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Multimedia-Show: Grabmal im Cyberspace

Wer auf dem Multimedia-Friedhof in Hollywood bestattet wird, bleibt unvergessen: Seine Film-Biografie läuft weltweit im Internet.

Diaschauen haben keinen guten Ruf. Wer zu so etwas eingeladen wird, drückt sich gern oder macht ein Nickerchen im Halbdunkel. Wenn die Hauptperson allerdings bei der Vorführung im offenen Sarg liegt, ist das anders. Zu Barry Manilows Schnulze "I Can't Smile Without You" laufen über einen Plasma-Flachbildschirm Kinderbilder, Porträts eines muskulösen Mannes mit freiem Oberkörper und ein Urlaubsschnappschuss, der ihn zusammen mit einem anderen Mann vor einem Wasserfall zeigt. Cameron Moffett wurde nur 37 Jahre alt. Als die Bilderserie vorbei ist, erklingt seine Stimme aus den Lautsprechern: "Ich hatte ein tolles Leben. Ich werde euch alle vermissen." In der Friedhofskapelle mit Platz für ein paar Dutzend Trauernde herrscht eine Minute lang absolute Stille. Erst dann spricht ein Priester.

Bestattung und Leben live im Internet

Letztes Geleit auf dem Friedhof "Hollywood Forever". In der Kinometropole können jetzt auch normale Menschen im Film Unsterblichkeit erlangen. Cameron Moffett mag nur für seinen Lebensgefährten, seine Familie und seine Freunde ein Star gewesen sein. Doch die multimediale Erinnerungsshow, zusammengestellt aus Bildern, Videos, Musik und Zitaten des Verstorbenen, bekommt nicht nur die Trauergemeinde zu sehen: An Videoterminals auf dem Friedhof und über das Internet kann sich jeder die Clips der Toten anschauen.

Sogar Die Bestattungszeremonie wird auf Wunsch live im Internet übertragen. E-Mails lassen sich über die Website an die noch Lebenden, aber auch an die Toten schicken. Die Biografien können die Angehörigen auf DVD mitnehmen.

Als Bestattungsunternehmer sieht sich der Erfinder und Chef des Multimedia-Friedhofs nicht: "Wir sind im Erinnerungsgeschäft", sagt Tyler Cassity, 33. Grabsteine nennt der gut aussehende Spross einer Funeral-Home-Dynastie mit milder Ironie "Steinzeittechnologie". Cassity, der Besucher gern mit dem Golfwagen über die parkähnliche Anlage mit den unvermeidlichen Stechpalmen chauffiert, ist selbst auch berühmt. Er inspirierte den US-Pay-TV-Sender HBO ("Sex and the City") zu einer eigenen Serie: Das skurrile und smarte Bestatterdrama "Six Feet Under" läuft derzeit bei Premiere und nächstes Jahr bei Vox.

Erste Wahl der Filmfans

Für Filmfans ist Hollywood Forever als letzte Ruhestätte erste Wahl. Hinter der südlichen Grenzmauer ragt der Wasserturm auf dem Studiogelände von Paramount hervor. Wer von dem großen See mit dem Mausoleum des Gründers der Philharmonie Los Angeles, William A. Clark II, in Richtung Norden blickt, erkennt das Hollywood-Schild in den Bergen. Das marmorne Wandgrab von Rudolph Valentino zieren Lippenstift-Kussmünder. Auch der Schauspieler Peter Lorre ("M - Eine Stadt sucht einen Mörder") ist hier begraben.

Erinnerungen sind jederzeit zu erreichen

"Nach dem Tod unserer Großmutter hörte ich ein Tonband mit ihrer Stimme. Das gab mir die Idee zu den Multimedia-Biografien", sagt Cassity. Mehr als 10.000 Kurzfilme von Lebenden und Toten lassen sich online abrufen (www.forevernetwork.com). Die Clips mögen pietätvollen Europäern gefühlsduselig vorkommen. Die Hauptdarsteller aber haben das Gefühl, sie verewigen sich und ihr Leben auf besondere Weise. Und für die vielleicht weit über das Land verstreuten Verwandten sind die audiovisuellen Dokumente lebendiger als alte Fotos in einem Album - und, anders als ein Grab, per Internet jederzeit zu erreichen.

