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Apples iPhone 5C: Revolution geht anders

Apples neues iPhone 5C ist knallbunt und hip. Perfekt für Teenager, wäre da nicht der Wucherpreis von 600 Euro. Das Plastikhandy ist ein Beleg dafür, dass Apple auf der Stelle trabt.

Ein Kommentar von Christoph Fröhlich

iPhone 5S und 5C im Video: Fünf Fakten zu den Apple-Handys

Dieses Jahr machte Apple alles anders: Es gab gleich zwei Smartphones auf einen Schlag, das iPhone 5S und das iPhone 5C. Eigentlich ein Grund zum Jubeln für die Techwelt. Doch so richtig ist der Funke diesmal nicht übergesprungen - weder bei den Kunden noch an der Börse. Denn es ist noch gar nicht lange her, da versprach Apple-Chef Tim Cook großartige Innovationen für dieses Jahr. Man träumte schon von einer iWatch oder einem XXL-iPhone unterm Weihnachtsbaum. Doch von alldem ist bislang nichts zu sehen, mehr als ein Handy mit Fingerabdruckscanner und ein bunter Plastikbomber waren bislang nicht drin. Bonjour tristesse!

600 Euro - Geht's noch?

Prinzipiell ist es lobenswert, dass Apple mit dem iPhone 5C die eingetrampelten Pfade verlassen und ein hippes Telefon verkaufen will. Der Markt ist da, überall auf der Welt lechzen Millionen Teenies nach Telefonen mit dem angebissenen Apfel. Doch als Apple den Preis des 5C bekannt gab, traute man seinen Augen kaum: 599 Euro. Für ein Gerät anno 2012, nur neu verpackt. Das grenzt an Wucher. Sicher, Apple hat nie behauptet, ein Billig-Handy auf den Markt zu bringen. Die Gerüchte waren allein das Wunschdenken der User und Medien. Doch ein buntes iPhone 5 für 600 Euro - geht's noch?

Für Kids, die auf ihr Taschengeld angewiesen sind, ist das iPhone 5C jedenfalls zu teuer. Wer also ist die neue Zielgruppe? Die jungen Hipster, die Daddy und sein Edel-iPhone spießig finden, aber trotzdem seine Kohle verprassen? Womöglich ist dieser Markt lukrativer, doch viele Interessierte werden verprellt. Sie dürften abwandern zu den günstigeren und nicht einmal schlechteren Android-Telefonen.

Apple trabt auf der Stelle

Doch es geht nicht nur um das 5C. Das Problem ist ein generelles: Apple trabt seit Steve Jobs' Tod auf der Stelle. Hier ein schnellerer Prozessor, da eine bessere Kamera. In der Branche nennt man das Produktpflege. Nur: Das geht seit drei Jahren so. Der Nimbus des Querdenkers, der Neues wagt, ist längst verblasst. Apple ist langweilig geworden, vorhersehbar. Es ist kaum davon auszugehen, dass das neue iPad atemberaubende Features bieten wird. Vermutlich wird es nur ein bisschen dünner. Revolution geht anders.

Zugleich scheint Apple nachlässiger zu sein. Nicht nur die Geheimhaltung, die man sich früher auf die Fahne schrieb, reicht an allen Ecken und Enden nicht. Es passieren Dinge, die unter Steve Jobs nur schwer vorstellbar gewesen wären. Bestes Beispiel ist die neue Schutzhülle für das 5C: Zieht man sie über das Handy, wird der "iPhone"-Schriftzug nicht ganz verdeckt und scheint durch. Schick sieht das nicht aus. Apples detailversessener Übervater jedenfalls hätte vermutlich die zuständige Belegschaft für diesen Fauxpas gefeuert.

Der Ansturm wird kommen

Die einzige echte Neuerung ist neben dem Betriebssystem iOS 7, das wirklich sehr gut aussieht, der Fingerabdruckscanner des 5S. Er könnte eines Tages das Ende des Passworts sein, wie wir es kennen. Doch bis es soweit ist, hätten sich viele mehr über eine längere Akkulaufzeit beim Flaggschiff gefreut. Oder die Nahfunktechnik NFC. Kabelloses Aufladen. Ein Full-HD-Display. Oder wenigstens einen deutlich niedrigeren Preis beim 5C.

Auch wenn das iPhone 5C nicht der erhoffte Knaller im Markt ist, die Smartphones werden sich millionenfach verkaufen. Allein im letzten Jahr wurden 31,2 Millionen iPhones verkauft. Mit mehr Geräten im Sortiment dürfte im lukrativen Weihnachtsgeschäft die Kasse klingeln - und die Gewinnmarge dürfte saftig sein. Wenigstens für Apple ein Grund zum Feiern.