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Online-Rezepte: Die Website bitte kurz von beiden Seiten anbraten

Das Internet ist voller Kochrezepte, die nur darauf warten, ausprobiert zu werden. Der stern hat die besten Online-Küchen getestet. Hier sind sie - fangfrisch aus dem Netz.

Der hessische Ministerpräsident Roland Koch steht gern am Herd; wen wundert's bei dem Namen. Die Rezepte für Zitronenspaghetti oder Kaninchenfilets holt er sich nicht selten aus dem Internet: zum Beispiel bei chefkoch.de, laut Eigenaussage Europas größte Kochseite im Netz. Etwa 30 Millionen Mal im Monat wird die Seite aufgerufen. Mehr als 40000 Rezepte gibt es da, geordnet nach Saison, Region oder Art der Zubereitung. Und wer es bequem mag, lässt sich das Rezept des Tages per E-Mail jeden Morgen nach Hause schicken - kostenlos.

Kochen boomt. Kochen ist Thema. Zu Hause, in Kursen, Büchern, im Fernsehen. Aber vor allem: im Netz. Da fragt der User "SMB" im Kochforum des Südwestrundfunks (swr.de/kochen-im-suedwesten), wie man eine Lauge für selbst gemachte Brezeln herstellt - und zettelt damit eine wochenlange Diskussion an, mit fast 100 Beiträgen. Da testet der Autor dieser Zeilen die virtuelle Gourmet-Gemeinde von chefkoch.de mit einem fingierten, aber typischen Problem ("Bei mir werden Bratkartoffeln immer matschig!") - und erhält 30 Minuten später die knusprig-krosse Lösung ("Kartoffeln am Vortag kochen, wenig wenden, viel Geduld"). "Die Möglichkeit, sich auszutauschen, ist der große Vorteil gegenüber Kochbüchern", sagt Ulf Weber vom Internetdienstleister Pixelhouse, der die Chefkoch-Seiten betreibt.

Ohne den Mitteilungsdrang der Hobbyköche wären die meisten Kochportale nicht denkbar, denn sie speisen sich aus Rezepten ihrer Benutzer. Vielfalt ist die Folge (70 Variationen vom Zander auf kochseiten.de), aber auch unkontrolliertes Wachsen und Wuchern (1068 Saucen und Marinaden in einer Rezeptsammlung Kaiserslauterer Studenten, von "Bolognese alla Wolfgang" bis "Tomatensosse nach Feierabend" auf der Site kochbuch.unix-ag.uni-kl.de).

Niedlich-Kreatives ist dabei, wie Rezepte in Reimform (beim Auflauf "Eine Karre Mist" auf www.anbeissen.de), aber auch überaus Grenzwertiges wie Gyrossuppe, deren Zutaten, "2 Tüten Zwiebelsuppe" und "1 halbes Glas Zigeunersauce", nichts Gutes verheißen (rezeptsammlungen.de).

"Man braucht schon etwas Erfahrung, um einschätzen zu können, ob die Zutaten harmonieren und die Mengen stimmen", sagt Christina Richon, Gewinnerin des jüngsten stern-Kochwettbewerbs. Sie rät Anfängern zu Portalen, die von Institutionen, Lebensmittelproduzenten oder Zeitschriften geführt werden. Die Seite der deutschen Agrarwirtschaft (cma.de) bietet neben heimischen Rezepten Extras wie Butterguide, Käsefinder und eine Mediathek mit 600 Kochvideos. Dr. Oetker bringt auf oetker.de Beispiele aus seinem "Schulkochbuch"-Klassiker, viele Backrezepte natürlich, aber auch Aufläufe und Cannelloni ganz ohne hauseigene Produkte in der Zutatenliste. Die Magazin-Seite livingathome.de liefert unter der Rubrik "Menü für Zwei" die Gebrauchsanleitung fürs Candle-Light-Dinner. Und wer niemanden hat, den er bekochen kann, geht auf alleine-kochen-ist-doof.de. Dort sind "Sellerie, (27, W)" aus Münster oder "allesfrisch (39, M)" aus Köln ganz heiß auf kulinarische Kontakte.

Und die TV-Köche? Die stellen ihre Kreationen natürlich auch ins Netz: Bunt und verspielt kommt tim-maelzer.de daher, mit deftigen Spare Ribs und praktischen Tipps. Noch mehr Mälzer-Kost gibt es bei vox.de, wo man gezielt nach Gerichten aus seinen Sendungen suchen kann. Bioleks alfredissimo.de setzt auf Interaktivität: User müssen nur drei Zutaten aus dem eigenen Kühlschrank eingeben - Rezeptvorschläge folgen. Liebevoll gemacht ist johannlafer.de, mit ausgefeilten Desserts ("Mohneisparfait mit Honigbirnen") und dem Rat: "Arbeiten Sie mit Hingabe, und vermeiden Sie Hektik."

Lohnend ist auch ein Blick über den nationalen Tellerrand. Der Schweizer Kochbuchverlag Betty Bossi macht auf seiner Website bettybossi.ch Appetit auf "Schinkli im Teig mit Honigsauce" und gibt Ratschläge für die gelungene Tischdekoration. Auf dem britischen Portal www.deliaonline.com bricht Fernsehköchin Delia Smith eine Lanze für Fast Food mit Fantasie: "Bloody Mary Soup" zum Beispiel oder "Hot Chilli Prawns with Melting Cheese". So beliebt ist die Frau, dass "to do a delia", also das Nachkochen eines ihrer Rezepte, in England zum geflügelten Wort wurde. Wer Französisch spricht, kann sich auf saveursdumonde.net etwa von Pariser Restaurantchefs inspirieren lassen.

Eine der ungewöhnlichsten Webseiten zum Thema Essen füllt der Österreicher Gernot Katzer (uni-graz.at/~katzer/germ). 10.000 Gewürznamen aus 40 Sprachen hat der Chemiker und Asienreisende aufgelistet. Zu jedem Kraut gibt es eine Beschreibung von wissenschaftlichem Ausmaß, dazu Bezugsquellen-Tipps und viele Angaben über die Verwendung in den verschiedenen Landesküchen. "Und das ohne jede Werbung. Die Uni Graz identifiziert sich inzwischen so mit der Seite", sagt der 37-Jährige, "dass sie mir einen lebenslangen kostenlosen Webspace zugesichert hat."

Uwe Rasche/print

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