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Mobilfunk-Kostenfallen: Wie wehren Sie sich gegen Handy-Abzocke?

In Kiel stehen sechs Betreiber von SMS-Chats wegen Betrugs vor Gericht. Auf dem Handy lauern verschiedene Kostenfallen, die jeder kennen sollte. Wir zeigen sie.

Von Ralf Sander

Wo Kostenfallen beim Handy lauern

Rechnung statt Liebe: Vor dem Landgericht Kiel hat ein Prozess gegen sechs Betreiber so genannter SMS-Chats begonnen, denen vorgeworfen wird, 700.000 Handy-Nutzer um mehr als 46 Millionen Euro geschädigt zu haben.

Die Masche der Angeklagten sieht so aus: Die Kunden werden durch Anzeigen in kleinen Lokalzeitungen, Lock-Mails oder massenhaft verschickte Spam-SMS dazu verleitet, über teure Kurzwahl-Rufnummern mit möglichen Partnern im Chat zu flirten. Und jeder, der nachts durch die Privatsender zappt, kennt außerdem die Werbung für erotische Dialogpartner. Am anderen Ende der Leitung wartet allerdings keine einsame Seele, sondern trainierte "Fachkräfte", die im SMS-Chat eine Vielzahl verschiedener Identitäten annehmen. "Ich muss alles sein", sagte einer dieser Animateure in der "Süddeutschen Zeitung". Sein Job sieht so aus: Er soll durch überzeugendes 160-Zeichen-Gesäusel seine Gesprächspartner verleiten, über einen langen Zeitraum viele Kurznachrichten zu schicken - für 1,99 Euro pro SMS.

Das Verfahren muss klären, ob die Kunden vorsätzlich über die fiktive Identität ihrer Chat-Partner getäuscht wurden. Oder hätten sie wissen müssen, dass der Chat-Partner gar nicht existiert, sondern kostenpflichtige Dienstleistungen bietet?

Ob das System der Angeklagten nun als betrügerisch gewertet wird oder nicht - es ist ein Beispiel für Kostenfallen auf dem Handy, in die unbedarfte Nutzer hineintappen können. stern.de zeigt ihnen, welche Abzockversuche es über das Mobiltelefon gibt, wie Sie sich schützen und was Sie tun können, wenn Sie bereits in die Falle gegangen sind.

Warum sind verlockende SMS gefährlich?

Im Kieler Fall geht es um Flirt-SMS, nach dem gleichen Prinzip funktionieren auch Mitteilungen über Gewinne bei Preisausschreiben. Man habe Geld oder einen Sachpreis gewonnen, heißt es in der SMS. Um die Übergabe zu vereinbaren, müsse der Empfänger lediglich eine Nachricht zurückschreiben. Wer antwortet, findet sich häufig in teuren Chats wieder, wo er in lang andauernde SMS-Dialoge verwickelt werden soll. Am Ende gibt es keinen Gewinn, sondern nur eine hohe Handyrechnung.
Was dagegen tun?: Einfach ignorieren. Die Verbraucherzentralen weisen darauf hin, dass man solche SMS auch daran erkennen können, dass man nie mit Namen angesprochen wird, weil sie massenhaft verschickt werden. Gut zu wissen: Die Telefonnummern dieser so genannten Premium-SMS sind immer fünfstellig.

Funktioniert diese Masche auch mit Anrufen?

Die Masche mit angeblichen Gewinnen bei Preisausschreiben gibt es auch mit Anrufen. "Um diesen meist vorgetäuschten Gewinn abzurufen oder Einzelheiten zu erfahren, wird der Verbraucher aufgefordert, eine hochpreisige Rufnummer zurückzurufen oder eine Taste auf seinem Telefon zu drücken. Die Anrufe erfolgen in der Regel durch einen Automaten.", schreibt die Bundesnetzagentur.
Was dagegen tun?: Einfach auflegen. Auf keinen Fall den Anweisungen folgen.

Warum muss man bei entgangenen Anrufen vorsichtig sein?

