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Ortsbasierte Dienste: Wie man mit der Handy-Ortung Geld verdient

Ortungsdienste gelten als das nächste große Ding im Internet. Ganz vorn mit dabei ist das US-Startup Foursquare. Doch auch in Deutschland entstehen die ersten Plattformen - die Werbeindustrie wittert ganz neue Möglichkeiten.

Von Matthias Lambrecht und Andrea Rungg

Parker Liautaud hat es geschafft. Am Ende musste er zwar in den Helikopter umsteigen, um die letzten Kilometer zum Nordpol zu fliegen. Er kam einfach nicht weiter. Auf das Wetter ist eben kein Verlass. Somit ist der Schüler des britischen Nobelinternats Eton nicht der erste 15-Jährige, der auf Skiern bis zum nördlichsten Punkt der Erde vordringen konnte. Aber egal: Was wirklich zählt, ist, dass er sich den "Last Degree"-Badge bei Foursquare gesichert hat - den ersten Eintrag eines Nutzers des Online-Ortungsdiensts am nördlichsten Breitengrad.

Und das sind schließlich die Auszeichnungen, die künftig zählen werden. Ortungsdienste - im angelsächsischen Branchenjargon "Location-Based Services"- gelten nämlich als das nächste große Ding im Internet. Ob Foursquare oder Gowalla, Plancast oder Loopt - der Status im Internet war gestern. Künftig vermelden die User ihren Ort. Sie checken ein.

Möglich machen es kleine Softwareprogramme, sogenannte Apps, die auf Handys mit GPS-Funktion heruntergeladen werden. Damit können die Nutzer Restaurants, Museen, Hotels oder andere Punkte in der Umgebung markieren, mit Empfehlungen versehen oder Freunde kontaktieren.

Geburt eines Hypes

Foursquare - das den weltumspannenden Hype mit ausgelöst hat - wird von einem kleinen Büro im New Yorker East Village aus gesteuert. Gründer sind Dennis Crowley und Naveen Selvadurai. Derzeit teilt sich ihr 14-köpfiges Team noch 70 Quadratmeter mit zwei anderen Startups. Bald ziehen sie ein Stockwerk höher. Sie wachsen einfach zu schnell: eine Million Nutzer wollte Foursquare bis Jahresende haben. So viele werden es wohl schon in ein paar Tagen sein.

Um die hohen Büromieten in Manhattan müssen sich Crowley und seine Mitstreiter keine allzu großen Sorgen mehr machen. Branchenkenner veranschlagen den Marktwert der Firma auf mindestens 80 Mio. $. Und die Risikoinvestoren für die nächste Finanzierungsrunde stehen bereits Schlange. Auch mit Yahoo soll es Gespräche über einen Verkauf gegeben haben - Gerüchten zufolge soll das angestaubte Internetportal 100 Mio. $ geboten haben, um mit dem Newcomer ins Geschäft zu kommen. Crowley aber kann zocken.

Der Foursquare-Gründer lebt sein Programm. Seit Wochen arbeitet er Tag und Nacht, und wenn er nicht arbeitet, feiert er. Und so sitzt der 34-Jährige mit müden Augen und verwaschenem T-Shirt an seinem Laptop - oder im St. Marks Ale House, einer lärmenden Sports-Bar. Macht er "the next big thing"? "Natürlich redet gerade jeder über uns", gibt er sich bescheiden. "Unser Job ist es, die Aufmerksamkeit in ein tolles Produkt umzuwandeln."

Saufen für die Auszeichnung

Je länger die Partynächte, desto höher die Anerkennung bei Foursquare: Das Programm ist auch ein Spiel: Wer häufiger als alle anderen in einer Bar eincheckt, bekommt etwa den Titel "Mayor" - und vielleicht sogar ein Freigetränk. Der Besuch an anderen Plätzen wird mit "Badges" belohnt, die das Profil der Nutzer zieren. Wer an mehr als zehn Orten war, wird zum "Adventurer" geadelt. Und vier Check-ins in einer Nacht bringen das Prädikat "crunked" ein - eine Mischung aus "crazy" und "drunk".

Die Masche zieht, täglich kommen Tausende Nutzer hinzu. Und für Unternehmen eröffnen sich neue Perspektiven, ihre Produkte gezielt zu vermarkten. "Foursquare wird das Twitter 2010", orakelt der US-Branchendienst "Mashup". Doch den Vorläufern glaubt Crowley, der den Vergleich nicht mag, schon jetzt etwas vorauszuhaben: "Wir wissen bereits, wie wir Geld verdienen. Das ist der Unterschied zu vielen anderen Unternehmen, die gegründet werden."

