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Neuer Facebook-Dienst "Orte": Längst geortet

Facebooks neuer Orte-Geodienst muss in Deutschland explizit aktiviert werden, um ihn zu nutzen. Dennoch entdecken viele Facebook-Nutzer, dass die Funktion bei ihnen bereits angeschaltet ist, obwohl sie das gar nicht wollen. Dafür gibt es einen Grund.

Von Ralf Sander

Eigentlich klingen die Datenschutzregelungen für die neue Orte-Funktion bei Facebook ziemlich gut. Wer die Funktion nutzt, kann seinen Freunden automatisch mitteilen, wo er sich gerade aufhält. Für das besonders Datenschutz-sensible Deutschland hat Facebook dieses neue Feature standardmäßig abgeschaltet, es muss vom Nutzer selbst aktiviert werden. Ein solches "Opt-in"-Verfahren gilt Datenschützern als der richtige Weg, wie den Nutzern sensible Funktionen angeboten werden sollten. Doch groß war die Überraschung bei einigen Facebook-Mitgliedern, als sie eher zufällig feststellen mussten: Facebook Orte ist bei ihnen bereits angeschaltet, obwohl sie die Funktion nie aktiviert hatten. Ein Phänomen, das bei mehreren Kollegen bei der stern.de-Redaktion auftrat und das auch in einigen Artikeln beschrieben wurde.

Facebook äußert sich zu diesem Phänomen auf Nachfrage nicht. stern.de hat durch Recherchen und das Vergleichen der betroffenen Accounts von Mitarbeitern allerdings eine Erklärung gefunden: Die betroffenen Nutzer haben Facebook Orte bereits vor Wochen aktiviert, ohne es zu bemerken.

Die Einstellungen waren ihrer Zeit voraus

In den Privatsphäre-Einstellungen von Facebook - zu finden im Menü "Konto" oben rechts auf der Facebook-Seite - gibt es nämlich bereits seit dem Start des Places-Dienstes in den USA im August einen neuen Eintrag: "Orte, die ich besuche". An dieser Stelle konnte man seitdem die üblichen Sichtbarkeitseinstellungen vornehmen, von "Alle" über "nur Freunde" bis "nur ich". Und zwar, obwohl die Funktion für Deutschland noch längst keine Auswirkungen hatte. Doch jetzt, mit der Einführung von Facebook Orte in Deutschland, bekommen diese Einstellungen plötzlich eine Bedeutung. Facebook scheint von folgender Prämisse auszugehen: Wer in den vergangen Monaten bei dem Eintrag "Orte, die ich besuche" irgendwelche Änderungen vorgenommen und die Sichtbarkeit nicht auf "nur ich" gestellt hat, möchte Facebook Places heute gerne nutzen. Also wird das Feature aktiviert. Das "Opt-in"-Verfahren scheint nur für diejenigen Nutzer zu gelten, die bis zum Deutschlandstart von Facebook Orte niemals die entsprechenden Einstellungen zum Thema verändert haben oder die erst nach der Einführung der Funktion Mitglied bei Facebook werden.

Dieses Vorgehen von Facebook ist problematisch, weil deutsche Nutzer die Konsequenzen dieser Einstellungen nicht abschätzen konnten - schließlich war die Funktion nicht aktiv. Betroffen sind Nutzer, die erst nach der Einführung von Places in den USA Facebook-Mitglied wurden und die Orte-Einstellung als eine von vielen abgearbeitet haben. Paradox: Auch wer besonders vorsichtig war und die Informationen nur für seine Freunde sichtbar machen wollte, hat ohne es zu bemerken einen Dienst aktiviert, der besonders viel vom Nutzer preisgibt. Ähnlich sieht es für Facebook-Nutzer aus, die regelmäßig die Privatsphäreeinstellungen überprüfen. Bei neuen Einträgen wählen sie natürlich die Einstellung, die für sie immer gut funktioniert hat. Die zukünftigen Auswirkungen konnten sie nicht einschätzen, weil es keine Informationen dazu gab.

Facebook mag argumentieren, dass das System nicht unterscheiden kann zwischen absichtlich und unabsichtlich vorgenommenen Einstellungen. Doch ein Hinweis, dass Places aufgrund früher vorgenommener Einstellungen aktiviert ist, wäre mit Sicherheit machbar. Und so kritisiert der Hamburger Datenschutzbeauftragte Johannes Caspar auch nach der Einführung von Facebook Orte wieder einmal die komplizierte Nutzerführung von Facebook. Die Optionen, mit denen man bestimmt, wer den Aufenthaltsort eines Nutzers sehen kann, seien relativ schwer zu finden, so Caspar: "Es ist für Nutzer problematisch, sich da durchzuwurschteln." Dies sei verbesserungsbedürftig, "weil im Moment das Risiko, Einstellungen zu übersehen, aufgrund der Unübersichtlichkeit relativ hoch ist".

Wie man Facebook Orte einstellt

So findet man die Einstellungen zu Facebook Orte: Unter "Konto" die Privatsphäreeinstellungen aufrufen und unten links den Link "Benutzerdefinierte Einstellungen" anklicken, der zur Übersichtsseite mit den Details aller Privatsphäreeinstellungen führt. Bei "Orte, die ich besuche", sollte "nur ich" stehen, wenn Places nicht genutzt werden soll. Direkt darunter befindet sich die Zeile mit der sperrigen Bezeichnung: "Mich im 'Personen, die jetzt hier sind'-Abschnitt anzeigen nachdem ich angegeben habe, wo ich mich befinde". Um Facebook Orte zu deaktivieren, muss man den Haken dort entfernen. Und im folgenden Abschnitt kann man einstellen, ob man von Freunden markiert werden darf. Wer das nicht möchte, stellt hier "gesperrt" ein.

Lesen Sie dazu auch bei unserem Partner in der Schweiz, 20 Minuten Online: "Wie Facebook-Chef Mark Zuckerberg auf Kritik von Datenschützern reagiert"

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