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Sascha Lobo im Interview: Wie der Interneterklärer Facebook und Twitter nutzt

Die NSA-Überwachung hat bei vielen Nutzern den Umgang mit sozialen Netzwerken verändert. Im dritten Teil des "Jung & Naiv"-Gesprächs erklärt Sascha Lobo, was er seit dem Spähskandal anders macht.

Sascha Lobo feilt bis zu einer Stunde an einem Tweet

Sascha Lobo feilt bis zu einer Stunde an einem Tweet

Das Internet ist nicht das, wofür ich es gehalten habe", schrieb Deutschlands bekanntester Netzexperte Sascha Lobo vor wenigen Wochen in einem Gastbeitrag der "FAS". Als Medium der totalen Kontrolle würde es die Grundlagen der freiheitlichen Gesellschaft untergraben, zudem sei es auch ökonomisch zerstörerisch. Der Skandal, behauptet Lobo, "betrifft auch jene, die glauben, der Totalüberwachung zu entgehen, indem sie Facebook nicht benutzen".

Doch wie hat sich sein persönlicher Umgang im Internet seit Bekanntwerden des NSA-Skandals verändert? Im dritten Teil des "Jung und Naiv"-Gesprächs (Hier können Sie Teil 1 und Teil 2 nachlesen) erklärt Lobo seine Probleme mit sozialen Netzwerken und beantwortet einige Leserfragen.

Sascha Lobo, wer hat dich zum Sprecher der Netzgemeinde gewählt?
Da könnte ich jetzt total witzig darauf antworten.

Probier's!
Möchte ich nicht. Ich kann vielleicht als Nebenbemerkung sagen, dass ich einen ganz großen Trumpf in der Tasche habe: Mir gehört die Domain "www.netzgemeinde.de".

Echt?
Ja, die habe ich mir gekauft. Von dem Geld, von dem man so viel hört. Insofern ist da die Deutungshoheit erstmal bei mir, ganz klar. Der zweite Punkt, der hinter dieser Frage steht, ist aber natürlich einer, der im Kontrast zu betrachten ist. Diese Netzgemeinde gibt es tatsächlich. Vor allem, weil sie von außen so betrachtet wird. Ich habe immer gedacht, das sind so zwischen 20.000 und 50.000 Menschen, in letzter Zeit habe ich 30.000 gesagt. Aber die Zahl ist auch nicht so wichtig.

Wer dazu gehört und wer nicht, das ist die zweite Frage. Aber es gibt Leute, die können einen digitalen Diskurs, eine Diskussion im und über das Netz mitbestimmen. In einem ausschlaggebenden Maß. Und die bezeichne ich als Netzgemeinde. Und wenn alle anderen entweder nicht geschickt oder laut genug sind, nicht das Instrumentarium haben oder meinetwegen zu wenig Twitter-Follower, es nicht wollen oder nicht die Zeit haben, um sich angemessen mit ihren Thesen Gehör zu verschaffen, dann würde ich sagen: Dann fülle ich einfach dieses Vakuum auf. Und deswegen ist so eine Frage überhaupt möglich. Niemand hat mich dazu ernannt. Aber es ist die Abwesenheit eurer lauten Stimmen, die meine deutlicher hörbar macht.

Günter Hack will wissen, inwiefern sich dein Verhalten im Netz geändert hat seit Snowden – und warum?
Mein Verhalten hat sich insofern verändert, dass ich versuche zu hinterfragen, welche Mechanismen dazu dienen, die Überwachung zu fördern. Was dient eher der Überwachung und was steht ihr entgegen? Dementsprechend passe ich auch mein eigenes Verhalten etwas an.

Wie kann man das Netz wieder stärker machen?
Das Netz könnte man durch eine Dezentralisierung stärker machen. Das ist die Stärke des Netzes, genauso wie seine Dummheit gegenüber Daten. Ich will damit sagen: Das Netz an sich darf ja nicht intelligent sein. Sondern die Intelligenz muss eigentlich in den Endpunkten, den Servern und Geräten, liegen. Man muss weniger zwischen verschiedenen Daten unterscheiden und die Netzneutralität gewährleisten, indem man versucht, mehr Vernetzung zu erreichen. Indem man mehr und intensiver und besser versucht, zu verschlüsseln.

Steffen will wissen, ob du das Totschlag-Argument "Ihr dürft euch nicht über die NSA beschweren, solange ihr alles auf Facebook hochladet" in der Luft zerreißen kannst?
Zum einen gibt es einen riesigen Unterschied, ob ich Daten freiwillig oder halbwegs freiwillig irgendwo einstelle oder ob Daten abgefischt werden, ohne dass ich das weiß. Zum zweiten glaube ich, dass das Argument deswegen ernsthaft katastrophal ist, weil es von der Annahme ausgeht, dass man der Überwachung entweichen kann, indem man einfach den Laptop zuklappt und Facebook nicht benutzt. Das ist falsch, das ist nicht richtig! Die Überwachung geht so tief und ist so vielgestaltig unterwegs, dass es letztlich fast egal ist, ob ich ein soziales Netzwerk nutze oder nicht. Ich kann trotzdem voll erfasst und überwacht werden.

