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Nach Sperrung durch Erdogan: Junge Türken twittern auf der Straße

Wenn sie digital nicht dürfen, dann einfach auf Papier: Im Netz kursieren Fotos von jungen Türken, die in Ankara Treppen mit Twitter-Slogans pflastern. Auch online umgehen viele das Verbot.

Es sind Bilder, die - ausgerechnet - per Twitter schnell die Runde machten: Junge Türken in Ankara tun das, was online verboten ist, einfach auf offener Straße. Sie kleben Twitter-Slogans auf Treppenstufen und schreiben Kommentare auf Papier.

Auch abseits der Straße finden Nutzer in der Türkei Mittel und Wege, um die Blockade des Dienstes zu umgehen. Sie können ihre Identität und die Herkunft ihrer Netzeinwahl verschleiern. In Istanbul wurden Verschlüsselungs-Anleitungen als Graffiti auf öffentliche Plätze gesprüht, auch einige Radiosender beschrieben, wie weiter getwittert werden kann.

Kritik an Verbot wächst

Der türkische Regierungschef Recep Erdogan gerät international wegen der Sperre des Kurznachrichtendienstes zunehmend unter Druck. Staatspräsident Abdullah Gül bekräftigte am Sonntag seine Kritik: "Eine vollständige Schließung des Internets oder solcher Plattformen von Gesetzes wegen ist nicht möglich." Die Telekombehörde hatte Twitter in der Nacht zum Freitag blockieren lassen, nachdem Erdogan seine Drohungen gegen soziale Medien verschärft hatte. Die Twitter-Blockade erfolgte nur kurz vor den Kommunalwahlen am 30. März. Weil die Sperre technisch leicht zu umgehen ist, stieg die Zahl der verschickten Kurznachrichten zunächst sogar an, wie die Medien-Ratingagentur Somera mitteilte.

Westliche Verbündete der Türkei hatten die in der Nacht zum Freitag verfügte Blockade scharf kritisiert. Nach dem Gesetz, aber auch technisch sei die Sperre nicht durchzusetzen, sagte Gül am Sonntag vor Journalisten. Sein Büro sei in Kontakt mit Twitter, um eine Lösung für den Streit zu finden.

Nach Angaben von Datenauswertungsdiensten wurden in den ersten 36 Stunden des Verbots Millionen von Tweets abgesetzt. Die Ratingagentur Somera teilte mit, die Zahl der Tweets sei sogar um 33 Prozent gestiegen. Datendienste schätzten die Zahl der aus der Türkei pro Minute abgesetzten Tweets auf 17.000.

car/DPA / DPA