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IFA 2019: Wifi 6: Jetzt startet die Wlan-Revolution für ultra-schnelle Heimnetze

Mit Wifi 6 drängt ein neuer Wlan-Standard in den Markt, der das Potenzial hat, unsere Heimnetze massiv zu beschleunigen. Jetzt kommen die ersten Router in den Handel. Aber es gibt einen Haken.

Eine Frau sitzt mit einer Kaffeetasse am Notebook

Ohne Wlan sind fast alle Geräte Zuhause oder im Büro aufgeschmissen

Ob Smartphone, Videostreaming, Alexa oder das vernetzte Zuhause: Immer mehr Geräte sind abhängig von einer guten Wlan-Verbindung - und machen sich dabei gegenseitig das Leben schwer. Denn mit der Zahl an Geräten steigt auch die Belastung des Routers immer weiter. Der neue Standard Wifi 6 soll das endlich ändern. Doch was steckt hinter der neuen Wlan-Revolution?

"Wifi 6 ist auf jeden Fall ein großer Schritt. Erstmals wurde ein Standard entwickelt, bei dem es nicht darum geht, ein Gerät zu beschleunigen. Sondern alle Geräte in unseren immer dichter gefüllten Netzwerken. Auch, wenn sie gleichzeitig aktiv sind", erklärt Gordon Priebe. Er muss es wissen: Beim deutschen Netzwerk-König AVM ist er als Leiter für Presales und Education dafür verantwortlich, dass alle Neuerungen der Geräte auch verstanden werden.

Doch warum heißt der neue Standard Wifi 6? "Die Kennzeichnung zieht sich rückwirkend durch alle hindurch", erklärt Priebe. "In der bisherigen Bezeichnung "a", "b", "g", n, "ac" war einfach keine Logik drin. Nun sind sie einfach von 1 bis 6 durchnummeriert". Zudem wird der verbaute Standard auf der Verpackung klar mit einem kleinen Logo angezeigt. Der Kunde kann also zum ersten Mal auf einen Blick sehen: Dieses Modell hat die bessere Technik. Dabei gilt: Abwärts sind die Geräte weiter alle voll kompatibel.

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Perfekt platziert  Die richtige Position des Routers und die Ausrichtung seiner Antennen können Wunder wirken. Versuchen Sie daher ruhig unterschiedliche Aufstellorte. Zudem kann es helfen, den Router etwas erhöht an der Wand aufzuhängen. 

Perfekt platziert

Die richtige Position des Routers und die Ausrichtung seiner Antennen können Wunder wirken. Versuchen Sie daher ruhig unterschiedliche Aufstellorte. Zudem kann es helfen, den Router etwas erhöht an der Wand aufzuhängen. 

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Geschwindigkeit durch weniger Chaos

Der größte Unterschied beim neuen Wifi 6 ist nicht der reine Zuwachs an Höchstgeschwindigkeit - auch wenn der mit gut 25 Prozent mehr Durchsatz klar vorhanden ist. Stattdessen setzt der Wifi 6 auf eine neue Herangehensweise: Es nutzt die vorhandene Bandbreite schlicht deutlich effizienter. "Es ist wie bei der Autobahn: Die ist komplett vollgestopft. Aber in vielen Wagen sitzen nur einzelne Personen. Wenn wir die auf weniger Autos verteilen, kommen alle besser voran", fasst Priebe das Problem zusammen.

So ähnlich ist es beim bisherigen Wlan. Fragen mehrere Geräte im Netzwerk nach Daten, teilt ihnen das Netzwerk abwechselnd die ganze Bandbreite zu - auch wenn sie die gar nicht voll nutzen. Das ist natürlich ineffizient: Andere Prozesse hätten in derselben Zeit deutlich größere Datenmengen bewegen können. "Wifi 6 hat nun die Möglichkeit - ähnlich wie beim Carpooling -, mehrere Geräte gleichzeitig ihre Datenpakete verschicken lassen zu können. Und am Ende hat man den Stau aufgelöst." Große Vorteile verspricht Wifi 6 deshalb nicht nur Zuhause, sondern auch in öffentlichen Wlans mit vielen Nutzern.

Vor allem Daten-intensive Dienste wie Videostreaming oder ein Online-Computerspiel profitieren von der neuen Technologie: Sie bekommen Priorität, können so stets ruckel- und verzögerungsfrei ihre Daten bewegen. Andere Dienste laufen nebenher laufen .

