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Neues Betriebssystem Windows Phone 7: Microsoft kämpft um die Smartphones

Jahrelang fristete Microsoft nur ein Schattendasein im boomenden Mobilmarkt. Mit dem Ende des Jahres erscheinenden Betriebssystem Windows Phone 7 will der Konzern neu angreifen.

Von Ralf Sander

Microsoft und Handys, Microsoft und Smartphones - zwei dunkle Kapitel in der Geschichte des Redmonder Softwareriesen. Bei Mobiltelefonen für den Normalverbraucher hatte das Windows-Imperium jahrelang gar nichts zu bieten und versagte im Juli bei seinem ersten Vorstoß auf diesem Gebiet gehörig: Die beiden "Kin"-Jugendhandys wurden beerdigt - nur sechs Wochen nach dem Verkaufsstart. Auf Businesstelefonen hingegen verrichtet seit zehn Jahren das verlässliche Arbeitspferd Windows Mobile seine Arbeit. Doch wie das so ist mit Kaltblütern - sie werden von anderen überholt. Microsoft sah die Konkurrenz mit neuen Bedienkonzepten und Funktionen vorbeirasen, zuerst den Blackberry, dann Apples iPhone und die Android-Geräte. Doch Windows Mobile blieb trotz Updates - inzwischen gibt es Version 6.5 - im Kern ein PC im Handy. Ein überholtes Konzept, das hat Microsoft jetzt begriffen. Zumal die Zahlen eine deutliche Sprache sprechen. Laut dem US-Markforschungsinstitut Gartner hat sich Microsofts Anteil am weltweiten Smartphone-Markt zwischen dem zweiten Quartal 2009 und dem gleichen Zeitraum in diesem Jahr fast halbiert: Von sowieso schon schwachen 9,3 Prozent auf 5,0 Prozent.

Entwicklung der Smartphone-Marktanteile (Quelle: Gartner)

BetriebssystemMarktanteil Q2 2010Marktanteil Q2 2009
Symbian (Nokia)41,2 Prozent51,0 Prozent
Blackberry (RIM)18,2 Prozent19,0 Prozent
Android (Google)17,2 Prozent1,8 Prozent
iOS (Apple)14,2 Prozent13,0 Prozent
Windows Mobile (Microsoft)5,0 Prozent9,3 Prozent
Andere4,2 Prozent

Mit Windows Phone 7 soll alles anders werden. Microsoft will zurück ins Rennen und nicht nur Businessmenschen, sondern auch Privatverbraucher mit Smartphones versorgen. Wie das Unternehmen dieses Ziel erreichen will, hat sich stern.de aus der Nähe angeschaut. Selbst ausprobieren konnten die anwesenden Journalisten die Prototypen und das Betriebssystem nicht, doch ein erster detaillierter Einblick in die neue Windows-Handywelt war möglich.

Strenge Hardware-Vorgaben

Ende des Jahres sollen die ersten Telefone mit dem neuen Betriebssystem auf den Markt kommen. Nach dem "Kin"-Desaster als Telefonhersteller beschränkt sich Microsoft wieder darauf, die Software zu entwickeln und die Mobiltelefone von Firmen bauen zu lassen, die sich damit auskennen, zum Beispiel HTC, Samsung und LG. Den Herstellern serviert Microsoft sein neues Betriebssystem allerdings unter strengeren Auflagen als früher. Geräte, auf denen Windows Phone 7 laufen soll, müssen folgende Bedingungen erfüllen:

  • Prozessor mit mindestens 800 Megahertz, dazu ein Grafikprozessor
  • Bildschirmauflösung von 480 x 800 Pixeln, später auch 320 x 800 Pixel
  • Bildschirmdiagonale zwischen zwei und sieben Zoll
  • drei Knöpfe ("Start", Zurück, Suche) auf der Vorderseite, dazu Lautstärkewippe und Powerknopf
  • eine Kamera mit mindestens fünf Megapixel, einem Blitz und einem Auslöseknopf am Gehäuse
  • Mindestens acht Gigabyte Speicher

Außerdem wird keiner der Handybauer die Benutzeroberfläche von Windows Phone 7 verändern dürfen, wie es beispielsweise HTC bei Android-Geräten mit seinem "Sense"-Interface tut. Die Version 7 erinnert in nichts an das alte Windows Mobile - mit seinen Leisten voller Klappmenüs, verschiebbarer Fenster und Schaltflächen, die man nur mit einem Stift treffen kann. Die siebte Generation wird natürlich mit den Fingern bedient. Der Touchscreen beherrscht wie iPhone und Android Gesten mit mehreren Fingern, zum Beispiel das Zoomen durch eine Spreizbewegung von Daumen und Zeigefinger. Ansonsten versucht sich Microsoft optisch stark von den großen Vorbildern abzuheben. "Bei uns gibt es keine überflüssigen 3D-Schatten und keine Schnörkel", beschreibt der zuständige Microsoft-Manager Frank Prengel das neue Layout mit dem Codenamen "Metro".

