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Handy-Spionage: So wird Ihr Smartphone sicherer

Gegen das Abhören von Telefonaten und Mitlesen von SMS kann man sich kaum wehren. Das gilt selbst für die Kanzlerin. Doch diese Handgriffe machen das Handy ein Stück sicherer.

Von Christoph Fröhlich

Der NSA-Skandal hat eine neue Stufe erreicht: Angela Merkels Handy wurde von US-Geheimdienstlern abgehört, auch andere Spitzenpolitiker wurden mit hoher Wahrscheinlichkeit belauscht. Angesichts der Abhöraffäre fragen sich immer mehr Privatnutzer, wie sie ihre eigenen Gespräche, E-Mails und Kurznachrichten vor Datenschnüfflern schützen können. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Kann man abhörsicher mit dem Handy telefonieren?

Ja, aber nur mit immensem Aufwand. Um ein Handy abhörsicher zu machen, benötigt man zusätzliche Technik, entweder in Form einer Sicherheitskarte oder eines weiteren Geräts. Derzeit gibt es verschiedene Technologien, mit denen Regierungshandys vor fremden Mithörern geschützt werden:

  • Der deutsche Elektronikkonzern Rohde und Schwarz hat ein Krypto-System im Look eines MP3-Players entwickelt, das via Bluetooth an das Handy gekoppelt wird und die Sprache direkt auf dem Gerät verschlüsselt. Der große Vorteil: Selbst wenn das Smartphone mit einem Trojaner infiziert wird, können Geheimdienstler nicht mithören, da sie nur bereits verschlüsselte Sprachdateien empfangen. Aber: E-Mails und SMS können mit diesem Prinzip nicht verschlüsselt werden.
  • Die Firma Secusmart verschlüsselt Daten und Sprache mit Hilfe eines Chips, der in einer Security Card steckt. Sobald eine Telefonverbindung (ein- oder ausgehender Anruf) aufgebaut wird, müssen die Krypto-Geräte beider Gesprächspartner einen gemeinsamen Schlüssel definieren, der fest auf der Karte hinterlegt ist und nicht verändert werden kann. Angela Merkel nutzt auf ihrem Regierungs-Handy das Secusmart-System.

Solche Systeme bieten den größten Schutz, haben aber ihren Preis: Bis zu 2500 Euro kostet ein abhörsicheres Mobiltelefon. Damit eignen sich beide Methoden nicht für Privatnutzer. Außerdem müssen beide Gesprächspartner die Technik nutzen. Ist eines der Telefone nicht verschlüsselt, kann das gesamte Gespräch abgehört werden. Bei verschiedenen Krypto-Systemen ist zudem oft eine komplexe Umverschlüsselung notwendig.

Sind normale Smartphones sicher?

Nein. Handelsübliche Smartphones wie etwa ein Samsung Galaxy S4 oder iPhone 5S können von Hackern relativ mühelos geknackt und abgehört werden. Besonders gefährdet ist das Betriebssystem Android, das einen Marktanteil von mehr als 80 Prozent hat. Auch die Verschlüsselung des Mobilfunk-Standards GSM wurde längst gehackt.

Was sind die Gefahren?

Smartphone-Schädlinge können Daten ausspionieren, etwa Kennwörter für soziale Netzwerke. Dadurch können Hacker beispielsweise die virtuellen Identitäten ihrer Opfer stehlen. Noch fieser: Einige Schädlinge übernehmen teilweise das Kommando des Handys und verschicken unbemerkt vom Nutzer im Hintergrund kostenpflichtige SMS zu Wucherpreisen. Einige Trojaner spionieren auch die Kontaktdaten aus.

Kann man sich dagegen schützen?

Nur bedingt. Anti-Viren-Apps schützen beispielsweise vor den meisten Viren und Trojanern. Die Programme werden direkt auf dem Smartphone installiert, einige Apps können sogar kostenlos heruntergeladen werden. Welche Anti-Viren-Apps empfehlenswert sind, lesen Sie hier. Ebenfalls praktisch: Viele Anwendungen bieten Ortungsfunktionen beim Verlust des Smartphones.

Was sollte man bei der Installation von Apps beachten?

Generell sollten Anwendungen nur aus offiziellen Software-Stores heruntergeladen und installiert werden, etwa aus Apples App Store oder Googles Play Store. Auf den meisten Smartphones ist die Möglichkeit, Apps aus fremden Quellen wie etwa Internetforen herunterzuladen, standardmäßig deaktiviert. Achten Sie bei der Installation auf die Rechte, die jede App einfordert. Verlangt eine dubiose App etwa Zugriff auf die SMS-Funktion, verzichten Sie im Zweifelsfall auf das Programm.

Gibt es gefährliche Apps?

Die beliebte Anwendung Whatsapp ist zugleich eine der unsichersten, da sämtliche Nachrichten komplett unverschlüsselt übertragen werden. Auch viele E-Mail-Programme verzichten auf Schutzmaßnahmen. Ein gefundenes Fressen für Kriminelle: In öffentlichen Wlan-Netzen, etwa in der Bibliothek oder im Cafè, lassen sich unverschlüsselte Daten leicht abfangen. Schützen können Sie sich auf zwei Wegen: Entweder verzichten Sie auf die Nutzung von Whatsapp in öffentlichen Hotspots. Oder sie nutzen einen VPN-Dienst, um den Datenverkehr sicherer zu machen. Dafür gibt es zahlreiche Apps, gute Anbieter kosten aber meist Geld.

Welche Apps sind empfehlenswert?

Für Textnachrichten und Chats auf Android- und iOS-Geräten kann das Programm ChatSecure genutzt werden. Das Programm nutzt ein Verschleierungsprotokoll namens Off-the-Record (ORT). Sichere Internettelefonie (VoIP) zwischen Android-Geräten ermöglicht die App RedPhone, allerdings kommt es im Mobilfunknetz gelegentlich zu Aussetzern. Als sicher, aber teuer gilt der Dienst Silent Phone für Android und iOS. Er codiert für 240 Dollar im Jahr neben Telefonaten auch E-Mails und Kurzmitteilungen. Unterwegs unerkannt surfen können Sie auf dem Smartphone mit den Anonymisierungsnetzwerk Tor, empfehlenswerte Apps sind Orbot für Android-Geräte oder der Onion Browser (89 Cent) für iOS.