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Galaxy S4 im Test: Schau mir in die Augen, Galaxy!

Mit dem Galaxy S4 will Samsung den Smartphone-Thron zurückerobern: Das Gerät ist vollgepumpt mit moderner Technik und soll sich sogar mit den Augen steuern lassen. Ob's klappt? Wir haben es getestet.

Von Christoph Fröhlich

Geht es nach Samsung, sind die Zeiten nun endgültig vorbei, als Smartphones nur seelenlose, auf technische Höchstleistungen getrimmte Hosentaschen-Geräte waren. Mit dem neuen Galaxy S4 bringen die Südkoreaner ein Gerät auf den Markt, das mehr sein will als die bloße Verschmelzung von Kamera, Konsole, MP3-Player und Telefon. Das neue Spitzenmodell sei ein "Life Companion", ein Begleiter für alle Lebenslagen, tönt es großspurig in der Werbung. Doch kann Samsung die hoch gesteckten Ansprüche erfüllen? Wir haben das Gerät getestet.

Kantiger Nachfolger

Auf den ersten Blick sieht das Galaxy S4 seinem Vorgänger S3 zum Verwechseln ähnlich. Doch der Unterschied steckt bekanntlich im Detail: Das Handy ist etwas länger und schlanker, der Rahmen um das Display schmaler. Das 7,9 Millimeter dünne Gehäuse wird von einem Kunststoffstreifen in Chrom-Optik umrandet und wirkt etwas kantiger als der Vorgänger. Samsung hat sich bei der Form deutlich am Stift-Handy Galaxy Note 2 orientiert. Der Homebutton ist ebenfalls verändert worden, die Sensoren und die Frontkamera am oberen Rand haben ihre Plätze getauscht.

Wie alle Galaxy-Modelle besteht das S4 aus Plastik, was dem Gewicht zugutekommt - aber leider nicht dem Gefühl der Wertigkeit. Zwar ist das S4 gut verarbeitet, doch richtig wohl ist einem beim Öffnen der Rückseite nicht. Stets bleibt die Angst, die Abdeckung könnte verbiegen oder gar zerbrechen. Diese Sorge mag unbegründet sein - wie ein 700-Euro-Handy fühlt sich das Galaxy S4 aber nicht an. Dass Android-Smartphones richtig gut aussehen können, haben HTC und Sony bewiesen: Das HTC One hat ein leicht gewölbtes Aluminiumgehäuse, das Xperia Z von Sony besteht aus gehärtetem Glas. Wem der Vorgänger gefallen hat, der dürfte aber am neuen Spitzenmodell seine Freude haben. Insgesamt wagt Samsung beim Design aber zu wenig Neues.

Mit einem Gewicht von 130 Gramm liegt das Gerät trotz seiner imposanten Größe von fünf Zoll gut in der Hand. Mit 7,9 Millimetern ist es zudem sehr schlank. Zum Vergleich: Das iPhone 5 misst in der Höhe 7,6 Millimeter, das HTC One an der dicksten Stelle 9,3.

Die Kraft der vier Herzen

Die große Stärke des Galaxy S4 sind die inneren Werte. Im Vorfeld gab es viel Wirbel um den verbauten Prozessor: Bei der Premiere im März präsentierte Samsung sein Flaggschiff als erstes Smartphone mit Achtkernprozessor. Doch hierzulande kommt nur ein Snapdragon-600-Chip zum Einsatz, ein Vierkernprozessor mit 1,9 Gigahertz Taktrate. Ihm stehen zwei Gigabyte Arbeitsspeicher zur Seite. Damit schafft das Galaxy S4 selbst anspruchsvolle 3D-Spiele wie "Real Racing 3" oder "Dungeon Hunter 4" mühelos. In Benchmark-Tools, die die Leistungsfähigkeit von Smartphones messen, erreicht das Gerät fast doppelt so viele Punkte wie der Vorgänger.

Auch bei der restlichen Ausstattung hat Samsung nicht gekleckert, sondern geklotzt: Der Super-AMOLED-Bildschirm misst fünf Zoll (S3: 4,8 Zoll) und hat eine Full-HD-Auflösung von 1920 mal 1080 Pixeln. Der Vorgänger begnügte sich noch mit 1280 mal 720 Bildpunkten. Zwar kommt das S4 bei der Helligkeit nicht an das HTC One heran, dafür wirken die Farben auf dem Samsung-Handy umso knackiger. Auch der Betrachtungswinkel ist sehr gut: Selbst bei fast waagerechtem Blick auf das Display bleiben die Farben und Kontraste unverändert. Ein weiterer Vorteil: Das Display lässt sich wie Nokias Lumia 920 auch mit Handschuhen bedienen.

Die beiden Kameras machen sehr gute Bilder: Die Rückkamera hat einen 13-Megapixel-Sensor, die Zwei-Megapixel-Frontkamera ermöglicht Videotelefonie in Full-HD. Der Blitz leuchtet das Bild sehr gut aus, sodass auch bei schlechtem Licht ansehnliche Fotos entstehen.

