WEBREPORTER Malende Mensch-Maschine


Aaron ist ein berühmter Künstler. Jedenfalls wurden seine Werke in Museen auf der ganzen Welt ausgestellt. Nicht schlecht für ein malendes Computer-Programm. Nur: Produziert es wirklich Kunst?

Aaron ist ein berühmter Künstler. Jedenfalls wurden seine Werke in Museen auf der ganzen Welt ausgestellt ? unter anderem in der Londoner Tate Gallery, im Amsterdamer Stedelijk Museum und im Museum of Modern Art in San Francisco. Doch Aaron ist kein Mensch, sondern ein Computer oder besser gesagt: ein Programm, das in LISP geschrieben ist.

Aarons »Vater« war selbst Maler

Aarons Erfinder ist der kalifornische Kunstprofessor Harold Cohen, der selbst ein international erfolgreicher Maler war, bevor er Ende der 60er Jahre anfing, sich mit Computern und mit künstlicher Intelligenz auseinander zu setzen. An dem Projekt einer computergesteuerten Zeichenmaschine arbeitet Cohen seit 1971. Zuerst wollte er damit nur ergründen, wie Gemälde entstehen bzw. aus welchen Grundelementen sich ein Bild zusammensetzt. Doch mit der Zeit beschäftigte ihn mehr und mehr die Frage, ob es möglich ist, eine Maschine dazu zu bringen, von sich aus künstlerisch produktiv zu werden.

Seitdem versucht Cohen, dem Computer schrittweise beizubringen, welche Formen es in der Welt gibt und wie man diese künstlerisch wiedergibt ? von schlichten zweidimensionalen Zeichnungen bis hin zu perspektivischen Kompositionen von Figuren im Raum. Über zwei Jahrzehnte hat es gedauert, bis die Programmierung von Aaron so weit fortgeschritten war, dass der Professor ihn auch den Umgang mit Farben lehren konnte. Mit finanzieller Unterstützung des KI-Pioniers Ray Kurzweil gelang es ihm schließlich, eine Maschine zu bauen, die selbstständig Farben mischt und dann ganz von allein zu pinseln anfängt ? wie jeder andere Maler auch.

Aaron malt per Plotter

Die Bilder, die seitdem aus dem von Cohen selbst konstruierten »Plotter« kommen, unterscheiden sich durch nichts von »richtigen« Kunstwerken.

Dennoch stellt sich natürlich die Frage, ob man das, was da entsteht, als Kunst bezeichnen kann. Und wenn ja: Wer ist der Künstler ? Aaron oder der Professor? Auch wenn die Maschine, sobald sie erst einmal läuft, ihre Bilder selbsttätig erzeugt, also ohne jede äußere Eingabe, basiert ihre Programmierung doch auf der Sehweise und dem Kunstverständnis ihres Schöpfers.

»Aaron ist nicht kreativ«

Cohen selbst ist daher skeptisch, was die schöpferische Leistung seines Meisterschülers angeht: »Im Gegensatz zu den meisten Menschen betrachte ich Aaron nicht als kreativ«, meint Cohen, »meine Maßstäbe sind da recht streng.« Doch die Kunstwelt scheint sich daran nicht zu stören: »Die Leute kaufen die Bilder, als wären es Kunstwerke, und sie behandeln sie auch so: Sie rahmen sie und hängen sie an die Wand.« Für alle, die sich kein Originalgemälde von Aaron leisten können, gibt es das Programm auf der Website von Kurzweils Firma CyberArt auch in einer Light-Version als Bildschirmschoner (ab Windows 98 SE).

Heinrich Anders


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