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iPhone-Killer N97: Nokia punktet mit Apple-Taktik

In Barcelona zeigte Nokia, mit welchen Geräten das Unternehmen Marktführer bleiben und gleichzeitig Apple in die Parade fahren will. So soll das N97, das neue Top-Produkt des Handyherstellers, ebenfalls einen großen Touchscreen bieten, aber zusätzlich mit einer Tastatur bedienbar sein.

Von Gerd Blank

In jedem Jahr lädt Nokia die Fachpresse zur Hausmesse, um einen Ausblick auf neue Produktentwicklungen zu geben. Nachdem das Unternehmen bislang noch keinen echten "iPhone-Killer" im Portfolio hat, soll das N97 im kommenden Jahr dafür sorgen, dass Touchscreen-Liebhaber auch bei Nokia auf ihre Kosten kommen.

Fast zwei Jahre sah Nokia tatenlos zu, wie Apple und andere Handyhersteller potenzielle Kunden davon überzeugten, dass ein Mobiltelefon einen großen Touchscreen, also ein berührungsempfindliches Display, braucht. Während das iPhone lange Zeit als Blaupause für moderne Handys und absolut nachahmungswert galt, brachten die Finnen immer wieder alten Wein in neuen Schläuchen in den Handel - lediglich die Typenbezeichnung und das Gehäuse änderte sich ein wenig.

Doch jetzt zeigt Nokia ein Gerät, dass mit dem Apple-Effekt punkten soll: Das N97 soll mehr können als das iPhone, einfach zu bedienen sein - und erst in rund einem halben Jahr zur Verfügung stehen. Nokia schraubt, wie sonst nur Apple, die Erwartungshaltung ganz weit nach oben und möchte für Neugier sorgen. Die Eckdaten des jüngsten Nokia-Sprosses sind auf jeden Fall sehr ordentlich.

Das neue Gerät im Portfolio von Nokia wurde unspektakulär auf den Namen N97 getauft. Bei den inneren Werten wurde allerdings nicht gespart. Das berührungsempfindliche Display hat eine Diagonale von fast neun Zentimetern. 32 Gigabyte Speicher bieten genügend Platz für komplette Musiksammlungen oder vollständige Staffeln der Lieblings-TV-Serien. Unter dem Display verbirgt sich eine vollständige Tastatur, was auch kaum verwundert. Denn der Mangel an einer echten Tastatur war der Hauptkritikpunkt Nokias am iPhone. Die eingebaute Kamera kann Fotos mit bis zu fünf Megapixeln aufnehmen, und Videos sollen damit fast in DVD-Qualität aufgezeichnet werden können. Der Akku soll für rund eineinhalb Tage ununterbrochenen Musikgenuss sorgen. Bei der Wahl des Betriebssystems wagt Nokia wenig Neues und setzt auf das bewährte Symbian.

Internet immer und überall

Doch der eigentliche Schwerpunkt des Geräts liegt nicht in der Hardware. Im Sprachgebrauch von Nokia sind alle neuen Mobiltelefone inzwischen keine Handys mehr, sondern mobile Internetdevices, also Geräte, mit denen man immer und überall mit dem Internet verbunden ist. Nutzer bekommen nun nicht nur die Möglichkeit, ihre Lieblings-Community-Sites in kleinen Applikationen direkt vom Hauptbildschirm zu starten - auch aktuelle Meldungen aus Myspace, Facebook und Co. werden dort angezeigt.

Neben Internet-Services ist das zweite große Thema für Nokia die Navigation. Eine neue Version des mobilen Kartendienstes Nokia Maps bringt nun auch 3D-Orientierungspunkte und Online-Planungsmöglichkeiten. Nutzer können am heimischen PC ihre Reise planen. Nach einem Datenabgleich mit dem Handy kann unterwegs auf die geplanten Routen zugegriffen werden.

Auch in einem anderen Bereich will Nokia versuchen, mit Apple gleichzuziehen: Künftig bietet Nokia ebenfalls einen eigenen E-Mail-Service an. Zwar lassen sich auch E-Mail-Konten von Yahoo, Hotmail und Google nutzen, der eigene Dienst "Mail on Ovi" soll aber mehr können, als nur Nachrichten auszutauschen. Anwender haben die Möglichkeit, nach einmaliger Anmeldung alle mobilen Services des Unternehmens zu nutzen. Im Gegensatz zu "Mobile Me" von Apple ist der Dienst kostenlos.

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