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Neues Kapital: Ist Facebook 50 Milliarden Dollar wert?

Nachdem Facebook erst das Netz erobert hat, ist nun der Rest der Welt dran. Nach einer neuen Kapitalrunde ist das Unternehmen inzwischen 50 Milliarden Dollar wert.

Von Gerd Blank

Innerhalb weniger Jahre wurde aus Facebook die wichtigste Anlaufstelle fürs Plaudern im Netz. Mehr als 500 Millionen Menschen nutzen und kommunizieren per Facebook weltweit - und täglich werden es mehr. Viele User nutzen Facebook als Tor zur Welt und verlassen das soziale Netz bei ihren Webbesuchen inzwischen nicht einmal mehr. Das wissen auch die Unternehmen, die mit Online-Anzeigen auf ihre Produkte aufmerksam machen wollen. Sie pflastern die virtuellen Wände des Angebots mit individualisierten Anzeigen voll. Und mit jeder Anzeige geht Geld an Facebook. Wie viel Facebook aber wirklich verdient, ist nicht bekannt. Da Facebook bisher nicht börsennotiert ist, unterliegt das Unternehmen nur sehr eingeschränkt Publikationspflichten. Spekuliert wird, dass der Börsengang spätestens 2012 stattfindet.

Dennoch ist Facebook für viele Anleger bereits jetzt höchst attraktiv. Seit der Gründung im Jahr 2004 hat Facebook über 740 Millionen Dollar von Kapitalgebern erhalten. Doch der größten Batzen ging Anfang 2011 auf das Facebook-Konto ein: Das Unternehmen Digital Sky Technologies erhöhte den bereits vorhandenen Anteil an Facebook um weitere 50 Millionen Dollar, die US-Großbank Goldman Sachs überwies sogar 450 Millionen Dollar. Damit nicht genug, denn Goldman Sachs verpflichtete sich, zusätzliche 1,5 Milliarden Dollar Wagniskapital zu beschaffen. Bemisst man den Wert von Facebook an den Eigentumsverhältnissen, ist das Unternehmen rund 50 Milliarden Dollar wert. Nicht schlecht für ein Unternehmen, das eigentlich keine messbaren Werte vorweisen kann. Damit ist Facebook wertvoller als Ebay, Yahoo oder Time Warner. Zum Vergleich: Google war bei seinem Börsengang im Jahr 2004 27 Milliarden wert.

Wiederholt sich die Geschichte?

Ende der 90er Jahre gab es eine ähnliche Entwicklung: Unzählige Internetfirmen sammelten unfassbare Geldsummen von Kapitalgebern an. Diese Unternehmen hatten allerdings oft außer einer Website, ein paar hübschen Ideen und einem Businessplan keine Vermögenswerte vorzuweisen. Vor etwa elf Jahren platzte die so genannte Dotcom-Blase, der Boom wurde jäh gestoppt. Nur wenige Webunternehmen überlebten die Krise unbeschadet.

Droht Facebook nun ein ähnliches Schicksal? Wohl kaum, dafür ist das Unternehmen und dessen Bedeutung inzwischen zu groß. Facebook hat deutlich mehr zu bieten als nur eine nette Website:

  • Die 500 Millionen registierten Nutzer, die bereitwillig persönliche Daten preisgeben, sind Gold wert.
  • Facebook ist überall: Längst hat Facebook den Schreibtischcomputer verlassen, ein Großteil der Facebook-Nutzer nimmt statt Maus und Keyboard lieber das Smartphone in die Hand, um mit seinen vernetzten Freunden zu kommunizieren.
  • Durch die Verknüpfung mit ortsbasierten Diensten hat Facebook längst den Schritt in die reale Welt geschafft: Ladenketten und Einkaufszentren locken Facebook-Nutzer mit Sonderangeboten.
  • Facebook ist in unzähligen Spielen und auf Webseiten integriert, auch stern.de hat ein eigenes Facebook-Profil und lässt per Facebook Artikel bewerten.

Dabei hat Facebook noch nicht einmal sein volles Potenzial ausgeschöpft, es gibt immer noch viele Menschen ohne schnellen Internetzugang und Facebook-Konto. Und: Bisher verdient das soziale Netz lediglich mit Anzeigen im eigenen Netz, eine Verbindung zu anderen Werbenetzwerken und zu Google-Diensten würden die Einnahmen sprunghaft steigen lassen.

Auch technisch ist die Entwicklung noch längst nicht abgeschlossen, einer der nächsten Schritte wird zwangsläufig die Einbindung von Internettelefonie sein. Erste Kooperationsgespräche mit Marktführer Skype soll es bereits gegeben haben. Es gibt sogar Gerüchte über ein eigenes Facebook-Handy.

Wohin mit dem ganzen Geld?

Doch wofür braucht Facebook so viel Geld, schließlich stehen beim Unternehmen gerade einmal zwischen 1500 und 2000 Angestellte in Lohn und Brot. Im Vergleich mit den etwa 20.000 Mitarbeitern bei Google ist das nichts. Es gilt als sicher, dass Facebook mit der neuen Kapitalspritze neues Personal einstellen wird. Und für mehr Menschen braucht man mehr Platz: Auch in Bürofläche wird kräftig investiert. Auf der Einkaufsliste des Unternehmens soll der ehemalige Campus von Sun Microsystems stehen. Mit einem Großteil des Geldes werden allerdings Investoren ausgezahlt - und damit die Gesamtzahl der Teilhaber wieder deutlich reduziert.

Spätestens bei einem Börsengang wird sich Mark Zuckerberg die Frage stellen lassen müssen, ob er der richtige Mann an der Spitze des Unternehmens ist. Auch wenn das "Time"-Magazin den Havard-Abbrecher zum Mann des Jahres 2010 gekührt hat, machte Zuckerberg als Unternehmenslenker nicht immer eine gute Figur. Gerade bei Fragen zum Datenschutz löste er mit seinen Äußerungen häufig Kontroversen aus. Hier könnte Google Vorbild sein. Die Gründer Larry Page und Sergey Brin holten sich vor dem Börsengang mit Eric Schmidt einen ausgewiesenen Manager für die Konzernleitung. Das schaffte nicht nur bei den Anlegern Vertrauen, sondern ließ Page und Brin den Freiraum, sich auf die technische Weiterentwicklung von Google zu konzentrieren. Ein Modell für Facebook? Bis zum Börsengang ist es jedenfalls Zuckerbergs Rolle, noch weiter fleißig Millarden zu sammeln, um sich für die Anleger hübsch zu machen.