Der Weg wird zur Werbepause Während man sich bei Twitter oder Facebook noch vorsichtig an die Vermarktung der Nutzerbasis herantastet, hat Crowley die ersten Deals festgezurrt. Einzelhändler, Restaurants, aber auch Ketten wie der Kaffeehausbetreiber Starbucks gehören bereits zu seiner Klientel. Während Starbucks testet, wie potenzielle Kunden in der Nähe der Filialen über Foursquare angesprochen und treue Caffè-Latte-Konsumenten belohnt werden können, verhandelt Crowley schon mit der Financial Times: Die britische Schwesterzeitung der FTD will über den Ortungsdienst Nutzer der Mensen führender Universitäten in Großbritannien und den USA für ihr Onlineabo gewinnen.

Auch in Deutschland wächst das Interesse an der Vermarktung über das Handy. "Die Resonanz ist groß", sagt Florian Resatsch, der seit ein paar Tagen mit Friendticker auf dem deutschen Markt ist.

"Als wir unser Konzept vor einem Jahr auf der Cebit präsentiert haben, hat das kaum jemanden interessiert", sagt der Berliner Gründer. Doch im Spätsommer verdichteten sich die Erfolgsmeldungen der Location-Based Services in den USA - und die Stimmung drehte. Resatsch und sein Team überarbeiteten ihr Konzept und reiten nun die Welle aus den USA.

Friendsticker hat das Modell von Foursquare abgewandelt und spricht Gastronomen und Einzelhändler in Deutschland an, die Crowleys bisher kleine Vetriebsmannschaft noch nicht erreicht. Resatsch will die Lücke nutzen - und schnell nach Großbritannien und Frankreich expandieren.

Es ist vor allem der Siegeszug von iPhone, Blackberry und anderen GPS-tauglichen Smartphones, der die lang gehegte Hoffnung in die Vermarktung über lokale Dienste endlich reifen lässt. "In diesem Jahr werden die lokalen Dienste massenmarktfähig, weil es immer mehr geeignete Endgeräte gibt", sagt Nico Lumma, Director Social Media bei der Hamburger Werbeagentur Scholz & Friends. Damit eröffneten sich ganz neue Möglichkeiten der zielgenauen Ansprache von Konsumenten. "Ohne Ablenkung durch Pinkelpausen oder Lastwagen, die vor Plakaten stehen", schwärmt der Werber.

Ortsspiele - für Freunde und Werbetreibende

Das Prinzip der Ortungsdienste ist immer gleich: Über Handyanwendungen wird sichtbar, wo Nutzer sich aufhalten. Das ist nicht nur für Freunde nützlich, sondern auch für Werbetreibende.

Foursquare

: Nutzer können über eine Geo-App in Bars oder Restaurants "einchecken". Die Restaurants wiederum können gezielt werben und Anwender mit Vergünstigungen locken, wenn diese gerade in der Nähe sind.

Gowalla

: Bezeichnet sich selbst als "Reisespiel": Wenn Anwender an bestimmten Orten einchecken, erhalten sie Belohnungen. Das soll dazu motivieren, Ausflüge zu machen und möglichst viele Orte zu besuchen.

Friendticker

: Der erste deutsche Ortungsdienst ist erst seit wenigen Tagen in Betrieb. Das Prinzip des jungen Berliner Unternehmens gleicht dem seiner US-Vorbilder: einchecken, Bekannte informieren, Belohnungen sammeln.

Loopt

: Kombiniert soziale Netzwerke mit Kartendiensten: Anwender sehen nicht nur, wo sich Freunde aufhalten, sondern können auch deren Aktivitäten verfolgen - etwa welche Fotos sie gerade eingestellt haben.

Google Buzz

: Auch Google setzt mit Buzz und Latitude auf Dienste mit Lokalisierungsfunktion. Microsoft bietet dagegen bislang nur Verbindungen zu seinem Kartenservice Bing Maps an.

Ob aber Foursquare, Friendsticker oder die anderen Newcomer als selbstständige Anbieter das Rennen machen, ist nach Einschätzung des Branchenkenners noch nicht ausgemacht. "Einige werden als Ergänzungen der bereits etablierten Dienste enden", prophezeit Lumma. "Denn dort haben sich viele Nutzer ja bereits mit ihren Freunden vernetzt."

