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Wörterbuch-Verlage: Auf neuen Wegen im Web

Die kostenlose Konkurrenz im Internet setzt auch die Verlage von Wörterbüchern unter Druck. Der Pons-Verlag hat sein Rechtschreib-Lexikon ins Netz gestellt und beteiligt die User an einem ständig wachsenden Wörterbuch. Der Duden hingegen beschreitet andere Wege im Web.

Mehr als ein Jahrzehnt lang haben Wörterbuch- und Lexikonverlage Schutzdämme gegen das Internet errichtet. Sind die Nachschlagewerke erst einmal frei verfügbar, so die allgemeine Sorge, würde niemand mehr die gedruckten Bücher kaufen. Jetzt werden die Dämme abgebaut. In dieser Woche hat der Pons-Verlag sein Rechtschreib-Wörterbuch ins Netz gestellt. "Wir haben besonders gefährdete Inhalte", erklärt Verlagssprecherin Anne Pelzer. Es sei nur eine Frage der Zeit, bis es diese kostenlos im Internet gebe. "Da wollten wir sicherstellen, dass unsere Kunden weiterhin bei uns nachschlagen, anstatt zu anderen Angeboten abzuwandern."

Die anderen, das sind bei Wörterbüchern von Fremdsprachen vor allem die Betreiber von dict.leo.org, das an der TU München entstand und inzwischen von einer privaten Firma weiterbetrieben wird. Angesichts dieser Konkurrenz stellte der Stuttgarter Pons-Verlag schon 2001 "eine kleine Wörterbuchsubstanz" im Netz bereit. Im Oktober vergangenen Jahres entstand daraus ein umfangreiches Sprachenportal mit sechs Fremdsprachen und einer Datenbank von 4,5 Millionen Wörtern. Das Internet verlangt aber nicht nur nach frei zugänglichen Inhalten, sondern auch die Beteiligung der Nutzer. "Das haben wir schon bei Wikipedia gelernt", sagt Pelzer. "Beim 'Open Dictionary' kann jeder nach der Anmeldung sofort mitschreiben an den Inhalten." Die User-Beiträge erscheinen zunächst mit einem braunen Hintergrund, um sie von den Einträgen der Wörterbuch-Redaktion abzuheben. Sobald sie von Pons-Mitarbeitern geprüft sind, werden sie grün markiert.

Gute Erfahrungen mit User-Beiträgen

"Mit den Beiträgen von Usern haben wir nur gute Erfahrungen gemacht", sagt die Verlagssprecherin. Oft handle es sich um Ergänzungen von Profis wie Fachübersetzern. Für jeden Mitwirkenden wird eine "Visitenkarte" angelegt, auf der die Beiträge angezeigt werden und die Verlinkung zur eigenen Website möglich ist. "Wir wollen den Ruhm nicht für uns", sagt Pelzer dazu. "Das gehört zu den goldenen Regeln im Netz." Bei der deutschen Rechtschreibung mit zurzeit 140.000 Stichwörtern steht das Community-Modell noch am Anfang. Bislang ist lediglich vorgesehen, dass die Nutzer Vorschläge für weitere Begriffe einreichen. Auf diese Weise kam etwa das Verb "twittern" hinzu.

"Die Online-Inhalte werden wöchentlich aktualisiert", sagt die Verlagssprecherin. Platz gebe es genug - "wir haben dieses Portal zukunftsfähig aufgesetzt." Im August soll es auch eine Version der Website für mobile Geräte geben - mit entsprechend darauf zugeschnittenen Werbeformaten. Denn die Einnahmen aus der Internet-Werbung sollen zu einem weiteren Standbein des Verlags werden. "Wir rechnen fest damit, dass dies eine stabile Säule für unsere Erträge sein wird", sagt Pelzer. Der Vermarkter für das Portal sei mit Blick auf die interessante Zielgruppe sehr optimistisch. Und selbst in der Wirtschaftskrise seien die Ausgaben für Online-Werbung weiter gestiegen. "Wir gehen mit unseren Angeboten dorthin, wo die Kunden sie brauchen", erklärt die Verlagssprecherin. Neben dem Nachschlagen im Internet gibt es werbefreie Download-Angebote, E-Book-Titel und die Print-Ausgabe. "Wir werden das Buch auch künftig pflegen", heißt es bei dem zur Klett-Gruppe gehörenden Verlag.

Der Duden geht andere Wege

Beim Duden-Verlag, der wie kein anderer Anbieter für die deutsche Rechtschreibung steht, hat das Internet eine andere Rolle. "Das ist das Schaufenster, um auf unsere Problemlösungen aufmerksam zu machen", sagt Verlagssprecher Klaus Holoch. Die Möglichkeit, die Rechtschreibung einzelner Begriffe online nachzuschlagen, gebe es schon seit fünf Jahren, sei aber nur ein ergänzender Service. Wer den vollständigen Eintrag im Universalwörterbuch bei duden.de lesen will, muss ein Abo haben - für monatlich 7,95 Euro. Kostenpflichtig soll auch ein Online-Korrekturprogramm werden, das derzeit in Entwicklung ist. Einen Termin für die Fertigstellung gibt es noch nicht. "Es geht nicht darum, irgendetwas kostenlos ins Netz zu stellen, sondern um Innovationen beim Thema Rechtschreibung", sagt Holoch. "Auf das Wort im deutschen Sprachgebrauch gibt es kein Urheberrecht." Der Duden-Verlag hat gerade erst die 25. Auflage seiner "Deutschen Rechtschreibung" veröffentlicht und bietet diese auch in einem Paket mit der Korrektursoftware an. Hier ist die gedruckte Ausgabe aktueller als das Internet. Während der Print-Duden schon das Verb "twittern" konjugiert, fragt die Online-Suche noch: "Meinten Sie wittern?"

Peter Zschunke/AP / AP
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