Handy-Betriebssystem Revolutioniert "Android" das Handy?

Als Google die Handyinitiative "Open Handheld Alliance" mit über 30 hochkarätigen Partnern bekannt gab, erfuhren viele Mobiltelefonierer vermutlich erstmals, dass Telefone ein Betriebssystem haben. Doch "Android" kann nicht nur für Hersteller eine neue Handyära bedeuten - auch für den Nutzer.
Von Bernd Theiss

Was immer Google anpackt, hat das Potenzial sich in Gold zu verwandeln. Da wundert es niemanden, dass Insider und Analysten genau hinschauen, wenn sich Google mit über dreißig Partnern daran macht, eine kostenlose Betriebssystem-Software namens "Android" für Handys anzubieten.

Doch worum geht es bei der Ankündigung vom Anfang dieser Woche eigentlich? Anders als bei PCs, wo Windows alles dominiert, während Linux und Mac OS kleine Gruppen verschworener Fans um sich scharen, spielt das Handy-Betriebssystem für die meisten Nutzer kaum eine Rolle. Dabei beeinflusst die Software der Mobiltelefone den Alltag der Nutzer. Schließlich ist es kein Zufall, dass es gar nicht so einfach ist, einfach das Modell zu wechseln und loszulegen. Bietet doch der "Android"-Partner Samsung beispiels neben Handys mit selbstgestrickter Software auch solche mit Windows Mobile und Symbian. Noch abwechslungsreicher ist das Angebot an Motorola-Handys, die mit selbstprogrammiertem Code oder mit Linux, Windows Mobile oder Symbian zu haben sind.

So viele unterschiedliche Systeme bedeuten für den Hersteller erhöhten Programmieraufwand. Auf Software-Anbieter wirken sie zudem abschreckend, muss jedes Programm doch auf eine Reihe unterschiedlichster Systeme optimiert werden, um dann auf breiter Basis verkauft werden zu können. Das ist innovationsfeindlich. Und genau da kommt Google ins Spiel und bietet an, die Federführung für eine Software-Entwicklung zu übernehmen. Die Partner können das Ihre zum Erfolg beitragen. Der Chiphersteller Intel etwa könnte dafür sorgen, dass trotz optimaler Leistung die Ausdauer der Handys nicht leidet, der GPS-Spezialist SiRF kümmert sich um die Voraussetzungen für optimale Navigation. Beiden würde der Einsatz durch erhöhte Chip-Verkäufe gelohnt.

Ein eigenes System - für alle

Und der Handynutzer? Wird er es einfacher haben? Vermutlich, weil Vereinheitlichung relativ einfach möglich wäre: Die Schnittstellen zum User, das Display mit oder ohne Touchscreen und das Keyboard, wahlweise als Handy- und/oder als Miniatur-Schreibmaschinen-Tastatur können bei so einem Projekt als Standard-Lösung von Google-Entwicklern programmiert werden. Aus dem so entstehenden Baukasten könnte sich jeder Hersteller das zu seinem Handy passende aussuchen, das sichert die Grundflexibilität. Möchte ein Hersteller eine vom Standard abweichende Lösung realisieren - etwa Gestensteuerung á la Apple iPhone - könnte er selbst die Software beisteuern. Doch da das ganze unter Open Source läuft, müsste er spätestens bei Markteinführung des neuen Handys, den Code veröffentlichen. Andere Hersteller lernen mit, was die Entwicklung neuer Konzepte beschleunigt, die Vielfalt steigert.

Markentreue kann bestehen bleiben

Könnten kleine, jetzt noch unbekannte Hersteller davon profitieren, in dem sie den von der Open Handset Alliance im Team erarbeiteten Code einfach auf die eigenen Handys spielen? Wohl kaum, schließlich wählen die meisten Käufer genauso markenbewusst wie die von Autos. Am Versuch, im Handymarkt auch nur einen Fuß in die Tür zu bekommen, scheitern selbst PC-Hersteller regelmäßig.

Doch ein Handy-Produzent mit gutem Namen könnte sich viel eigene Programmierarbeit und an Microsoft und Symbian bezahlte Lizenzgebühren sparen, schließlich wird Googles Android unter Open-Source und damit lizenzfrei angeboten. Haben dann Motorola und Samsung - die beide mit immer wieder schwankenden Anteilen zu den Top-Vier der Handy-Hersteller gehören – den größten Teil ihrer Palette auf Android umgestellt, dann lohnt es sich auch für freie Software-Anbieter spannende Programme speziell für Android zu entwerfen. Was diese Handys für den Verbraucher ein weiteres Stück attraktiver machen könnte. So gesehen kann Android zum Selbstläufer werden.

Unsicherheitsfaktor Nokia

Doch da ist auch noch Nokia, eine Firma die schon lange unangefochten und mit großem Vorsprung die Nummer eins der Handy-Hersteller ist. Und die noch dazu den größten Brocken von Symbian besitzt, dem Handy-Betriebssystem-Hersteller, der in der lukrativen Handy-Oberklasse die höchsten Marktanteile hat. Die Endverbraucher jedenfalls scheinen Nokia und Symbian zu mögen, und die entscheiden letztendlich, ob Android Erfolg beschert ist.


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