Alles voller Kacheln

Der Startbildschirm von Windows Phone 7 ist der Traum aller Fliesenleger. In zwei Spalten sind quadratische Schaltflächen angeordnet, die an Kacheln erinnern und von Microsoft tatsächlich auch "Life Tiles" genannt werden. Sie bieten Zugänge zu Grundfunktionen wie Telefon, Kontakte, Outlook, Internet und der Spielecommunity Xbox Live. Lebendig sind die Kacheln deshalb, weil sie in begrenztem Umfang aktuelle Infos anzeigen können, zum Beispiel die Zahl der entgangenen Anrufe oder der neuen Nachrichten per Facebook oder Mail. Einzige Ausnahme von der zweispaltigen Anordnung sind der Kalender und die Bildersammlung, die ihren Platz in Kacheln von doppelter Breite finden. Die Reihenfolge der Life Tiles lässt sich beliebig verschieben, doch die Scrollrichtung bleibt in jedem Fall vertikal. Man kann keine dritte Spalte eröffnen, sondern nur die Sammlung der Schaltflächen nach unten beliebig erweitern. Diese Anordnung ändert sich auch nicht, wenn das Handy um 90 Grad gekippt wird. Der "Start"-Knopf - eine Reminiszenz an das PC-Windows - öffnet ein Menü mit allen vorhandenen Funktionen und Programmen. Deren Symbole lassen sich einfach auf den Startbildschirm schicken und von dort aus starten.

Microsoft auf Apples Spuren

Das zweite zentrale Designelement neben den Life Tiles sind so genannte "Hubs". An diesen Drehscheiben fasst Windows Phone 7 Anwendungen zusammen. Sechs Hubs gibt es: Kontakte, Bilder, Multimedia, Spiele, Office und Marktplatz. "Kontakte" ist das Sammelbecken für Kommunikationskanäle wie Outlook, Facebook und Windows Live. Im "Office"-Hub befindet sich Dokumente sowie der Kalender, der mit Outlook Exchange, Google, Yahoo! und anderen Kalendern synchronisiert werden kann. Unter "Bilder" werden sowohl die mit dem Handy aufgenommenen Fotos als auch Bilder aus Facebook, Flickr und anderen Quellen betrachtet und verwaltet. Der "Spiele"-Hub versammelt Handygames und ein Zugang zum Xbox-Live-Netzwerk. Unter "Multimedia" findet sich ein Medienspieler für Musik, Videos und Podcasts. Dessen Bedienoberfläche erinnert optisch an Microsofts iPod-Konkurrenten Zune, der nur in den USA erhältlich ist. Die Marke Zune allerdings wird zeitgleich mit den Smartphones nach Deutschland kommen - in Form eines Online-Marktplatzes à la iTunes.

Der Zune Marktplatz wird direkt in Windows Phone 7 integriert und lässt sich über den gleichnamigen Hub nahtlos nutzen. Musik, Videos, Spiele - alles, was Apple mit Erfolg über iTunes vertreibt, soll irgendwann auch im Zune Marktplatz erhältlich sein. Auch Apps. Nach dem ungeheuren Erfolg vom Apples Appstore und dem Android Marketplace setzt nun auch Microsoft auf die kleinen Zusatzprogramme, die ein Smartphone um ungeahnte Funktionen erweitern können. Was die Regeln für die Veröffentlichung von Apps angeht, scheint sich Microsoft zwischen dem strengen Apple und dem liberalen Android zu positionieren: "Jede App wird vor der Veröffentlichung von uns geprüft. Die Richtlinien sind eindeutig und für jedermann lesbar veröffentlicht worden. Wenn ein Programm abgelehnt wird, bekommt der Entwickler eine schriftliche Begründung", verspricht Prengel. Um den verschiedenen moralischen Werten in der Welt gerecht zu werden, werden die App-Bastler angeben müssen, in welchen Märkten sie ihr Programm veröffentlichen möchten. Eine App, die die prüden Amerikaner verwirren könnte, würde dann zum Beispiel nur in Europa veröffentlicht.