Schon jetzt eröffnen die meisten Ortungsdienste die Möglichkeit, bereits aufgebaute Netzwerke zu integrieren. Die millionenfach genutzten Web-2.0-Plattformen legen zudem selbst nach, um das Zukunftsgeschäft nicht allein den Frischlingen zu überlassen: Twitter bietet Nutzern in den USA die Möglichkeit, ihre Tweets genannten Kurznachrichten mit einer Ortsmarke zu versehen. Facebook dürfte ähnliche Neuerungen auf seiner Entwicklerkonferenz in der kommenden Woche vorstellen. Und Google testet den Lokalisierungsservice Latitude, bei dem die Standorte ausgewählter Freunde bestimmt werden können.

Obacht bei der Partnersuche

Datenschützer wie der Bundesbeauftragte Peter Schaar warnen vor der "Gefahr des gläsernen Mobilfunknutzers", von dem Bewegungsprofile erstellt und Daten über Lebensstil und Kaufverhalten gesammelt werden können. Die jungen Wilden wischen die Bedenken beiseite. "Wir sind die Facebook-Generation, und die Leute haben gelernt, wie man etwas vor seinem Boss oder bestimmten Freunden verbergen kann", sagt Brian Knapp, Chief Operating Officer von Loopt. Neue Freunde könnten akzeptiert - oder eben abgelehnt werden.

Auch Crowley rät seinen Nutzern, bei der Auswahl der Bekannten, die man über den Aufenthaltsort informiert, besonders vorsichtig zu sein. Er selbst ist es ebenso bei der Suche nach Partnern für sein junges Unternehmen. Der Verkauf seiner ersten Gründung Dodgeball an Google vor fünf Jahren endete im Frust, 2007 schmiss Crowley hin, weil Google dem Zukauf bald nur noch wenig Bedeutung beimaß.

Beim zweiten Anlauf soll ihm das nicht passieren. Anfang des Monats war er im Silicon Valley und hat bei allen wichtigen Adressen vorbeigeschaut - Apple , Facebook und Twitter standen auf seiner Liste. Und mit Investoren hat er natürlich gesprochen, die es kaum mehr erwarten können, ihn mit ihren Millionen zu versorgen. Doch mehr als ein paar Foursquare-Badges hat Dennis Crowley in Kalifornien diesmal nicht eingesammelt.

FTD
Kann ich mich auf Geschwindigkeitsanzeige FritzBox verlassen?
Hallo zusammen, erstmal herzlichen Dank für die Leute, die sich Zeit nehmen Fragen zu beantworten oder ihre Erfahrungen mit anderen teilen. Das ist oft hlifreich, wenn man sich nicht so auskennt. Ich hoffe, dass mir jemand weiterhelfen kann. Die Telekom hat hier nach langer und ersehnter Zeit schnelle Leitungen verlegt. Mitarbeiter waren auch zu Besuch da und auch nett:-) Sie wollten ja auch, dass ich von 1und1 wieder zurück wechsel. Das ist für mich in Ordnung und gehört zum Wettbewerb. Da jedoch die Mitarbeiter mir sagten, dass die Telekom für paar Jahre das Vorrecht hätte, könnte ich schnelles Internet nur über Telekom beziehen. Sprich entweder Telekom und schnelles Internet oder langsames Internet. Da habe ich im Internet recherchiert und rausgefunden, dass das so nicht mehr stimmt. Das war der Grund, warum ich dann bei 1und1 DSL100 abgeschlossen habe, da man mir am Telefon gesagt, dass es ohne Probleme möglich wäre. Nun ist es jedoch so, dass wir gar nicht so merken, dass unser Internet schneller ist. Gerade in der oberen Etage kann man nicht ohne Router surfen oder Sky über Internet Fernsehen. Nun meine Frage: Bei der Fritzbox wird es jedoch angezeigt. Kann ich mich drauf verlassen? Oder wie macht ihr eure Messungen? Ich weiss, dass es Software gibt, aber der feste Rechner ist bereits alt und hat einen alten Internet Explorer drauf. Wenn ich mit einem Laptop im Wlan mich reinhänge, wird sicher die Geschwindigkeit sowieso niedriger und nicht verwertbar sein, oder? Vielen Dank für die Antworten.