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Handy-Klingeltöne: Der gute Ton für unterwegs

Ende der Eintönigkeit: Die Handy-Industrie läutet eine neue Klingeltonära ein - und macht dabei ein Riesengeschäft.

Eine kleine Aufmunterung gefällig? Oder eine stilvolle Ansprache für zwischendurch? Oder soll es doch die saloppe Variante sein, für den Kumpeltyp? Dafür genügt neuerdings ein Anruf beim eigenen Handy. "Na, Meister, alles klar?", fragt es dann, wenn andere einfach Klingelingeling sagen würden. 20 "Bonuspunkte" muss man für den "Alles klar"-Ton ausgeben unter samsungmobile. com, doch die bekommt man schon, wenn man sich beim "Samsung Fun Club" kostenlos registriert.

Klingeltonumsatz weltweit: eine Milliarde Dollar

Mit Lockangeboten wie diesem versucht die Mobilfunkbranche zurzeit, neue Kunden zu gewinnen. Denn aus der Verfeinerung der bislang monotonen Handy-Erkennungsdudelei ist ein Riesengeschäft geworden, das 2003 einen globalen Umsatz von mehr als einer Milliarde Dollar erzielen dürfte.

Allein die 350 Millionen europäischen Mobiltelefonbesitzer laden sich in diesem Jahr rund 150 Millionen Klingeltöne herunter: Die Handy-Generation scheint jetzt den guten Ton zu entdecken.

Die meisten können's mehrstimmig

Besser gesagt, die guten Töne. Denn die neue Handy-Generation kling(el)t mehrstimmig. Immer mehr neue Geräte sind in der Lage, bis zu 40 Töne gleichzeitig wiederzugeben. Polyphon nennt sich das und verblüfft zuweilen schon durch erstaunliche Klangqualität.

Von Madonna bis "Matrix"

Madonna, Mozart, Nena oder der "Matrix"-Soundtrack - in den Angebotslisten der Klingeltonverkäufer dürfte schon jetzt jeder fündig werden. Auch Orgasmusgeräusche lassen sich mittlerweile problemlos aufs Handy laden - oder Kirchengeläut. Vogelgezwitscher oder Wellenrauschen - alles im Angebot.

Beim Anbieter jamba.de gehen derzeit 800.000 Klingeltonbestellungen pro Monat ein, bei Samsung sind es weltweit 200.000. Geschätzte 461 Millionen Euro werden allein die Europäer in diesem Jahr für die zusätzlichen Bimmel-Intros bezahlen.

Auf die Jugend abgesehen

Vor allem auf die junge Kundschaft hat es die Industrie dabei abgesehen: Anzeigen und Spots in "Bravo", "Popcorn" oder auf MTV sollen die Kids zum Download aktueller Trendmelodien bewegen, die als "echt schick", "cool" und "kultig" angepriesen werden. Rund 107 Millionen Euro wird allein die deutsche Jugend in diesem Jahr für Klingeltöne ausgeben, bei Preisen von 1,49 bis 1,99 Euro.

Vorsicht bei den Kosten

Der Run auf die Töne lockt durchaus auch unseriöse Anbieter: Manche geben die Kosten nur ungenau oder gar nicht an. Künstlich in die Länge gezogene Bestelltelefonate bei teuren 0190-Nummern sind ein beliebter Trick, um einem Anrufer, der nach einem Klingelton sucht, unangemessen viel Geld abzunehmen.

Irgendwann werden Gema-Gebühren fällig

Unterdessen werden die Klingeltöne akustisch weiter aufpoliert. Kaum vom Original zu unterscheiden sollen sie künftig sein, verspricht die Industrie. Noch erzielen einstimmige Töne den meisten Umsatz - mit einem Marktanteil von 83 Prozent in Europa. Doch mittelfristig wird sich der vielstimmige Trend durchsetzen. Das dürfte nicht zuletzt die Musikindustrie freuen: Denn für Klingeltöne, die sich erkennbar an Songs vertraglich gebundener Musiker orientieren, ist neben der Lizenz der Gema eine zusätzliche erforderlich. Und diese wird von der jeweiligen Plattenfirma vergeben - nicht immer zum Schnäppchenpreis.

Imke Reiher / print