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Neuer Internetauftritt: CSU, näher am Surfer

Laptop und Lederhose? Bislang widerstand der Internet-Auftritt der CSU beharrlich dem öffentlichen Fortschrittsgebaren der Freistaats-Partei. Nun hat die Partei eine neue Seite online geschaltet. stern.de hat sie begutachtet.

Von Thomas Götemann

Bayern, also der moderne Freistaat, verfügte die CSU-Lichtgestalt Edmund Stoiber, dereinst, Bayern, das sei die optimale Verbindung von Laptop und Lederhose, der perfekte Mix aus Fortschritt und Tradition, aus heute und gestern.

Dass die CSU das mit der Lederhose bestens kann, ist unzweifelhaft bewiesen. Wie steht es aber mit dem Laptop? Nicht gut, behauptete zumindest noch 2007 die in Bayern-Fragen besonders kundige "Süddeutsche Zeitung". Beim "Chefs-im-Internet-Check" entlarvte das Blatt das CSU-Führungsduo Beckstein und Huber als "Dilettierende in der Steinzeit des Internets" - und mokierte sich über die mangelhafte (Huber) bis fehlende (Beckstein) Selbstdarstellung der CSU-Granden im Netz. Internet, mit Verlaub, geht anders, so der Tenor.

Die Kritik muss sie ordentlich gefuchst haben

Das muss die Freistaats-Partei ordentlich gefuchst haben, die sich sonst gern mit ihrer angeblichen Innovationskraft brüstet, etwa in Sachen Transrapid (Stoiber: "In 10 Minuten vom Hauptbahnhof…"), der dank einer Retro-Fortschrittstechnologie aus den 70er Jahren schwebt. Das muss die Freistaats-Partei sogar so gefuchst haben, dass sie jetzt zum Innovations-Gegenschlag in Sachen Internet ausgeholt hat. Am Dienstag, dem 29. Januar 2008, um Punkt 14.00 Uhr, eröffnete CSU-Generalsekretärin Christine Haderthauer das neue Zeitalter - und der neue Internet-Auftritt der Partei ging online.

Weil man aber, Fortschritt und Tradition, das Neue nur bewerten kann, wenn man es mit dem Alten vergleicht, sei an dieser Stelle noch einmal eine kurze Erinnerung an die alte CSU-Seite eingefügt.

Was hatte die alte Seite zu bieten?

In blau-weißer Optik fanden sich dort alle Rubriken, die das Surfer-Herz begehrte: Aktuelle Nachrichten (am 29.1., vormittags, stammte die letzte aktuelle Nachricht vom 24.1.), unter der Rubrik Politik ganz oben das Grundsatzprogramm der Partei und dann sogar eine Rubrik "Köpfe", sozusagen die CSU-Celebrity-Seite. Mit eigenwilliger Hierarchie wohlgemerkt: Parteichef Erwin Huber stand oben, darunter der ewige Parteichef Edmund Stoiber (beide mit "Lebenslauf" und "Reden"), dann Frau Haderthauer (immerhin schon drin!) und dann ging es weiter abwärts in die Gremien. Wo aber hatte sich Ministerpräsident Dr. Günther Beckstein versteckt? Schwebte er landesväterlich über allem, war er nicht einzuordnen? Vermutlich wollte Beckstein den Online-Durchsuchungen des Kollegen Schäuble ein Schnippchen schlagen. Immerhin lockte der gut sortierte Online-Devotionalien-Shop in der Servicerubrik mit einem lebensgroßen Papp-Aufsteller des Ministerpräsidenten.

Wenig überzeugend auch der Nachrichten-Ticker links. Per Knopfdruck ließ sich die Geschwindigkeit regeln, damit einem nichts entging. Zum Klicken gab's unter anderem: "CSU-Topaktuell" - Maßnahmenpaket zur Bekämpfung der Jugendgewalt (mit Klick-Umfrage "Welche Maßnahme halten Sie für die wirksamste?", eine mögliche Antwort: "Ausweisung nach einem Jahr Freiheits- oder Jugendstrafe."

Kurz: Es wurde höchste Zeit, die Seite zu erneuern.

Handgemachtes mit einer verbesserten Bildsprache

"Grüß Gott auf den Internetseiten der CSU", heißt es also seit diesem Dienstag in der brandneuen Internetwelt der CSU. Und mit aller bajuwarischen Bescheidenheit wird behauptet, dass die Partei neue Maßstäbe im Internet setze, "dezent in der Farbe, kraftvoll im Inhalt".

Schaun mer mal.

Das Auffälligste zuerst: Es hat einen klaren Linksruck gegeben. Die Rubriken laufen nicht mehr oben parallel, sondern sind sehr übersichtlich linkerhand untereinander gegliedert. So macht man das heutzutage. Die Namen der Rubriken sind "sprechender" geworden. Es gibt keine "Köpfe" mehr, das heißt jetzt "Personen & Gruppen". Und siehe da, Herr Dr. Beckstein gehört jetzt auch dazu. Nun steht der Ministerpräsident gemeinsam mit Parteichef Erwin Huber zum Klick bereit. Links ein Bild und rechts daneben ein Autogramm. Auch Hobby-Graphologen können sich so vom einwandfreien Charakter der Granden überzeugen. Und alles sieht handgemacht aus.

Ansonsten gibt es viel altes Bier in neuen Krügen. Bestehende Inhalte wurden eins zu eins übernommen, so die stinklangweiligen tabellarischen Lebensläufe der Parteioberen, wie jeder Personaler sie heute in die Tonne schicken würde. Bewährtes muss eben erhalten bleiben, dafür stehen die Konservativen überall auf der Welt. Aber es gibt auch wirklich Modernes: Neben Podcast, Newslettern und guten Sortier- und Suchfunktionen setzt die CSU verstärkt auf die Kraft der Bilder. Jede Rubrik wird mit einem Symbolbild eröffnet. Und da haben sich die Projektbeauftragten viel Gutes einfallen lassen. Ehrlich.

Ankunft in der Jetztzeit

Aber wo viel Licht, da auch mal Schatten: In der Rubrik "Im Dialog" wird das Symbolbild zum Rohrkrepierer. Zwei Männer, einer in Lederhose, einer mit Anzug und Laptop vor der Nase, sitzen sich gegenüber. Mal abgesehen, dass die Szene trotz ultramodernen Anschnitts des Fotos an ein ödes Versicherungsgespräch erinnert, stehen doch da glatt zwei Maß mit abgestandenem Bier auf dem Tisch. Frische im Dialog assoziiert man damit nicht, leider.

Fazit: Von neuen Maßstäben im Internetauftritt kann keine Rede sein, die CSU ist mit der Optik, Rubrizierung und der Menüführung aber in der Jetztzeit angekommen, ihren Agenturen sei dank. Für die Inhalte sind die aber nicht zuständig. Da regiert statt des Laptops noch die Lederhose.