Du bist in sozialen Netzwerken nicht so aktiv. Ist das auch ein Grund?
Ich habe für mich selbst herausgefunden, dass ich soziale Netzwerke nicht sozial verwenden kann. Das ist für mich ein Sendekanal in den allermeisten Fällen. Das hängt natürlich auch mit meiner Position in der Öffentlichkeit zusammen. Aber ich kann Facebook nicht so benutzen wie meine Freunde: "Hey, lass uns mal zusammen ... und blablabla", "Kommt ihr mit auf dieses Event? Ich bringe auch Mineralwasser mit". Nee, das geht nicht.

Das ist für mich ein Sendekanal, der Öffentlichkeit bedeutet. Das wird viele Leute überraschen, aber es gibt Menschen, die mir jetzt nicht ausschließlich positiv gesonnen sind, und die durchaus Informationen privater Natur gegen mich verwenden würden – und sei es nur aus Jux. Insofern ist dieser Zug, social networks wirklich social zu benutzen, für mich abgefahren. Ich benutze soziale Netzwerke deshalb nach einem Prinzip, das ich mir ausgeborgt habe.

Von wem?
Von dem kleinen Automobil "Smart". Er wurde eingeführt mit dem Claim "reduce to the max", auf das Maximum reduzieren. Das ist genau meine Verfahrensweise mit sozialen Netzwerken. Ich reduziere das auf das Maximum. Das heißt: Ich twittere vielleicht alle vier Tage mal. Dann aber versuche ich so präzise, so überlegt und so wirkungsintensiv wie möglich zu twittern.

Du sitzt also eine Stunde an einem Tweet?
Ja. Du versuchst das gerade als Scherz darzustellen, aber ja, es stimmt schon.

Mir ist gerade die Idee gekommen: Bist du nicht der deutsche Bundestrainer des Internets? Könntest du dich damit anfreunden?
Ja, natürlich. Das ist etwas, wo ich mich sehr drin wiederfinde. Ich bin ja auch zum König und Präsidenten der Netzgemeinde gewählt und 2011 wie 2012 im Amt bestätigt worden. Insofern: Dass das Amt des Bundestrainers mir auch noch angetragen wird, wäre genau das, was ich ohnehin angestrebt habe.

Das ist als Vergleich gar nicht so unpassend, um zu verstehen, warum ich einen Debattenartikel geschrieben habe und mich sehr freue über das Echo. Ich hätte mir in manchen Bereichen gewünscht, dass sich manche Antworten mehr auf die Aussagen des Textes bezogen hätten als auf das, was manche glaubten, was drin gestanden haben könnte, weil man es so auf Twitter gelesen hat.

Aber insgesamt bin ich zufrieden mit der sehr umfassenden Reaktion. Man muss auch sehen, dass sich viele Leute dazu berufen gefühlt haben, zu antworten, weil ich das geschrieben habe. Das ist vielleicht eine Erklärung. Dieses Bundestrainer-Ding ist vielleicht eine Erklärung – auch wenn die natürlich total albern ist.

Wann ist das nächste Länderspiel? Gibt's ein Länderspiel Deutschland-Amerika?
Es findet das Rückspiel statt. Jetzt im Sommer. Das Hinspiel ist 50:0 ausgegangen, weil die deutsche Mannschaft nicht aufs Feld kam. Ach, das ist Quatsch. Wir brauchen keine Nationalvergleiche beim Internet.

Das vollständige Interview mit Sascha Lobo finden Sie auf Youtube oder direkt auf der Webseite Joiz.

Themen in diesem Artikel
Kann ich mich auf Geschwindigkeitsanzeige FritzBox verlassen?
Hallo zusammen, erstmal herzlichen Dank für die Leute, die sich Zeit nehmen Fragen zu beantworten oder ihre Erfahrungen mit anderen teilen. Das ist oft hlifreich, wenn man sich nicht so auskennt. Ich hoffe, dass mir jemand weiterhelfen kann. Die Telekom hat hier nach langer und ersehnter Zeit schnelle Leitungen verlegt. Mitarbeiter waren auch zu Besuch da und auch nett:-) Sie wollten ja auch, dass ich von 1und1 wieder zurück wechsel. Das ist für mich in Ordnung und gehört zum Wettbewerb. Da jedoch die Mitarbeiter mir sagten, dass die Telekom für paar Jahre das Vorrecht hätte, könnte ich schnelles Internet nur über Telekom beziehen. Sprich entweder Telekom und schnelles Internet oder langsames Internet. Da habe ich im Internet recherchiert und rausgefunden, dass das so nicht mehr stimmt. Das war der Grund, warum ich dann bei 1und1 DSL100 abgeschlossen habe, da man mir am Telefon gesagt, dass es ohne Probleme möglich wäre. Nun ist es jedoch so, dass wir gar nicht so merken, dass unser Internet schneller ist. Gerade in der oberen Etage kann man nicht ohne Router surfen oder Sky über Internet Fernsehen. Nun meine Frage: Bei der Fritzbox wird es jedoch angezeigt. Kann ich mich drauf verlassen? Oder wie macht ihr eure Messungen? Ich weiss, dass es Software gibt, aber der feste Rechner ist bereits alt und hat einen alten Internet Explorer drauf. Wenn ich mit einem Laptop im Wlan mich reinhänge, wird sicher die Geschwindigkeit sowieso niedriger und nicht verwertbar sein, oder? Vielen Dank für die Antworten.