Ein weiterer Vorteil: Wifi 6 nutzt nicht mehr nur die 2,4- oder die 5-GHz-Frequenz - sondern beide gleichzeitig. Während der Vorgänger Wlan-ac nur auf 5 GHz funkte, verbessert Wifi 6 nun erstmals seit gut sieben Jahren wieder das 2,4-GHz-Band. Das ist zwar wegen vieler älterer Netzwerke immer noch recht überfüllt, bietet aber mehr Reichweite. Räumt Wifi 6 auf lange Sicht die Bandbreite auf, kann man diese Reichweite auch wieder als Vorteil nutzen. 

Langsame Revolution

Die gute Nachricht für den Kunden: Es muss nicht das ganze Netzwerk auf Wifi 6 setzen, um einen Vorteil zu haben. "Je mehr Wifi-6-Geräte im Netz sind, die sich einen Zeitslot teilen können, desto schneller sind auch die anderen - weil sie eben nicht mehr fünf Zeitslots abwarten müssen, sondern nur noch drei", fasst Priebe zusammen. "So profitieren dann auch ältere Geräte."

Bisher gibt es ohnehin noch sehr wenige Geräte mit Wifi 6. So haben etwa Samsungs aktuelle Spitzen-Smartphones Galaxy S10 und Note 10 den Standard an Bord. Auch aktuelle Notebooks mit den neuesten Intel-Prozessoren, wie sie gerade etwa von Lenovo und Acer vorgestellt wurden, bringen den Standard mit. Das iPhone soll erst mit dem für nächste Woche erwarteten iPhone 11 auf den neuen Standard.

Teure Router

Die wichtigste Voraussetzung ist allerdings, dass der Router Wifi 6 unterstützt. Erste Modelle wurden nun zur IFA angekündigt, AVM will seine ersten Fritzboxen mit der neuen Technik Anfang 2020 verkaufen. Konkurrent Netgear ist da schon weiter: Der Nighthawk RAX80 mit Wifi 6 ist bereits zu kaufen, mit einem Preis über 300 Euro aber auch sehr teuer.

Nutzer von Repeatern oder Mesh-Netzwerken müssen ebenfalls nicht alles neu kaufen: "Wifi 6 ist vollständig abwärtskompatibel, kann also auch mit allen anderen Standards zusammenarbeiten", so Priebe. Auch wenn der Hauptrouter per Wifi 6 funkt, kann man den alten Repeater trotzdem weiterverwenden. Die Vorteile des neuen Netzes gibt es dann aber vor allem, wenn die entsprechenden Geräte mit dem Hauptrouter verbunden sind. Der sollte also dort stehen, wo die meisten Geräte aktiv sind.

Keine Eile

Muss man sich also nun sofort einen der neuen Router kaufen? Nein, sagt Priebe. Zwar soll nach Prognosen bereits 2021 die Mehrheit neu gekaufter Geräte Wifi 6 unterstützen, die wenigsten Kunden werden das volle Potenzial des neuen Netzes bis dahin aber ausnutzen können. Der einfache Grund: Der Standard trumpft erst bei extrem hohen Internetgeschwindigkeiten richtig auf. Deshalb hat AVM bisher auch keinen Wifi-6-Router für DSL vorgestellt. Bei maximalen Geschwindigkeiten von 300 Mbit/s lohnt sich Wifi 6 bislang kaum. Dabei sind können die meisten Deutschen von solchen Surf-Geschwindigkeiten nur träumen. AVM konzentriert sich daher vorerst auf Varianten für Kabel- und Glasfaseranschlüsse.

Die Revolution kommt also eher langsam. Kauft man in den nächsten Jahren neue Geräte, wird eine immer größer werdende Zahl von ihnen auch Wifi 6 unterstützen. Gibt es irgendwann die Geschwindigkeit des Internet-Anschlusses her, lohnt es sich dann auch, einen Wifi 6 Router zu kaufen. Dass AVM die Modelle schon jetzt anbietet, erklärt Priebe auch damit, dass man bei AVM langfristiger denkt. "Die Kunden sollen ja auch noch in fünf, sechs Jahren Freude an unseren Geräten haben."

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