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Spam-Mails: Post für den Mülleimer

Unversehens sind sie wieder da: Werbe-Mails, die Internet und E-Mail-Fächer milliardenfach verstopfen. Die bewährten Schutzmaßnahmen greifen nicht mehr - und neue müssen erst noch entwickelt werden

Von Ulf Schönert

Viagra war gestern, jetzt sollen wir Aktien kaufen. Zum Beispiel von der Firma Amerossi International Group oder von der Flair Petroleum Corporation. Die seien nicht nur billig, sondern auch noch krass unterbewertet, heißt es in E-Mails, die zurzeit milliardenfach im Internet unterwegs sind. Quietschbunt kommen die Aktientipps daher, mit schnörkeliger, geschwungener Schrift. Es sind Mails, die keiner will und die weltweit Internetleitungen und Festplatten verstopfen: Spam.

Nahezu jeder Internetnutzer hatte schon Spam-Mails in seinem Postfach. Ungefragt nerven sie mit Angeboten für Tabletten, Rolex-Uhren, Heilkräuter und Pornovideos. Zwar werden sie meist ungelesen gelöscht. Doch wenige Dumme, die darauf reinfallen, reichen aus, um sie zu einem lukrativen Geschäft zu machen. Schließlich verursacht das Mailverschicken weder Porto- noch Druckkosten.

Bis zum Jahresanfang schien es, als habe die Netzgemeinde das Problem einigermaßen in den Griff bekommen. Nur noch wenige Spams schafften es bis auf die Bildschirme, weil Filterprogramme den Spam frühzeitig zum Beispiel an typischen Textpassagen identifizieren und löschen konnten.

Schwarze Listen gegen die Spam-Welle

Adressen bekannter Massen-Mailer wurden zudem auf riesigen "Blacklists" gesammelt und blockiert. Doch seit ein paar Wochen ist die Branche in heller Aufregung. Von einer "massiven Spam-Welle ungeahnten Ausmaßes", spricht Spam-Bekämpfer Ralf Benzmüller vom Sicherheitssoftware-Hersteller G Data und warnt vor einer weiteren Zunahme in nächster Zeit. Eine "Spam-Flut während der Weihnachtstage" befürchtet auch die Anti-Spam-Firma Iron-Port. Dabei sind schon jetzt nur noch sieben Prozent aller E-Mails erwünschte Nachrichten, meldete jüngst die Sicherheitssoftware-Firma Postini. Die anderen 93 Prozent sind Müll.

Dass es jetzt wieder losgeht, liegt daran, dass die Spammer neue Tricks gefunden haben, die Abwehrmaßnahmen zu umgehen. Texterkennungsfilter sind für sie kein Problem mehr, seit sie ihre Botschaften in Bilddateien verstecken. Außerdem operieren sie nicht mehr wie früher von einzelnen Rechnern aus, sondern über "Botnets". So nennt man Ansammlungen von Privat-PCs, die mithilfe von Computerviren gekapert und zu Spam-Schleudern umgewandelt werden - ohne dass deren Eigentümer etwas davon merken. Für die Spammer hat das gleich zwei Vorteile: Die "Blacklists" greifen nicht mehr, weil die Absender ganz normale Internetnutzer sind. Und die Kosten für Internetleitungen und Speicherplatz sinken auf nahe null.

Verändertes Geschäftsmodell

Schlussendlich haben viele Spammer auch noch ihr Geschäftsmodell verändert: Anstatt Waren zu verkaufen, werben sie für bestimmte Billigaktien ("Pennystocks"). Die Idee dahinter: Fallen genügend Mail-Empfänger auf die Werbepost herein und kaufen die so beworbenen Aktien, treiben sie dadurch den Kurs nach oben. Dann verkaufen die Spam-Versender ihre zuvor billig erworbenen Aktien und streichen den Gewinn ein.

Noch ist kein Kraut gegen diesen "Spam 2.0" ("New York Times") gewachsen, doch es wird daran gearbeitet. Die Firma G Data hat ein vielversprechendes Schutzsystem entwickelt, das den Mailverkehr über Kontinente hinweg überwacht und in der Lage sein soll, Massenaussendungen innerhalb kürzester Zeit zu erkennen und zu blockieren. An einem ähnlichen System arbeitet die Firma Strato gemeinsam mit Wissenschaftlern der Humboldt-Universität Berlin. "Ich denke, dass es zu jeder Methode eine Gegenmethode gibt", sagt Ralf Benzmüller. Zu befürchten ist nur, dass die Spammer das ganz genauso sehen.

Keine Spam-Produkte bestellen!

Würde niemand mehr kaufen, was per unerwünschter E-Mail beworben wird, gäbe es kein Spam mehr.

Nie auf Spam-Mails antworten!

Beschwerden oder Beschimpfungen interessieren keinen Massen-E-Mailer. Sie helfen ihm sogar, denn sie zeigen, dass die Mail-Adresse genutzt wird.

Mail-Adresse geheim halten!

Geben Sie Ihre E-Mail-Adresse nur vertrauenswürdigen Personen. Nutzen Sie für Webseiten oder Foren eine zweite, kostenlose E-Mail-Adresse.

Anti-Viren-Software einsetzen!

So können Sie verhindern, dass Ihr PC selbst zur Spam-Schleuder wird.

Spamfilter aktivieren!

Selbst kostenlose Mail-Dienste bieten oft Spam-Filter an, die Teile des Werbemülls in separate Verzeichnisse kopieren.

Anti-Spam-Software nutzen

Viele Anti-Viren-Software-Pakete und manche E-Mail-Programme können Werbe-Mail automatisch aussortieren.

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