sagt Weimann. "Ein menschliches Auge sieht mehr und blickt tiefer."

AP / AP
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