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Schluss mit Pöbeleien: Hass im Netz: Twitter rüstet auf

Der Mikrobloggingdienst Twitter rüstet auf – und versucht seine User dabei zu unterstützen, sich gegen Trolle und Gewaltsprache zu wehren.

Twitter Hass

Twitter will stärker gegen beleidigende Posts vorgehen

Öffentliche Plätze im virtuellen Raum sind – wie im echten Leben auch – Sammelpunkte für gesellschaftliche Strömungen. Der Wutbürger zeigt sich demnach auch im Netz und nimmt dabei mitunter seine hässlichste Form an, die des Trolls. Aber nicht nur Trolle gefährden den sozialen Frieden im Netz: Auch einzelne User, die beleidigende, gewaltverherrlichende oder bedrohliche Inhalte posten.

Das soziale Netzwerk Facebook kennt das Problem, besonders aufmerksam verfolgt jedoch der Mikrobologgingdienst Twitter diese Entwicklung, erklärte nun der Gründer und Chef Jack Dorsey anlässlich der Einführung neuer Features: "Weil bei Twitter alles öffentlich und in Echtzeit stattfindet, hatten wir im Umgang mit beleidigendem Verhalten einige Herausforderungen zu meistern."

Wort-Filter für Benachrichtigungen

Das Team hätte seine Aufmerksamkeit dabei auf die kritischsten Punkte gerichtet. Erstens: Die Sichtbarkeit von beleidigenden oder bedrohlichen Inhalten. Twitter bietet bereits seit Langem die Möglichkeit, bestimmte Accounts auszublenden, von denen man keine Tweets sehen will. Das neue "Mute Keyword"-Feature geht einen Schritt weiter: Jetzt kann man Benachrichtigungen für Tweets oder ganze Konversationen ausblenden, in denen bestimmte Wörter oder Sätze verwendet werden – gleich, von welchem Account.

Ein Beispiel: Jemand schickt an den Account @Girl123 den Tweet "Ich hoffe, du wirst vergewaltigt!" Die Inhaberin von @girl123, die viel zu feministischen Themen tweetet, hat jedoch mit dem neuen Feature vorsorglich mehrere Wörter aus ihren Benachrichtigungen ausgeblendet, darunter "Vergewaltigung" und "vergewaltigt". Sie wird diesen Tweet also weder in ihren Twitter-, noch in ihren SMS- oder E-Mail-Benachrichtigungen sehen. In ihrer Timeline wird der Tweet jedoch auftauchen – es sei denn, sie hat den Account des Absenders geblockt. "Wir haben aber die Erfahrung gemacht, dass das meiste Unbehagen mit den Benachrichtigungen erzeugt wird", erklärt Sinéad McSweeney, Twitter-Vizepräsidentin für Kommunikation und Strategie für Europa. "Daher die Konzentration darauf."

Mit Geschichtsbewusstsein gegen Trolle

Twitter will auch das Melden von Accounts erleichtern und bietet ab sofort zwei neue Gründe an, warum jemand gemeldet wird: "Beinhaltet persönliche Informationen" und "Richtet seinen Hass gegen eine bestimmte Rasse, Religion, sexuelle Orientierung oder gegen ein bestimmtes Geschlecht". Twitter-Chef Jack Dorsey hofft, damit "unsere Möglichkeiten, eine Meldung zu bearbeiten, zu verbessern, damit der angegriffenen Person einen Teil der Last abzunehmen und auf Twitter eine Kultur des Beistands zu fördern."

Twitter unterhält weltweit Support-Teams, die in den vergangenen Monaten besondere Trainings absolvierten, um schneller auf missbräuchliche Tweets aufmerksam zu werden. "Das beinhaltet auch den kulturellen und historischen Kontext von Inhalten", erklärt Jack Dorsey. Wenn also jemand am 9. November, dem Jahrestag der Novemberprogrome von 1938, tweetet: "Heute Nacht werden in Berlin wieder Fensterscheiben zu Bruch gehen", dann wird dieser Tweet eher als gegen jüdische Einrichtungen gerichtete Drohung verstanden werden, wenn das Support-Team den Zusammenhang erkennt.

Twitter - das Nachrichten-Netzwerk

Twitter möchte sich von sozialen Netzwerken wie Facebook und Instagram unterscheiden, man spricht von sich selbst explizit von einem Nachrichten-Netzwerk. "Twitter ist der schnellste Weg zu sehen, was gerade passiert und worüber gerade gesprochen wird", sagt Jack Dorsey. "Was uns so großartig macht, ist, dass Twitter offen für jeden und jede Meinung ist." Diese Offenheit werde jedoch durch missbräuchliche Verwendung beschädigt und vertreibe viele Menschen, die etwas Interessantes beizutragen hätten.

Dorsey glaubt nicht, dass durch die neuen Features die Zahl beleidigender Tweets rapide sinkt. Doch wo Hasstweets schneller verschwinden oder der  Verfasser die Konsequenzen schneller und stärker spürt, sinkt von vornherein die Motivation, solche Tweets zu verschicken. Twitter hofft dadurch der Trollkultur ein Stück weit den Boden zu entziehen. Was nichts daran ändert, dass die Sicherheit auf einem öffentlichen Platz immer auch von denen mitbestimmt wird, die sich auf diesem Platz aufhalten. Also von uns Usern. 

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