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Knigge fürs Handy: Wann Schlussmachen per SMS erlaubt ist

Sollte man eine Verabredung vor dem ersten Date googeln? Wann darf man Beziehungen per SMS beenden? Hans-Michael Klein von der Knigge-Gesellschaft gibt 20 Tipps für den richtigen Umgang mit Technik.

Schlussmachen per SMS - darf man das?

Schlussmachen per SMS - darf man das?

Chatten wir irgendwann nur noch, statt miteinander zu reden? Werden unsere Kinder E-Zombies? Eine Leben ohne Smartphones, ohne E-Mail, ohne Facebook scheint für viele kaum noch vorstellbar. Die digitale Revolution verändert den Alltag und unser Miteinander nachhaltig. Deshalb brauchen wir neue Regeln. Hans-Michael Klein, Vorstandsvorsitzender der Deutschen-Knigge-Gesellschaft, gibt deshalb 20 Tipps, um sich in der digitalen Welt besser zurechtzufinden.

1. In Kirchen, Theatern, Konzertsälen, an Tankstellen und bei Beerdigungen sind Handys und Smartphones absolut tabu.

2.

Eine reale Person hat gegenüber einem technischen Gerät immer Vorrang und verdient volle Aufmerksamkeit.

3.

Immer wenn das dumpfe Gefühl aufkommt, irgendjemand könnte sich gestört fühlen, das digitale Gerät sofort abschalten. Drei Meter Abstand zu anderen Menschen ist das Minimum beim Telefonieren.

4.

Handys und Smartphones sollten stets sauber sein.

5.

Telegrammstil in Mails und Chats ist erlaubt, eine förmliche Anrede nach dem ersten Kontakt nicht mehr notwendig. Trotzdem auf Rechtschreibung achten. Fehler anderer nur korrigieren, wenn der eigene Name falsch geschrieben ist.

6.

Keine überlangen Mails oder Textnachrichten schreiben. Anderthalb Bildschirmseiten liest niemand. Besser den Inhalt auf mehrere Nachrichten verteilen.

7.

Niemals einen Rattenschwanz von Mailadressen ins CC setzen, weil das Persönlichkeitsrechte verletzen könnte. Die gehören ins BCC.

8.

Keine digitale Besserwisserei: Wenn etwa jemand im geselligen Gespräch feststellt: "So warm war der Winter noch nie", nicht gleich bei Google nachschlagen, ob das auch stimmt. Unschärfe zulassen.

9.

Nur Texte und Bilder ins Netz stellen, die auch die eigene Mutter lesen und anschauen darf.

10.

Klingeltöne sind wie Kleider: Sie machen Leute. Auf den richtigen Ton achten. Dasselbe gilt für Emailadressen: mauseschatz69@Hotmail.com verschließt Türen.

11. Im Restaurant das Handy auf Vibrationsalarm stellen und mit dem Display nach unten auf den Tisch. Sobald Tischdecke aufliegt, gehört das Gerät in die Tasche. Bei Anruf den Raum verlassen. Die Abwesenheit darf nicht länger dauern als ein Toilettengang.

12.

In geselligen Runden sollte ein Smartphone nur dann benutzt werden, wenn alle Teilnehmer nach ihrem Einverständnis gefragt wurden.

13.

Nie mit einem Videoanruf bei jemanden hereinplatzen. Besser sich vorher per Chat ankündigen.

14.

Smartphones im Schlafzimmer sind nicht grundsätzlich verboten, sollten aber aus medizinischen Gründen draußen bleiben.

15.

In der Bahn gilt: Telefongespräche so selten, so kurz und so leise wie möglich. Beim Nachbarn mitlesen ist verboten. Ebenso darf man dort keine provozierenden Filme schauen, etwa Pornos oder Gewaltvideos.

16.

Eine Verabredung nicht vor dem ersten Rendevouz googeln. Lieber sich ein paar Tage lang verzaubern lassen. Beim Date das Handy in den Flugzeugmodus.

17.

Schlussmachen per SMS ist nur bei Kurzzeitbeziehungen erlaubt, nicht etwa bei langjährigen Ehen. Vier Bedingungen müssen stets erfüllt sein: Die Beziehung hat als Chat begonnen; die Alternative wäre ein kurzer Brief; beide Partner haben eine hohe Affinität zum Medium; eine persönliche Begegnung ist wegen der großen Entfernung unzumutbar.

18.

Beileid immer auf dem Weg bezeugen, auf dem man die Trauernachricht erhalten hat.

19.

Kinder brauchen für ihre digitalen Geräte eine feste Nutzungszeit. Grundsätzlich gilt: Je kürzer desto besser.

20.

Die Macht der Feder ist stärker als ein schnell getippter Satz. Ein Dankeschön deshalb am besten immer handschriftlich.

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