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Huawei Ascend Y200: Lidls 100-Euro-Smartphone im Test

99,99 Euro für ein Smartphone? Mit dem Y200 schickt Huawei das zweite Billig-Handy in die Lidl-Regale. Doch kann das Android-Gerät überzeugen oder ist es nur Plastikschrott?

Von Christoph Fröhlich

Wer billig kauft, kauft doppelt? Dass das nicht immer zutrifft, hat der chinesische Hersteller Huawei im vergangenen September bewiesen. 99,99 Euro kostete das Android-Handy Ideos X3, das sowohl bei Kritikern als auch bei Kunden gut angekommen ist. Bereits nach wenigen Stunden war es in den meisten Lidl-Filialen vergriffen, wo es zunächst exklusiv verkauft wurde. Am Montag erscheint mit dem Ascend Y200 der lang erwartete Nachfolger. Kann der Handy-Hersteller aus Fernost den Erfolg wiederholen? stern.de hat das Gerät ausprobiert - und ist positiv überrascht.

Ein echtes Smartphone

"Klein ist nur der Preis" verspricht der Hersteller. Und wirklich, die Ausstattung des Geräts kann überzeugen, das Y200 ist ein vollständiges Smartphone. Es basiert auf Android 2.3 Gingerbread (Android 4.0 wird offiziell nicht unterstützt), hat eine 3,2-Megapixel-Kamera, GPS, Wlan und ermöglicht mit dem passenden Datentarif auch mobiles Internet. Praktisch: Beim Kauf des Geräts erhält man eine SIM-Karte mit 25 Freiminuten und einem Monat kostenlosen Internet.

Das Touchdisplay ist im Vergleich zum Vorgänger (3,2 Zoll) etwas größer und misst jetzt 3,5 Zoll (8,9 Zentimeter). Damit ist der Bildschirm genauso groß wie beim aktuellen iPhone 4S. Allerdings muss man sich in punkto Auflösung Abstriche machen: Während das Y200 magere 480 mal 320 Pixel schafft, stellt das iPhone auf der gleichen Fläche viermal so viele Bildpunkte (960 mal 640 Pixel) dar. Auch bei der Anzahl der Farben ist das Retina-Display von Apple mit 16,7 Millionen Farben dem Fernost-Handy mit 262.000 weit überlegen.

Für kleine Finger

Doch trotz der geringen Pixeldichte ist das Bild nicht schlecht: Die Schrift wirkt scharf, die Farben satt. Auch die Blickwinkelabhängigkeit ist sehr gut. Das Tippen geht flüssig von der Hand, wobei aufgrund der kleinen Tastatur etwas Übung nötig ist. Obwohl das Display genauso groß ist wie beim iPhone, ist das Schreiben dort subjektiv einfacher. Im Zweifelsfall kann man den Bildschirm auch einfach seitwärts kippen, dann steht eine größere Tastatur zur Verfügung. Ein Wermutstropfen: Finger hinterlassen auf dem Glasdisplay schnell unschöne Spuren.

Nahezu unbrauchbar wird der Bildschirm aber bei großer Sonneneinstrahlung, da das Display sehr stark spiegelt. Für dieses Problem gibt es nur zwei Lösungen: in den Schatten gehen oder die Bildschirmhelligkeit erhöhen - das geht wiederum auf Kosten des Akkus. Der ist mit 1400 Milliamperestunden etwas stärker bestückt als beim Vorgänger (1200 mAh) und damit auf dem Niveau der teureren Konkurrenz. Länger als ein bis zwei Tage hält das Handy bei regelmäßiger Nutzung aber nicht durch. Wie alle Smartphones muss auch das Y200 regelmäßig an die Steckdose.

Im Inneren werkelt jetzt ein 800-Megahertz-Prozessor, während sich der Vorgänger mit 600 Megahertz begnügen musste. Das macht das Handy spürbar schneller - im Vergleich zur (wesentlich teureren) Konkurrenz ist das aber immer noch langsam. Ein Vergleich: Das derzeit beliebte Geschicklichkeitsspiel "Temple Run" braucht beim Y200 rund 18 Sekunden bis zum Start, zudem gibt es leichte Ruckler beim Spielen. Beim iPhone 4S kann man bereits nach knapp vier Sekunden spielen, beim HTC One X nach sieben. Das Hochfahren des Geräts dauert rund 40 Sekunden.

