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Song-Suchmaschine "Midomi": Hey, Lied, wie heißt Du?

Die Melodie schwirrt im Kopf herum, eine Textzeile lässt sich nicht mehr vergessen... Wie heißt dieser verdammte Song bloß? Hilfe bei solchen Fragen verspricht die Website "Midomi". Dort kann man nach Liedern suchen, indem man sie dem PC vorsingt - oder -summt.

Von Matthias Lauerer

Ein Song weht durch den Kopf. Ich frage mich, wie er nur heißen könnte. Doch ich habe keine Ahnung, während der Ohrwurm konzentriertes Arbeiten unmöglich macht. Ich muss jetzt wissen, wie "er" denn nun heißt und wer "ihn" gesungen hat. Zu meinem Glück gibt es Hilfe für mich und für alle anderen Musik-Opfer dieser Couleur im Internet: das Web-2.0-Projekt "Midomi".

Auf der seit Ende Januar 2007 aktiven Website www.midomi.com können Suchende oder just vom Ohrwurm Verfolgte einfach und kostenlos nach "ihrem" unbekannten Lied suchen. Oft sind nur ein Teil des Textes oder der Melodie bekannt. "Midomi" verspricht Hilfe beim Finden. Dazu stehen Surfern auf der Seite zwei Optionen offen. Möglichkeit 1: Die Suche nach dem Song per eigenem Gesang. Oder als Variante 2 die Suche mittels bekannter Wörter oder einer Textzeile aus dem Lied.

Theorie...

Schon wenige Wörter genügen. Wer den Button "Search with your Voice" klickt, kann seine Sanges-Künste über die Aufnahme-Funktion speichern. Dafür ist unbedingt ein ordentliches Mikrofon, zum Beispiel an einem Headset, nötig. Selbst ein schüchternes Einsummen der Melodie ist möglich. Die Suche erfolgt nach Ende des auf 20 Sekunden begrenzten Gesangs dann ganz wie von Geisterhand. Nach wenigen Sekunden spuckt die Suchfunktion alle möglichen Treffer aus. Wer will, kann sich danach durch alle weiter unten auf der Seite aufgelisteten Singversuche anderer "Midomi-Nutzer" klicken. Soweit zur Theorie. Doch wie gut arbeitet die Beta-Version wirklich?

... und Praxis

Ein Sing-Test hilft weiter. Ich versuche es zunächst mit dem Klassiker "Luka" von Suzanne Vega. Mit großer Mühe singe ich nicht zu schief: "My name is Luka. I live on the second floor. I live upstairs from you" ins Mikrofon. Das muss reichen. Doch tut's das? Denn selbst der Kater ist während meines Gesangs aus seinem Körbchen gesprungen und schnell aus dem Raum gelaufen. Nach wenigen Sekunden spuckt "Midomi" dann das Ergebnis aus: "Luka" von Suzanne Vega. Es stimmt. Jetzt hätte ich im Falle eines Falles meinen musikalischen Quälgeist identifiziert. Immerhin fünf User haben das Lied so oder so ähnlich wie ich eingesungen! Neben den Ergebnissen kann ich zusätzlich per Maus-Klick auf die persönlichen Seiten aller bisherigen "Luka"-Interpreten gehen. Mein persönlicher Luka-Favorit hat den Nicknamen "iguanaaa", ist 37 Jahre alt und kommt aus Frankreich. Ihr Gesang klingt gut. 39 Lieder hat sie bereits eingesungen, drei Fotos von sich sind online gestellt und immerhin sieben Fans finden ihren Gesang auch toll.

Netter Gimmick: Rechts findet sich auch das Original-Stück von Vega, zum Reinhören und zum Kauf für 99 Dollar-Cent. Doch dafür muss sich der neue Benutzer anmelden und seine gültige Mail-Adresse angeben.

Im zweiten Versuch teste ich jetzt die Texterkennung. Ich tippe unter "Search with your Keyboard" die Textzeile: "All aboard all aboard oh-oh" ein. Sie stammt aus dem Rave-Klassiker "Last Train to Transcentral" der Gruppe The KLF. Und tatsächlich: "Midomi", oder besser gesagt, seine Nutzer erkennen das Lied sofort. Zweiter Test bestanden.

Mehr Sänger = bessere Suche

Das besonders Spannende an "Midomi" ist der für viele Web-2.0-Angebote so typische Mitmach-Faktor. Denn je mehr Menschen ihre Lieblings-Lieder einsingen, desto besser stöbert die Seite zuvor unbekannte Titel auf. Und es macht einfach Spaß, sich an den mehr oder weniger gelungenen Versuchen anderer Sänger zu laben. Dabei finden sich unbekannte Popstars des Gesangs ebenso wie gruseliges Jaulen.

Wer will, kann die Gesänge auch bewerten. Aktuell führt Mike Ramone die "Midomi-Hitparade" zu Recht mit seiner Version des Songs "Otherside" von denn "Red Hot Chili Peppers" an. Immerhin 522 Hörer fanden den Song ganz prima. Doch egal ob gut oder schlecht: jeder dient mit seinem Einsatz dem nächsten Suchenden, der von seinem unbekannten Lied oder einem Refrain vielleicht bis in den Schlaf verfolgt wurde. Hinter "Midomi" steckt übrigens das US-Unternehmen "Melodis" mit Sitz im kalifornischen Silicon Valley. Dort kümmert man sich laut Homepage nicht mehr und nicht weniger "um die Verwirklichung uralter Träume" im Bereich der Spracherkennung. Klingt gut, doch schon heute rettet "Midomi" ratlose Musik-Fans bei ihrer Suche nach vermissten oder noch unbekannten Titeln.

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