Scott Everett Berger, 40, steckt mitten drin in der Arbeit an seinen digitalen Erinnerungen: Mit Kameras und Blitzanlage ist die Hollywood-Forever-Angestellte Ilania Hofler in seine Einzimmerwohnung in Pasadena gekommen. Das zweite Kapitel von Bergers Biografie soll entstehen. Zu Surfgitarrenmusik grimassiert Berger in die Kamera und palavert aus seinem Leben, als hätte ein bekiffter Guido Knopp Regie geführt. "Ich bin ein Komiker", sagt der stämmige Mann mit kurz geschorenem Haar, der meist in kleineren Clubs auftritt. Im "normalen Leben" leitet er seit zwölf Jahren die Poststelle einer Musikfirma. Die Chancen für Berger, dem Mailroom zu entfliehen und in Hollywood durchzustarten, sind nicht sehr groß. Aber in seinem Film ist er der Star.

Virtuelles gedenken auch in Deutschland

Das Internet als Fenster ins Jenseits haben auch andere entdeckt. Auf der deutschen Website www.unsergrab.de können zahlende Kunden monatlich ein aktuelles Foto eines ihnen wichtigen Grabes irgendwo in Deutschland abrufen. Beim Microsoft-Forschungsprojekt MyLifeBits werden sogar alle E-Mails, Telefonate, Videos, Musik und Bilder eines ganzen Lebens auf einer gigantischen Festplatte gespeichert. Menschen mit Gedächtnisverlust könnten so eines Tages ihr Leben über eine Suchmaschine abrufen, Enkel durchs Leben ihr Großeltern surfen.

Ökologisch sinnvoll und virtuell

Neben dem filmreifen Abgang plant Tyler Cassity derweil den umweltfreundlichen Tod. Er will unbalsamierte Leichen in Naturschutzgebieten bestatten - ohne Grabplatte. Nur ein Baum oder ein Strauch soll markieren, wo der Tote liegt. Wer ein Grab besuchen will, findet es nur mit einem GPS-Satelliten-Navigationssystem. Dann sind die letzten Spuren eines Menschen nur noch eine abstrakte Folge von Zahlen und Buchstaben, die den Längen- und Breitengrad bestimmen. Aber selbst ökologisch korrekt Beigesetzte können natürlich im Internet ihren Das-war-mein-Leben-Film hinterlegen.

Dirk Liedtke / print
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Kann ich mich auf Geschwindigkeitsanzeige FritzBox verlassen?
Hallo zusammen, erstmal herzlichen Dank für die Leute, die sich Zeit nehmen Fragen zu beantworten oder ihre Erfahrungen mit anderen teilen. Das ist oft hlifreich, wenn man sich nicht so auskennt. Ich hoffe, dass mir jemand weiterhelfen kann. Die Telekom hat hier nach langer und ersehnter Zeit schnelle Leitungen verlegt. Mitarbeiter waren auch zu Besuch da und auch nett:-) Sie wollten ja auch, dass ich von 1und1 wieder zurück wechsel. Das ist für mich in Ordnung und gehört zum Wettbewerb. Da jedoch die Mitarbeiter mir sagten, dass die Telekom für paar Jahre das Vorrecht hätte, könnte ich schnelles Internet nur über Telekom beziehen. Sprich entweder Telekom und schnelles Internet oder langsames Internet. Da habe ich im Internet recherchiert und rausgefunden, dass das so nicht mehr stimmt. Das war der Grund, warum ich dann bei 1und1 DSL100 abgeschlossen habe, da man mir am Telefon gesagt, dass es ohne Probleme möglich wäre. Nun ist es jedoch so, dass wir gar nicht so merken, dass unser Internet schneller ist. Gerade in der oberen Etage kann man nicht ohne Router surfen oder Sky über Internet Fernsehen. Nun meine Frage: Bei der Fritzbox wird es jedoch angezeigt. Kann ich mich drauf verlassen? Oder wie macht ihr eure Messungen? Ich weiss, dass es Software gibt, aber der feste Rechner ist bereits alt und hat einen alten Internet Explorer drauf. Wenn ich mit einem Laptop im Wlan mich reinhänge, wird sicher die Geschwindigkeit sowieso niedriger und nicht verwertbar sein, oder? Vielen Dank für die Antworten.