Maximale Kontrolle

Bei der Konzeption des Marktplatzes ist Apples Einfluss unübersehbar, und auch bei anderen Aspekten von Windows Phone 7 schimmert der Konkurrent aus Cupertino deutlich durch. Die Einschränkungen für Nutzer und Softwareproduzenten sind viel strenger als bei Windows Mobile bisher üblich. Einige Beispiele:

  • Es gibt keinen Steckplatz für eine externe Speicherkarte. Der interne Speicher kann nicht erweitert werden.
  • Eine Verbindung zum PC per USB-Kabel ist möglich, der Zugriff auf das Handy erfolgt aber ausschließlich über ein Zusatzprogramm. Nur über diesen Zune Client können Musikstücke, Videos und Bilder transferiert werden. Das Handy wird vom PC nicht als Massenspeicher erkannt, auf dem man irgendwelche Dateien speichern könnte.
  • Per Bluetooth lassen sich zwar Zusatzgeräte wie ein Stereo-Headset drahtlos am Handy anschließen, eine Datenübertragung beispielsweise von Bildern ist aber nicht möglich.

Kurz: Microsoft verschließt die Wege, auf denen Software auf das Gerät gelangen kann und lässt nur einen offen, der streng kontrolliert wird. Die Begründung dafür ist dieselbe, die Apple für sein strenges Regime über das iPhone angibt: "Wir müssen das Handy schützen, um die perfekte Nutzererfahrung garantieren zu können", so Microsoft-Manager Prengel. Der Kunde erwarte ein schnelles, flüssig zu bedienendes und immer funktionierendes Smartphone, so Prengel. Aus demselben Grund mussten für die erste Version auch einige Funktionen dran glauben, die laut Prengel nicht befriedigend umgesetzt werden konnten: Es wird kein Copy-&-Paste und kein Multitasking für Drittanbieter geben. Das bedeutet: Es kann immer nur eine App zur Zeit aktiv sein. Was für ein Zufall: Das Fehlen genau dieser beiden Funktionen war der größte Kritikpunkt an den ersten iPhone-Generationen.

Immerhin scheint Microsoft sein Ziel, Windows Phone 7 zu einem schnellen Betriebssystem zu machen, erreicht zu haben. Zumindest bei der Präsentation bewegte sich alles auf dem Handybildschirm zügig und ohne Ruckler. Die Bedienung erschien einfach und intuitiv. Das sehr strenge, fast spartanische Design ist eigenwillig, aber mutig. Mit Windows Phone 7 vollzieht Microsoft tatsächlich einen Neuanfang und katapultiert mit der Einführung von Apps und dem Zune Marketplace als Onlineshop sein Smartphone-Geschäft ins Jahr 2010. Ob das reicht, um den Vorsprung der anderen auszuholen, wird das Jahr 2011 zeigen.

Lesen Sie dazu auch bei unserem Partner in der Schweiz, 20 Minuten Online: "Microsoft: Windows Phone 7 ist die letze Chance im Mobilfunkmarkt Erfolg zu haben"

Kann ich mich auf Geschwindigkeitsanzeige FritzBox verlassen?
Hallo zusammen, erstmal herzlichen Dank für die Leute, die sich Zeit nehmen Fragen zu beantworten oder ihre Erfahrungen mit anderen teilen. Das ist oft hlifreich, wenn man sich nicht so auskennt. Ich hoffe, dass mir jemand weiterhelfen kann. Die Telekom hat hier nach langer und ersehnter Zeit schnelle Leitungen verlegt. Mitarbeiter waren auch zu Besuch da und auch nett:-) Sie wollten ja auch, dass ich von 1und1 wieder zurück wechsel. Das ist für mich in Ordnung und gehört zum Wettbewerb. Da jedoch die Mitarbeiter mir sagten, dass die Telekom für paar Jahre das Vorrecht hätte, könnte ich schnelles Internet nur über Telekom beziehen. Sprich entweder Telekom und schnelles Internet oder langsames Internet. Da habe ich im Internet recherchiert und rausgefunden, dass das so nicht mehr stimmt. Das war der Grund, warum ich dann bei 1und1 DSL100 abgeschlossen habe, da man mir am Telefon gesagt, dass es ohne Probleme möglich wäre. Nun ist es jedoch so, dass wir gar nicht so merken, dass unser Internet schneller ist. Gerade in der oberen Etage kann man nicht ohne Router surfen oder Sky über Internet Fernsehen. Nun meine Frage: Bei der Fritzbox wird es jedoch angezeigt. Kann ich mich drauf verlassen? Oder wie macht ihr eure Messungen? Ich weiss, dass es Software gibt, aber der feste Rechner ist bereits alt und hat einen alten Internet Explorer drauf. Wenn ich mit einem Laptop im Wlan mich reinhänge, wird sicher die Geschwindigkeit sowieso niedriger und nicht verwertbar sein, oder? Vielen Dank für die Antworten.