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Karstadt und Quelle: Was die Arcandor-Pleite für Kunden bedeutet

Arcandor ist pleite. Was bedeutet das für die Kunden des Handelskonzerns? Wird bestellte Quelle-Ware noch geliefert? Wie steht es um Gutscheine für Karstadt? Bleiben Garantie-Ansprüche bestehen? Hier lesen sie alles, was Sie wissen sollten.

Seit Jahrzehnten prägen die großen Kaufhäuser das Bild der deutschen Innenstädte, riesige Konsumtempel, in denen man alles bekommt, was das Herz begehrt: ob Wollpullis, Waschmaschinen oder Salami. Doch für das vielfältige Angebot interessieren sich immer weniger Kunden. Karstadt hat kein Konzept gegen die Krise der Warenhäuser gefunden. Nun musste Arcandor, Mutterkonzern von Karstadt und dem Versandhändler Quelle, Insolvenz anmelden.

Wie lange die Karstadt-Filialen noch geöffnet haben, ist ungewiss. Vielleicht gelingt die Sanierung mit Hilfe eines Insolvenzverwalters, womöglich übernimmt die Kaufhäuser ein Konkurrent. Doch was bedeutet die Insolvenz für die Kunden? Links in der Spalte haben wir die wichtigsten Infos zusammengetragen.

söw mit dpa

Schließen nun die Karstadt-Häuser?

Eine Insolvenz bedeutet nicht zwingend das Ende eines Unternehmens. Im Gegenteil: Der unabhängige Insolvenzverwalter hat den Auftrag, das Unternehmen nach Möglichkeit zu retten. Er muss nun überprüfen, ob - und wie - Arcandor Überlebenschancen hat. Die Tochterunternehmen Karstadt und Quelle sollen vorerst nicht geschlossen, die Öffnungszeiten auch nicht eingeschränkt werden. "Alle Geschäftsbetriebe laufen weiter", sagte Arcandor-Vorstandschef Karl-Gerhard Eick.

Welche Firmenteile sind von der Insolvenz betroffen, welche nicht?

Von der Insolvenz sind die größten Verlustbringer betroffen: Neben dem Mutterkonzern Arcandor sind das die Karstadt Warenhaus GmbH, die Quelle GmbH und die Versandhandel-Dachgesellschaft Primondo GmbH.

Nicht betroffen sind zum einen die Touristiksparte Thomas Cook, die zuletzt ordentliche Gewinne gemacht hat, und zum anderen einzelne Primondo-Tochtergesellschaften wie zum Beispiel die Spezialversender Baby-Walz oder Hessnatur. Außen vor ist auch der Shoppingsender HSE24.

Was sind die möglichen Zukunftsszenarien von Karstadt und Quelle?

Im Regelfall wird zunächst einmal eine vorläufige Insolvenz eingeleitet, das Vermögen gesichert. Der Insolvenzverwalter kann Verträge, zum Beispiel Miet- und Arbeitsverträge, kündigen. Falls für Mitarbeiter-Löhne nicht mehr genügend Geld vorhanden ist, kann die Bundesagentur für Arbeit einspringen und den Angestellten das sogenannte Insolvenzgeld zahlen.

Die Phase der vorläufigen Insolvenz dauert bis zu drei Monate, in denen der Insolvenzverwalter überprüft, wie die Forderungen der Gläubiger am besten bedient werden können. Oft gelingt dies mit einer Sanierung des Unternehmens besser als mit einer kompletten Auflösung.

Dafür gibt es grundsätzlich zwei Möglichkeiten. Am häufigsten wird die Fremdsanierung angestrebt: Einem anderen Unternehmen werden die überlebensfähigen Firmenteile zur Übernahme angeboten. Im Fall von Karstadt hat bereits Metro, Mutterkonzern von Kaufhof, Interesse angemeldet. Man wolle 60 der 90 Karstadt-Filialen erhalten, beteuert Metro. An den Karstadt-Sporthäusern ist außerdem der Versandhändler Otto interessiert.

Die zweite Möglichkeit wäre eine Eigensanierung. Dafür entwickelt der Insolvenzverwalter einen Sanierungsplan, dem allerdings die Gläubiger zustimmen müssen. Das insolvente Unternehmen soll dann im Kern erhalten bleiben, die bisherigen Eigentümer dürfen die Geschäfte weiterführen. Diese Variante wird allerdings selten gewählt, weil die Gläubiger gewöhnlich das Vertrauen in das alte Management verloren haben.

Nur wenn keine dieser beiden Optionen - Fremd- oder Eigensanierung - Aussicht auf Erfolg hat, kommt es zur vollständigen Liquidation des Unternehmens.

Wird bestellte Ware noch ausgeliefert?

Wer vor kurzem im Versandhandel Ware bestellt hat, müsse keine Ausfälle fürchten, der Lieferservice werde wie gewohnt weiter gehen, verspricht Arcandor. Handelt es sich um sehr lange Lieferzeiten, sollten Kunden allerdings unbedingt nachfragen, ob und wie sie an ihre Einkäufe kommen, rät Evelyn Keßler von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Ob ein insolventes Unternehmen weiterhin liefern könne, hänge immer vom Einzelfall ab.

Wie lange kann man Produkte noch umtauschen?

Verbraucherschützerin Keßler empfiehlt, einen geplanten Umtausch jetzt möglichst rasch zu erledigen. Sollte der Insolvenzverwalter in den nächsten Wochen keinen Weg finden, den Konzern und seine Töchter Karstadt und Quelle zu retten, könnten die Filialen endgültig geschlossen werden. Noch verspricht Arcandor den Kunden, die Ware zurückbringen oder -schicken wollen, dass sie sich auf ihr Rückgaberecht verlassen können.

Bleiben Gutscheine und Anzahlungen gültig?

Wer Ware angezahlt hat, kann sich laut Arcandor darauf verlassen, dass sein Geld bei der Schlusszahlung auch angerechnet wird. Verbraucherschützerin Keßler empfiehlt allerdings auch hier, sich rechtzeitig darum zu kümmern. Je nach Entwicklung könnten Kunden von den Ereignissen überrollt werden. Dann geht die Anzahlung für die Stereoanlage womöglich in die Insolvenzmasse über. Auch bezahlte Gutscheine sollten schnellstmöglich eingelöst werden.

Bleiben Garantieansprüche bestehen?

Was passiert, wenn Karstadt und Quelle endgültig schließen sollten, ist ungewiss. Die sogenannte gesetzlich garantierte Gewährleistungspflicht gilt nur gegenüber dem Händler und erlischt, wenn es ihn nicht mehr gibt. Mit ihr können Kunden eventuelle Mängel eines Produkts auf Händlerkosten beseitigen lassen. Aber die Chance, Ansprüche beim Insolvenzverwalter geltend machen, ist so gut wie ausgeschlossen – die Forderungen der Gläubiger gehen vor. Theoretisch könnte der Rechtsnachfolger bei einer Übernahme, also beispielsweise Kaufhof, der neue Ansprechpartner für alte Kundenansprüche sein, sagt Evelyn Keßler von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg.

Die Herstellergarantie dagegen bleibt bestehen - auch wenn der Händler, bei dem das Produkt erworben wurde, zwischenzeitlich in Konkurs gegangen ist.