In puncto Konnektivität zieht das Galaxy S4 alle Register: Wlan, Bluetooth, NFC, 3G, LTE und microUSB sind ebenso an Bord wie eine Infrarotschnittstelle, mit der das Gerät als Universalfernbedienung eingesetzt werden kann. Im Test klappte das nur bedingt: Zwar erkannte das Gerät einen vier Jahre alten Samsung-LCD-Fernseher und konnte ihn ein- und ausschalten. Beim Senderwechsel und der Regulierung der Lautstärkte streikte das Handy aber.

Der austauschbare Akku im neuen S4 hat eine Kapazität von 2600 Milliamperestunden (S3: 2100 Milliamperestunden). Trotz des brillanten Displays und des schnellen Rechenchips hält das Galaxy S4 ähnlich lang durch wie andere Oberklasse-Smartphones.

Schlaue Software mit Aussetzern

Als Betriebssystem nutzt das Galaxy S4 als eines der ersten Smartphones die neue Android-Version 4.2.2. Doch von der Google-Software bekommt der User nicht allzu viel zu Gesicht, stattdessen wird die von der Galaxy-Reihe bekannte Touchwiz-Oberfläche verwendet.

Die zentrale Idee beim Galaxy S4 ist es, das Gerät durch Gesten, Bewegungen, Sprache und die Augen zu steuern. Das ist prinzipiell eine gute Sache, schließlich lassen sich Fünf-Zoll-Smartphones nur selten mit nur einer Hand bedienen. Leider hakt es bei der Umsetzung, sodass User nach wie vor auf ihre Finger vertrauen sollten.

So gibt es die "Smart Scroll"-Option, mit der bestimmte Apps wie der Browser mit Hilfe der Augen gesteuert werden. Dazu beobachtet die Frontkamera den Nutzer: Neigt er den Kopf nach oben oder unten, scrollt der Browser in dieselbe Richtung. Das klappt mal mehr, mal weniger gut. Besser ist es, den Kopf starr zu lassen und stattdessen das Gerät leicht zu neigen. Allerdings verliert das Handy dann schnell den Augenkontakt, sodass das Feature hinfällig wird.

Ähnlich ist es bei "Smart Pause": Mit der Funktion wird ein Video angehalten, sobald der Nutzer den Blick vom Display abwendet. Das funktioniert in hellen Räumen recht gut, bei schummrigem Licht hat das Handy aber Probleme, die Augen des Nutzers zu erkennen - und spielt den Film dann munter weiter.

Hänger gibt es auch bei der Funktion "Air View": Damit sollen Vorschauen von E-Mails, SMS oder Fotoalben angezeigt werden, ohne dass der Finger das Display berührt. Aber auch hier leistete sich das Handy einige Aussetzer.

Forscher Umgangston

Beim Galaxy S3 debütierte Samsungs Siri-Pendant S-Voice, das aber nur wenig begeisterte. Nun ist ein Jahr vergangen, doch noch immer hat Apple die Nase vorn: Im Vergleichstest lieferte Siri bessere Ergebnisse als Samsungs Sprachassistent. Ob Bundesliga-Ergebnisse, Restaurants in der Nähe oder Film-Trailer - dem Galaxy S4 blieb stets nichts weiter übrig, als dem Nutzer eine Google-Suche anzubieten. Zudem könnte Samsung die deutsche Stimme etwas netter klingen lassen: Im Vergleich zu Apples Sprachdienst klingt sie wesentlich forscher und unsympathischer.

Gut klappt hingegen die Bedienung der Kamera mit der Stimme: Mit dem Befehl "Lächeln" oder "Klick" macht das Smartphone ein Foto. Auch die Navigation oder grundlegende Funktionen wie das Stellen eines Weckers funktionierten gut.

Wirklich Spaß macht die Kamera-Software: Sie ist kinderleicht zu bedienen und bietet spannende vorinstallierte Modi. Mit der "Drama"-Funktion können mehrere Aufnahmen eines bewegten Objekts aufgenommen und anschließend in einem Bild zusammengefügt werden. Die Funktion "Radierer" fotografiert dasselbe Motiv fünf Mal, um bewegliche Objekte wie Fußgänger und Autos aus dem Bildhintergrund herauszurechnen. Beide Funktionen haben im Test auf Anhieb funktioniert und gute Ergebnisse geliefert.

Fazit: Auch andere Firmen haben schöne Smartphones

Technisch ist das Galaxy S4 das derzeit wohl beeindruckendste Smartphone am Markt: Das Display ist hell und hat brillante Farben, die Kamera macht sehr gute Bilder. Dank LTE und NFC ist das Gerät für die Zukunft gerüstet. Beim Design setzt Samsung auf Altbewährtes. Das umfangreiche Softwarepaket bietet zwar spannende Funktionen, die aber allesamt noch etwas Feintuning vertragen könnten - zumal das Gerät mit einem Preis von knapp 700 Euro alles andere als ein Schnäppchen ist. Wer bereits das Galaxy S3 besitzt, kann getrost eine Generation überspringen. Wer Wert auf Design legt, sollte sich lieber Sonys Xperia Z oder das HTC One anschauen.

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