Phishing Traumjob Geldwäscher


Sie machen einen seriösen Eindruck und locken mit bester Bezahlung: Auf die im Netz kursierenden gefährlichen Jobangebote von Online-Bankräubern fallen sogar Steuerprüfer rein.
Von Maximilian Geyer

Normalerweise, im wahren Leben, ist es sein Job, Betrüger zu finden und getürkte von echten Zahlen zu unterscheiden. Doch in der virtuellen Welt fiel Finanzfahnder Harald Gerdsen* auf eine Fälschung herein - und wurde nicht nur zum Opfer, sondern beinahe auch zum Täter. Der Steuerprüfer aus der Nähe von Berlin arbeitet beim Finanzamt, seinen Lebensstandard bessert er sich aber schon seit Jahren mit diversen Nebenjobs auf.

Über eine Google-Anzeige gelangte er auf Sterling-investments.com - eine gefälschte Internetseite mit ebenso gefälschten Jobangeboten, die den 46-Jährigen zum Handlanger von Geldwäscherbanden machten. Die Seite wirkte absolut seriös. "Ich hegte keinerlei Misstrauen", sagt er. Alles sah so echt aus: die Mitarbeiter, deren Porträts in Wort und Bild die Seite schmückten, die Niederlassungen samt Anfahrtsbeschreibungen, die angepriesenen Leistungen und die hochoffiziell aussehenden Zertifikate.

Harald Gerdsen bewarb sich als nebenberuflicher "Finanzberater". Er bekam den Job - und kurz darauf 2000 Euro auf sein Konto überwiesen. Seine Aufgabe war es, das Geld abzüglich eines achtprozentigen Honorars abzuheben und bar mit dem Geldversendedienst "Western Union" weiterzuleiten. An eine Person in der Ukraine. "Da bin ich dann irgendwie stutzig geworden", sagt er. Das Geld, das auf seinem Konto landete, stammt von Geschädigten. Betrüger hatten arglosen Internetnutzern über die haufenweise kursierenden Mails, die angeblich von Banken kommen, ihr Passwort entlockt. Damit räumten sie die Konten ab - und missbrauchten dann ebenfalls arglose "Finanzvermittler" wie Harald Gerdsen als Geldwäscher für die heißen Euro.

"Phishing" heißt der Passwort-Klau nach dieser Methode, ein Kunstwort aus "Passwort" und "fishing". Mehr als 400.000 Menschen sind allein in Deutschland bereits Opfer von Phishing-Betrügern geworden. Das Onlinebanking macht es den Kriminellen leicht: Hätten sie früher eine ganze Bankfiliale nachbauen müssen, um die Kunden in die Falle zu locken, so reicht heute eine gefälschte Internetseite. Die Kreditinstitute sind nahezu machtlos dagegen, sie können kaum etwas tun, außer ihre Kunden zur Vorsicht zu mahnen (siehe Kasten links).

Die Täter im Hintergrund operieren aus dem Ausland und können meist nicht gefasst werden. Den unfreiwilligen Geldwäschern hingegen drohen hohe Strafen. Ein Darmstädter Rentner zum Beispiel konnte zwar glaubhaft versichern, dass er sich der Illegalität der Transaktionen nicht bewusst war - trotzdem bekam er für seinen "Nebenjob" ein Jahr und sechs Monate auf Bewährung. In Hamburg musste in einem ähnlichen Fall eine Frau 33.000 Euro an ihre Bank zurückzahlen, die sie zuvor an Phisher aus dem Ausland weitergeleitet hatte.

Bei Harald Gerdsen ging es gerade noch mal gut. Im Netz erfuhr er von den Machenschaften der Phisher auf der Seite der "Arbeitsgruppe Identitätsschutz im Internet" (www.a-i3.de), überwies das erhaltene Geld zurück an das Phishing-Opfer und meldete den Vorfall der Polizei. Die Seite Sterling-investments.com gibt es mittlerweile nicht mehr. Dem Boom am Phishing-Arbeitsmarkt tut das allerdings keinen Abbruch. Die Firma "Premium Invest Group" beispielsweise ist schon wieder auf der Suche nach neuen "Mitarbeitern".

*Name von der Redaktion geändert

Mitarbeit: Mascha Jacoby print

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