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Raubkopierer-Prozess: "Hobby zum Beruf gemacht"

Drei der vier in Thüringen vor Gericht stehenden Männer haben gestanden, in großem Stil Raubkopien und Pornografie über das Internet vertrieben zu haben. Der Prozess gilt als der größte dieser Art in Deutschland. Der Hauptangeklagte sagte, er habe "sein Hobby zum Beruf gemacht".

Drei Männer haben am Mittwoch vor dem Landgericht Mühlhausen (Thüringen) den Vertrieb hunderter Raubkopien von Filmen, Musikdateien und PC-Spielen gestanden. Nach Angaben der Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen handelt es sich um einen der bisher größten Fälle im deutschsprachigen Raum. Die Angeklagten im Alter zwischen 22 und 49 Jahren aus Thüringen und Bayern sollen mit ihrer Internetseite innerhalb eines Jahres mehr als 700.000 Euro Gewinn gemacht haben. 15 000 Kunden waren laut Staatsanwaltschaft angemeldet.

Zu Prozessbeginn wurde mitgeteilt, dass es Vorabsprachen zwischen Gericht, Staatsanwaltschaft und Verteidigung gibt. Danach könnten die Angeklagten bei einem Geständnis mit Bewährungsstrafen und der Zahlung von Geldbußen von bis zu 90.000 Euro rechnen. Gegen einen 23- Jährigen, der wegen Beihilfe angeklagt war, wurde das Verfahren wegen seiner untergeordneten Rolle in dem Fall gegen Auflagen eingestellt. Er muss 2500 Euro zahlen und 100 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten.

Geld "nur eine untergeordnete Bedeutung"

Der 22 Jahre alte Hauptangeklagte sagte vor dem Landgericht, er habe "sein Hobby zum Beruf gemacht". Geld verdienen habe dabei eine untergeordnete Bedeutung gehabt. Der Student aus Thüringen hatte im Sommer 2003 gemeinsam mit seinem zehn Jahre älteren Bruder und einem 49 Jahre alten Anwalt aus München eine spezielle Internetseite zum illegalen Herunterladen von urheberrechtlich geschützten Musikdateien, Programmen und Kinofilmen installiert.

Der mitangeklagte Rechtsanwalt sagte, er habe von den illegalen Downloads nichts gewusst und sei nur beratend tätig gewesen. Er sei empört über den Vorwurf, dass er 380.000 Euro Bargeld verschwinden lassen wollte. Die Summe war einen Monat vor der Festnahme der Angeklagten im September 2004 vom Anwaltskonto abgehoben und nach Thüringen auf das Grundstück der Eltern der Brüder gebracht worden. Rund 600.000 Euro wurden insgesamt von den Ermittlern beschlagnahmt.

Firma auf den Britischen Jungferninseln

Nach der Firmengründung auf den Britischen Jungferninseln, der Installation eines Abrechnungssystems und mehreren Server im Ausland stellte der Hauptangeklagte die Internetseite ins Netz. Im August 2004 konnten dort bereits 329 Filme, 86 PC-Spiele, etwa 100 Musikdateien und 29 Anwenderprogramme heruntergeladen werden. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wird gegen einen Großteil der eingetragenen Kunden derzeit noch ermittelt. Der Prozess soll am kommenden Mittwoch fortgesetzt werden.

Einer der Hauptangeklagten wurde bereits wegen der Verbreitung von Raubkopien bestraft. Die anderen Verdächtigen sind nicht vorbestraft. Von den meisten der 15.000 Kunden der Angeklagten wurde laut Staatsanwaltschaft die Identität ermittelt. Die Ermittlungsverfahren wurden an die zuständigen Landeskriminalämter weitergeleitet. In Thüringen wurde gegen 120 Kunden ermittelt.