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Jugendschutz: Kinder müssen beim Chatten vorsichtig sein

Doch beim Chat lauern viele Gefahren. Was Eltern und Kinder wissen müssen.

Pornografie, Pädophilie oder braune Propaganda: Das sind nur drei von vielen möglichen Gefahren, denen Kinder und Jugendliche in Chaträumen ausgesetzt sein können. Problematisch wird es, wenn die Eltern noch nicht einmal ahnen, was ihren Nachwuchs im Netz erwarten kann. Deshalb gibt es Regeln für sicheres Kommunizieren im Chatraum, die Kinder und Eltern wie das kleine Einmaleins kennen sollten.

Müssen beim Chatten Regeln eingehalten werden?

Ja. Für alle Kommunikationsdienste gelten die gleichen Gesetze wie im realen Leben. Also müssen auch im Internet Straf- und Jugendschutzgesetze eingehalten werden. Es ist verboten, andere zu beleidigen. Schimpfwörter wie "Drecksau" sind tabu, auch zu Gewalt gegen Bevölkerungsgruppen oder Einzelne aufzurufen oder Nazikennzeichen zu benutzen wie "Heil Hitler". Die Internetseite "Chatten ohne Risiko" beschreibt diese Punkte sehr ausführlich. Verboten ist auch das Senden von pornografischen oder gewaltverherrlichenden Filmen, Bildern und Texten. Es ist verboten, Minderjährige sexuell zu belästigen oder gar einen Missbrauch vorzubereiten. Wichtig ist darüber hinaus auch, dass jeder das Recht am eigenen Bild hat. Das heißt, nur weil jemand ein Bild von einem Freund geschossen hat, darf er es noch lange nicht ohne dessen Zustimmung publizieren.

Was sollten junge Chatter als Erstes tun?

Kinder sollten sich mit ihren Eltern hinsetzen und ihnen eventuell zeigen und erklären, was sie eigentlich tun möchten. Dann können sich Eltern und Kinder auf bestimmte Regeln beim Chatten einigen. Dazu rät Kristine Kretschmer vom Verein Seitenstark. Genauso wie Kinder nicht zu jeder Zeit aus dem Haus dürfen, sollten sie auch nicht jederzeit chatten dürfen, sondern nur zu bestimmten Zeiten. Eltern sollten ihren Kinder auch klarmachen, dass sie immer für sie da sind.

Wie sehen die Chatregeln aus?

Auch und gerade Kinder sollten stets ihre persönlichen Daten schützen. Das heißt, sie dürfen nie ihren wirklichen Namen preisgeben, sondern sich einen lustigen oder kreativen Spitznamen (Nickname) einfallen lassen. Ebenfalls gilt: Niemals die Adresse von zu Hause oder der Schule oder Freunden nennen, nie die eigene Telefonnummer herausgeben und niemals Fotos oder Filme senden. Darüber hinaus sollten sich Kinder und Jugendliche nie mit Chatpartnern im wirklichen Leben treffen, warnt Kretschmer.

Lässt sich die Sicherheit mit technischen Mitteln steigern?

In jedem Chatraum können bestimmte Einstellungen vorgenommen werden, die die Sicherheit beim Plaudern erheblich steigern. Man kann zum Beispiel bestimmen, dass nur die eigenen Freunde angezeigt werden und Kontakt aufnehmen können. Und man kann außerdem die Einstellung setzten, dass man bei einer Kontaktanfrage zustimmen muss, bevor jemand auf die Freundesliste kommt, empfiehlt Veith Schliemann von der Opferschutzorganisation Weisser Ring. Auch das Blocken von Kontakten ist oft möglich. Geblockte Kontakte können einem nicht mehr schreiben und sehen auch nicht, ob man online ist. Bei den Einstellungen sollte man auch darauf achten, dass man kein echtes Foto von sich als Profilbild nimmt, sondern ein Symbolbild.

Gibt es Unterschiede bei den Chatrooms?

Ja. Es gibt viele kontrollierte Seiten und Chats für Kinder, die sicher sind. Das fängt an bei Suchmaschinen für Kinder wie "Blinde Kuh" und geht bis hin zu Chatrooms bei "Seitenstark". Dort können Kinder und Eltern sicher sein, dass nach bestimmten Regeln gechattet wird. Bei "Seitenstark" gibt es im Chat zum Beispiel zwei Moderatoren. Einer, der den Kindern bei Fragen zur Verfügung steht und ein anderer, der die Chatbeiträge der Kinder liest und darauf achtet, dass die Regeln eingehalten werden. Nur wenn ein Beitrag in Ordnung ist, veröffentlicht ihn der Moderator auch.

Was sollte man tun, wenn einem beim Chatten etwas merkwürdig vorkommt?

Sofort melden: In vielen Chatrooms gibt es einen sogenannten Alarmbutton, den man anklicken kann. Außerdem können sich die Kinder und Jugendlichen immer an die Moderatoren wenden. Immer, wenn sich ein Kind und Jugendlicher belästigt fühlt, sollte er das auch sagen. Wichtig ist auch, dass immer die Eltern informiert werden.

Maryam Schumacher, DPA

Maryam Schumacher, DPA / DPA
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