HOME

Handynavigation "Squace": Quadratisch, praktisch, aber auch gut?

Ein neuer Mobildienst will das Internetsurfen auf Handys unkompliziert und schnell machen. Der Trick: Vierecke statt Fenster. Allerdings erfordert die Technik einige Vorbereitung am PC.

Von Karsten Lemm, San Francisco

Auf den meisten Mobiltelefonen ist Surfen im Internet bisher kein Vergnügen: Selbst bei einer schnellen Verbindung bleibt das Problem, dass der Bildschirm zu klein ist, um komplette Seiten anzuzeigen. Das erschwert es, einen Überblick zu gewinnen. Ziffernblöcke sind zum Eingeben langer WWW-Adressen ebenfalls nicht ideal. Das schwedische Jungunternehmen Squace versucht nun die Quadratur des Kreises mit einem völlig neuen Bedienkonzept: Statt Webseiten in einem Browserfenster anzuzeigen, präsentiert Squace als Hauptmenü ein Raster aus kleinen Rechtecken, hinter denen sich die eigentlichen Seiten verbergen.

Die Inhalte, etwa Nachrichten-Schlagzeilen, werden alphabetisch geordnet; Squace zeigt eine Vorschau, sobald der Cursor über dem entsprechenden Buchstabenfeld schwebt. Um zu einer Seite zu wechseln, genügt dann ein einzelner Tastendruck als Bestätigung. Das Konzept mit der Mosaik-Anzeige solle es einfach machen, "auf Mobiltelefonen an Internet-Inhalte heranzukommen, ohne dass man Adressen eintippen muss", sagt Squace-Gründer Aage Reerslev.

Ständige Datenverbindung

Die 15-Mann-Firma aus Stockholm, deren Name eine Anspielung auf "Squares" (Quadrate) ist, bietet ihre Software kostenlos an und hofft, später über Werbepartnerschaften Geld zu verdienen. Nutzer können das Programm - eine mobile Java-Anwendung - direkt vom Handy herunterladen und installieren; derzeit werden laut Squace mehr als 140 verschiedene Geräte unterstützt, vorwiegend von Nokia, Sony Ericsson und Samsung. Empfehlenswert ist ein Vertrag mit unbegrenztem Datenvolumen, da alle Informationen auf Netzwerkrechnern bei Squace gespeichert werden, nicht auf dem Telefon selbst. Nutzer müssen also ständig verbunden sein, um den Service zu nutzen.

Anders als Mobilbrowser wie der populäre Opera Mini erlaubt es der schwedische Neuling allerdings nicht, spontan jede beliebige Internetadresse anzusteuern. Grund: Um Seiten in seinem Rastermenü darzustellen, muss Squace sie zunächst umformatieren - das geschieht mit spezieller Software auf den Großcomputern in der Firmenzentrale. "Es kostet einige Arbeit, Webseiten Squace-freundlich zu machen", erklärt Reerslev. Für Nutzer bedeutet das: Sie können entweder populäre Angebote wie BBC-Nachrichten oder die Filmdatenbank IMDB mit einem Mausklick zu ihrem persönlichen Konto hinzufügen oder andere Seiten, die noch nicht in der Datenbank vorhanden sind, selbst für Squace aufbereiten. Beides geschieht am PC, nicht per Handy.

Nach der Einrichtung wird's schnell

Ist Squace einmal nach persönlichen Wünschen eingerichtet, soll die neuartige Surfhilfe mobiles Browsen deutlich schneller und effizienter machen: Bei einer Untersuchung des königlich-schwedischen Technik-Instituts in Stockholm brauchten Probanden in einigen Fällen bis zu 88 Prozent weniger Klicks, wenn sie Squace nutzten, berichtet die Firma. "Es wird zum ersten Mal praktikabel, herkömmliche Mobiltelefone für Internetdienste zu verwenden", sagt Reerslev. Der 42-jährige Squace-Gründer hofft nun, dass begeisterte Anwender nicht nur Links zu Webseiten an ihre Freunde weitergeben, sondern gleich das ganze Programm - beides geht direkt vom Handy aus. "Unser Grundkonzept lautet: Finden und Teilen", sagt Reerslev. Im Mai kam der Dienst, der sich im noch nicht ganz ausgereiften Beta-Stadium befindet, auf diese Weise an 50.000 neue Nutzer.

Themen in diesem Artikel