Breitband-Telefonie So wechselt man richtig


Neben den DSL-Angeboten für schnelles Surfen im Internet versuchen immer mehr Anbieter, der Telekom ihre Festnetz-Kunden abzujagen. Es gibt einige Punkte, auf die man bei einem Wechsel achten sollte.
Von Marcus Müller

Die Angebote vieler DSL-Anbieter klingen verlockend. Doch nicht immer macht ein Wechsel sinn. Bevor Kunden einen neuen Vertrag abschließen, sollten sie ein paar Punkte beachten.

Wie funktioniert eigentlich ein Breitband-Telefonanschluss?

Die häufig als DSL-Telefonie oder VoIP ("Voice over Internet Protocol") bezeichneten Anschlüsse funktionieren über eine schnelle Breitband-Internet-Verbindung. Dabei wird die Sprache beim Telefonieren mit einem Router in digitale Datenpakete umgewandelt und über das Internet verschickt. Der Router sortiert quasi die verschiedenen Datenpakete. Es gibt bei der DSL-Telefonie also nicht mehr wie bei Telekom-Anschlüssen eine eigene Telefon-Leitung.

Wie entstehen Probleme bei Breitband-Telefonie?

Probleme wie Rauschen, Echo oder abgehackte Gespräche entstehen beispielsweise, wenn die Sprach-Datenpakete nicht richtig priorisiert sind, also ihnen etwa kein Vorrang vor dem gleichzeitig über die DSL-Leitung laufenden Datenverkehr beim Internet-Surfen eingeräumt wird. Verbraucherschützer raten, derartige technische Unzulänglichkeiten nicht hinzunehmen. "Telefonie muss so klingen, als sei der Gesprächspartner im Nebenzimmer. Das muss Standard bleiben", sagt Karin Thomas-Martin von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg.

Worauf muss ich bei einem Anbieter-Wechsel achten?

Wichtig für den Telefonanschluss ist: Nicht selbst beim bisherigen Anbieter kündigen, das macht der neue. Nur so läuft die Mitnahme der bisherigen Telefonnummer problemlos. Für den DSL-Anschluss sollte man genau prüfen, welche Geschwindigkeit vereinbart wird. Bei vielen Anbietern heißt es bei der Bestellung etwa "bis zu 16.000 KBit/s", tatsächlich sind es dann aber deutlich weniger. Insbesondere bei den Hotlines und auf Internetseiten von Anbietern wird oft die höchstmögliche Geschwindigkeit angegeben. Verbindlich ist aber nur, was in der Auftragsbestätigung steht.

Lohnen sich kombinierte Telefon- und Internet-Flatrates überhaupt?

Für alle, die nur selten im Internet surfen und wenige E-Mails schreiben, lohnt sie sich eher nicht. Da die Datenmenge, die zur Darstellung einer Webseite heutzutage nötig ist, immer schneller wächst, ist Surfen ohne DSL aber keine Freude. Bei den Breitband-Telefon-Flatrates sollte man sein Verhalten unter die Lupe nehmen: Demjenigen, der viel ins Ausland telefoniert, bringt die Flat ins deutsche Festnetz nichts. Häufig sind bei solchen Angeboten gerade die Auslandstelefonate und Anrufe auf Handys teurer, und es ist nicht möglich, einen günstigen Call-by-Call-Anbieter zu wählen. Es gibt außerdem Berichte darüber, dass Anbieter Flatrates wegen angeblich zu intensiver Nutzung kündigen, etwa mit der Behauptung, der Anschluss werde auch geschäftlich genutzt.

Kann ich bei Problemen mit DSL und der Breitband-Telefonie einfach kündigen?

Zu klären, ob Mängel tatsächlich eine Sonderkündigung rechtfertigen, ist nicht einfach. Außerdem laufen viele Verträge heute mindestens 12 oder 24 Monate (Ausnahme sind etwa Congstar und Alice). Auch ein Umzug ist laut den Geschäftsbedingungen mancher Anbieter kein Kündigungsgrund, selbst dann nicht, wenn am neuen Wohnort etwa nur eine geringere DSL-Bandbreite bereit gestellt werden kann. Sogar die Kosten bleiben für den Kunden dann gleich! Allerdings entlassen immer mehr Anbieter Kunden gegen eine Abstandszahlung aus dem Vertrag.

Was darf man bei Ärger mit einem Breitband-Anbieter auf keinen Fall tun?

Niemals einfach die Rechnung nicht zahlen oder von sich aus kürzen, rät Karin Thomas-Martin von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. "Dann wird der Anschluss ganz schnell gesperrt und die Sache eskaliert", so Thomas-Martin. Sie weist aber darauf hin, dass man Anspruch auf Kosten-Erstattung hat, wenn etwa der Anschluss nicht funktioniert. Für alle technischen Beschwerden gilt: Dem Anbieter per Einschreiben mit Rückschein eine angemessene Frist zur Behebung setzen, etwa 14 Tage. Wenn diese Frist abgelaufen ist, noch einmal eine Nachfrist setzen. Die Verbraucherzentralen bieten dazu Beratung an und können - gegen Gebühr - auch die Klärung der Angelegenheit übernehmen.

Ist Breitband-Telefonie sicher?

Breitband-Telefonie läuft über das Internet und könnte daher ebenso leicht abzufangen sein, wie eine E-Mail, jedenfalls wird das oft befürchtet. Tatsächlich aber mache das komplexe Übertragungssystem von DSL das Abhören aufwändiger, als bei einem analogen Anschluss, sagt der Sprecher des Chaos Computer Clubs (CCC), Frank Rosengart. Er empfiehlt darauf zu achten, wie sicher beispielsweise die Router und die darauf gespeicherten Daten sind. "Allerdings ist man bei den Sicherheitsaspekten den Anbietern ausgeliefert und muss ihnen vertrauen, dass sie sich darum kümmern", so Rosengart.


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