Positiv: Youtube-Videos laufen flüssig, selbst im High-Quality-Modus. Aber: Die integrierten Lautsprecher klingen teilweise sehr scheppernd, selbst für Handy-Verhältnisse. Wer aufwendige Spiele zocken will, sollte zu einem anderen, teureren Handy greifen.

Für Schnappschüsse ausreichend

Auch von den Fotos darf man keine Wunder erwarten: 3,2 Megapixel schafft die Kamera auf der Rückseite. Zum Vergleich: Die aktuellen Top-Handys schaffen zwischen acht und zwölf Megapixel. HD-Videos schafft das Einsteiger-Handy selbstverständlich nicht. Ein Blitzlicht fehlt, was bei schlechten Lichtverhältnissen das Bildrauschen verstärkt. Für Urlaubsaufnahmen oder Schnappschüsse ist die Kamera aber ausreichend.

Ein Problem könnte der mangelnde Speicherplatz werden: Das Handy bietet gerade einmal 512 Megabyte. Über einen MicroSD-Kartenslot kann das Gerät auf bis zu 32 Gigabyte erweitert werden, was in unserem Test problemlos mit einer 4-Gigabyte-Karte funktionierte. Leider ist die Speicherkarte nicht im Lieferumfang enthalten und muss separat gekauft werden. Das ist auch zwingend nötig, denn erst mit einer SD-Karte bleibt genügend Platz für Apps, die über den Android-Market beziehungsweise Google Play zur Verfügung stehen.

Nett: Startet man das Handy aus dem Ruhezustand, können einige Menüpunkte - Kamera, Telefon, SMS und Home-Bildschirm - direkt ausgewählt werden.

Gute Verarbeitung

Dass das Handy nur ein Fünftel herkömlicher Smartphones kostet, merkt man. Trotzdem ist es ordentlich verarbeitet und liegt gut in der Hand, eine geriffelte Oberfläche auf der Rückseite sorgt für festen Halt. Das Design ist klar und an hochwertige Handys wie der HTC-One-Reihe angelehnt. Die Slots für SIM- und MicroSD-Karte befinden sich im Inneren des Handys, sodass das Gerät mit zwei Tasten, einem Kopfhörer- und USB-Anschluss auskommt.

Mit 125 Gramm ist es sehr leicht und wiegt fünf Gramm weniger als das One X, das ist mit einem 4,7-Zoll-Bildschirm allerdings auch wesentlich größer ist. Das iPhone 4S bringt bei gleicher Größe 140 Gramm auf die Waage, ist allerdings auch aus Metall und Glas gefertigt. Das Huawei Ascend Y200 besteht aus Polycarbonat - oder billiger ausgedrückt: Plastik. Mit 11,7 Millimeter ist es auch nicht gerade schlank. Trotz der billigeren Verarbeitung muss man sich mit dem 100-Euro-Handy in der Öffentlichkeit aber nicht schämen.

Fazit: Gutes Preis-Leistungs-Verhältnis

Mit Oberklasse-Androiden wie dem Samsung Galaxy S2 oder dem iPhone 4S kann das Gerät selbstverständlich nicht mithalten. Die Verarbeitung ist weniger wertig, die Ausstattung schlechter. Dafür kostet das Handy aber auch nur einen Bruchteil des Preises. Wer noch kein Smartphone hat und sich vorsichtig an die Geräteklasse herantasten möchte, kann sich das Ascend Y200 kaufen.

Auch für Eltern könnte das Gerät interessant sein: Wer seinem Kind nicht gleich ein teures iPhone kaufen will, aber trotzdem populäre Apps wie "Angry Birds" oder Zugfahrpläne ermöglichen will, kann bei diesem Gerät nichts falsch machen. Für unter 100 Euro erhält man derzeit nichts Besseres. Ab 30. April gibt es das Gerät inklusive Prepaid-Sim exklusiv bei Lidl. Wer leer ausgehen sollte, kann ab 7. Mai bei Fonic zuschlagen.