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Kommentar: Warum ich keinen iPhone-Blues habe

Das Hamburger Landgericht hat entschieden: Apples iPhone darf weiterhin exklusiv von T-Mobile in Verbindung mit einem Zwei-Jahres-Vertrag verkauft werden. Das kann nur eines bedeuten: Geduld haben. Bessere Zeiten für Freunde smarter Handys sind in Sicht.

Von Dirk Liedtke

Ein neuer BMW, der nur mit Benzin von Aral fährt? Eine Waschmaschine, die nur mit Persil wäscht? Undenkbar. Aber ein iPhone, das nur im T-Mobile-Netz funktioniert? Seit heute ist das wieder erlaubt. Das ist ärgerlich. Aber es ist Tradition bei einer arroganten Firma wie Apple, ihre Produkte zu den höchstmöglichen Preisen und dem höchsten Maß an Kontrolle über die Händler zu verkaufen.

Wer heute ein neues Handy sucht, sollte eigentlich nicht mehr in einen offiziellen Netzbetreiber-Shop gehen. Selbst subventioniert sind viele Handys dort schlicht zu teuer. Smarter ist es, eine Discountkarte in ein günstig erworbenes oder ein altes, liebgewonnenes Gerät zu stecken. Das verhindert die ab sofort wieder greifende Zwangskopplung von iPhone und T-Mobile-Vertrag. Und das bleibt zweifellos eine Gängelung des Kunden.

Eigentlich hatte der deutsche Vodafone-Chef Friedrich Joussen die besseren Argumente. Vodafone verkaufe auch subventionierte Vertragshandys ohne Netzsperre und immer auch in einer Version ohne Vertrag. Joussen forderte folglich "das iPhone für alle". Das wäre kundenfreundlich und gut für den Wettbewerb. Den begehrten, aber bei weitem nicht so eleganten Alleskönner Nokia N95 gibt es schließlich auch bei diversen Anbietern - mit oder ohne Vertrag und ohne Funktionseinschränkung.

Wie lange kommen sie damit durch?

Man darf gespannt sein, ob Apple und T-Mobile mit ihrer Abschottung auch in Zukunft durchkommen. Vodafone könnte das Verfahren juristisch noch weiter ausfechten. Als "verbraucherfeindlich" schilt der größte Konkurrent der Telekom die Netzsperre auch nach der Hamburger Entscheidung. Auch von der EU könnte es künftig Gegenwind geben. Die Hoffnung auf ein iPhone, das in allen Netzen läuft, muss man also noch nicht aufgeben.

Ein preissparend eingeschmuggeltes iPhone als Mitbringsel vom Shopping-Trip nach New York ist trotzdem nur etwas für technisch eher anspruchslose Poser. Denn wer mag schon so ein elegantes Gadget wie das iPhone haben, um dann auf viele Funktionen verzichten zu müssen? Natürlich macht ein iPhone in Deutschland nur im T-Mobile-Netz Spaß. Denn dann flutscht alles so, wie es soll.

Freuen können wir uns auf die Mobiltelefone mit dem G-Punkt. Ab dem Sommer nächsten Jahres sind die ersten Modelle mit dem Google-Handybetriebssystem "Android" zu erwarten. Glaubt man einem ersten Demo-Video von Google, dürften diese "G-Phones" ähnlich spielerisch zu bedienen sein wie das iPhone.

Nebeneinander im Regal

Da T-Mobile zur Android-Allianz gehört, könnten also in Telekom-Shops künftig G-Phones und iPhones einträchtig nebeneinander im Regal stehen. Und falls nicht, werden im Vergleich zum iPhone preisgünstige G-Phones bei Vodafone, E-Plus oder O2 zu haben sein. Denn die Google-Plattform ist - anders als die von Apple - offen. Die Beherrscher des Handymarktes Nokia, Samsung, Sony Ericsson & Co. schlafen natürlich auch nicht und werden immer mehr und immer besser bedienbare Smartphones bauen.

Und wer auch bei stark ausgeprägter Selbstdisziplin nicht ohne iPhone leben möchte, sollte sich doch bitte zusammenreißen und bis zum nächsten Jahr warten. Dann ist das erste UMTS-iPhone zu erwarten, das endlich auch in der Fläche zeitgemäßes Surf-Tempo bieten wird. Alles in allem sind das schöne Aussichten für Freunde schicker und einfach zu bedienender, schlauer Handys. Trotz der Hamburger Gerichtsentscheidung.