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Handygames: Mühsamer Kaltstart für Nokia

Nokia leidet unter Problemen beim Start seines Spielportals N-Gage. Experten fürchten indes Schlimmeres: Der Hersteller von Mobiltelefonen könnte mit seiner Multimediastrategie überfordert sein.

Von Andre Tauber

Der Manager hält sich nicht ans Programm. Eigentlich soll Peter Parmenter, Mobilfunkchef des Spieleherstellers Electronic Arts, über die Chancen von Nokias neuem Spielportal N-Gage sprechen. Im Publikum sitzen Hunderte Branchenexperten, die Nokia zu einer Konferenz nach Rom geladen hat. Doch Parmenter geht gleich zur Kritik über. Nokia sei sechs Monate nach dem Start von N-Gage dem Ziel kaum näher gekommen, sich als Handyspieleanbieter zu etablieren. Das Projekt habe noch gar nicht begonnen.

Die Kritik ist hart für Nokia, denn sie trifft ins Herz der neuen Firmenstrategie. Der Konzern möchte stärker mit dem Verkauf von Inhalten wachsen. Neben Videospielen möchte der Konzern auch Musik, Bildertauschbörsen und Straßenkarten anbieten. Zudem sollen Nutzer mühelos ihre Kontakte und Kalendereinträge zwischen Handy, Internet sowie Computer synchronisieren können. Das alles soll im Internetportal "Ovi" zusammengefasst werden. Milliarden Euro hat Nokia in den Kauf von Inhalten und den Aufbau der Plattform investiert.

Ovi ist nur eine Sammlung von Links

Doch Experten bemängeln, dass Nokia mit dem Projekt kaum vorankommt: bislang sei Ovi nur eine Sammlung von Links. "Der Start des Portals ist wie ein Kaltstart eines Diesels ohne Diesel", sagt Thomas Langer, Analyst der WestLB. Für ihn war dies ein Grund, die Nokia-Aktie im August herabzustufen.

Das Spielportal N-Gage läuft seit dem Start im April nur zögerlich an. Das Spieleangebot ist nicht so groß wie geplant. Bis Jahresende werden gerade einmal 30 Spiele online sein - 20 weniger als ursprünglich vorgesehen. Zudem funktionieren viele Spiele nicht auf allen Mobiltelefonen. Dabei hatte Nokia den Start mehrmals verschoben, um technische Probleme zu lösen. In Internetforen machen Nutzer ihrem Ärger Luft. Analysten fragen sich, warum Nokia ein Produkt startet, das noch nicht marktreif ist. Dabei hätte Nokia aus der eigenen Vergangenheit lernen können: Bereits der erste Versuch im Jahr 2003, speziell für Spiele ausgelegte N-Gage-Handys sowie die dazugehörigen Spiele zu vertreiben, war wenig erfolgreich.

Nokia gibt Fehler zu. "Wir wären gerne aggressiver aufgetreten", sagt Jaakko Kaidesoja, Vizechef von Nokias Spielesparte. Den Rückstand bei der Spieleproduktion erklärt er damit, dass sich neue Modelle von Nokias N-Serie verzögert haben - auf diese Serie leistungsfähiger Telefone zielt Nokia mit der Multimediastrategie ab. Ob das dem Image schadet? "Es gibt Risiken", sagt er. Aber Nokia habe so sechs Monate lernen können. Nokia gehe nun mit dem neuen Mobiltelefon N85 in die Offensive. Darauf seien 15 Spiele installiert, die der Käufer gegen Bezahlung freischalten lassen kann. Auch für Parmenter markiert das den eigentlichen Startschuss.

Die Branche lobt indes den Rivalen Apple. Das Spieleangebot für das iPhone ist größer. Zudem arbeitet Apple auch lukrativer. Während Nokia die Bezahlung seiner Spiele noch über den Netzbetreiber abwickelt, verkauft Apple die Titel über das Internet - und spart dadurch hohe Gebühren.

FTD
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