Hack bei Sony Pictures Nordkorea leugnet Angriff auf Sony


Nach dem Hackerangriff auf Sony Pictures fiel der Verdacht schnell auf Nordkorea. Jetzt äußert sich die Diktatur erstmals, mit Lob für die Angreifer.
Von Malte Mansholt

Als vor zwei Wochen Hacker sämtliche Computer von Sony Pictures übernahmen, dauerte es nicht lange, bis Nordkorea als Täter in den Fokus der Ermittlungen rückte. Die ostasiatische Diktatur befand sich dank eines Filmes über den nordkoreanischen Präsidenten Kim Jong Un im Clinch mit dem Filmstudio. Im noch nicht erschienen Sony-Pictures-Film "The Interview" versuchen zwei Journalisten den als Lebemann dargestellten Diktator umzubringen. Nun hat sich Nordkorea das erste Mal zu den Vorwürfen geäußert - und ließ doch viele Fragen offen.

Die staatliche Nachrichtenagentur KCNA veröffentlichte gestern eine Stellungnahme des nordkoreanischen Verteidigungskomitees. In der mit jeder Menge Propaganda versetzten Erklärung leugnet das Komitee die Beteiligung Nordkoreas an dem Angriff. Man wisse weder, wo Sony Pictures in Amerika seinen Sitz hätte, noch welche Missetaten Sony zu den Angriffen geführt hätten, heißt es in der Stellungnahme. Den Film "The Interview" bezeichnet KCNA als Aufruf zu einem terroristischen Akt, er würde zudem die Würde des großen Führers verletzen. Interessanterweise leugnet die Erklärung nicht einmal, dass die Attacke mit dem Film zu tun haben könnte. Vielleicht, so spekuliert das Komitee, hätten ja Sympathisanten die gerechte Tat vollbracht.

Inszenierung als Widerstandskämpfer

Natürlich gibt es auch eine Erklärung, warum die Ermittler Nordkorea verdächtigen: Die USA und Südkorea, beide mehrfach als "Puppen" bezeichnet, hätten sich gegen den aufrechten Staat verschworen. Die USA als Menschenrechtsverletzer wählten demnach den tapferen Widerstandskämpfer Nordkorea als Ziel, statt sich kritisch mit den eigenen Untaten auseinanderzusetzen.

Hacker hatten vor zwei Wochen die Kontrolle über die Computer der Sony-Tochter Sony Pictures übernommen und Unmengen an Daten gestohlen - von Gehaltslisten über Budgetplanungen bis zu noch nicht veröffentlichten Filmen. Fünf dieser Filme veröffentlichten die Hacker auf Tauschplattformen, unter Anderem Brad Pitts Film "Fury". Der finanzielle Schaden des Angriffes ist auf Grund der Masse an Informationen längst noch nicht abzusehen. Vermutlich stehen dem Studio auch noch Schadensersatzklagen von an den Filmen Beteiligten ins Haus.


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