Diese Masche wird auch "Ping-Anruf" genannt: Dabei klingelt das Telefon nur einmal. Auf dem Display des Telefons verbleibt der Hinweis auf einen entgangenen Anruf - mit der hinterlassenen Telefonnummer. Wer diese pflichtbewusst zurückruft, landet bei sehr teuren Hotlines. Das können Sexangebote sein, aber auch ein Tonband mit einem fingierten Handygespräch, das wirkt, als könne man durch einen technischen Fehler Fremde beim Telefonieren belauschen. Wer seine Neugier nicht im Griff hat und länger zuhört, kann viel Geld verlieren.
Was dagegen tun?: Im besten Fall nicht reagieren. Sich an die alte Regel erinnern: Ist es wichtig, wird der Anrufer sich schon wieder melden. Wenn Sie allerdings viel mit Personen kommunizieren, die nicht im Telefonbuch ihres Handys stehen, sollten Sie die Nummer genau überprüfen. Anrufe aus dem Ausland erkennt man zum Beispiel an der Vorwahl.

Wieso kann das Freizeichen teuer werden?

Eine neue Version des bereits beschriebenen Ping-Anrufs arbeitet mit einem fingierten Freizeichen: Wer die unbekannte Rufnummer zurückruft, hört in diesem Fall das typische Tuten eines Freizeichens. In Wirklichkeit hat längst ein Automat den Anruf entgegengenommen und spielt die Aufnahme eines Freizeichens ab. Und der Gebührenzähler läuft, während der Betrogene darauf wartet, dass endlich jemand am anderen Ende ans Telefon geht.
Was dagegen tun?: Der Rat ist derselbe wie bei jedem Ping-Anruf. Möglichst gar nicht reagieren, und auf jeden Fall die Nummer genau überprüfen.

Lauern auch im Web Handy-Kostenfallen?

Im Internet - auf sozialen Netzwerken ebenso wie bei privaten Homepages oder illegalen Downloadangeboten - gibt es viele Werbebanner, die zu Gewinnspielen, IQ-Tests oder Ratespielen einladen. Die Tests selbst kann man kostenlos auf der Website des Betreibers absolvieren - doch das Ergebnis gibt es erst, wenn man seine Handynummer eingegeben hat. Ein Klick auf den "Absenden"-Button - und die Falle schnappt zu: in Form eines Handy-Abos, das für teure monatliche Gebühren zum Beispiel Bildschirmlogos und Klingeltöne liefert.
Was dagegen tun?: Die Handynummer gehört eigentlich nicht ins Internet. Wer ein solches Angebot dennoch unwiderstehlich findet, sollte unbedingt nach Vertragsbedingungen zu suchen. Das empfiehlt die Verbraucherzentrale und warnt: Diese Texte können sehr klein und kaum leserlich dargestellt sein.

Was können Opfer tun?

Sie können gegen die Betreiber vorgehen. Die Rechtsanwältin Iwona Gronek empfiehlt in der "Hamburger Morgenpost" folgende Schritte:
- Werbe-SMS abspeichern, als Beweismittel
- Strafanzeige erstatten
- Beim Telefonanbieter Widerspruch gegen die strittigen Gebühren einlegen
- Bei unfreiwillig abgeschlossenen Verträgen: mithilfe eines Anwalts den Vertrag wegen arglistiger Täuschung anfechten

Handy-Abos müssen laut Telekommunikationsgesetz innerhalb von einer Woche kündbar sein. Allerdings kommt die Handyrechnung in den meisten Fällen nur einmal im Monat.

Der Widerspruch muss schriftlich innerhalb von sechs Wochen erfolgen. Oft hilft auch schon eine Beschwerde beim Kundenservice. Bereits per Lastschrift eingezogene Beträge müssen Sie von Ihrem Mobilfunkanbieter zurückfordern. Wer die Rechnung per Überweisung zahlt, sollte sie um den strittigen Betrag kürzen.

Bekommen Sie eine Rechnung direkt von den SMS-Anbietern, wehren Sie sich per Einschreiben oder Fax (Faxprotokoll aufheben!). Ein Beispielsatz: "Hiermit bestreite ich den Vertragsabschluss und widerrufe den Vertrag behelfsweise." Besteht die Firma auf der Forderung, wenden Sie sich an die Verbraucherzentrale. Wurde bereits Geld von Ihrem Konto abgebucht, lassen Sie den Betrag von Ihrer Bank zurückbuchen.

Welche Vorwahl-Nummern können teuer werden?

Es gibt bestimmte Rufnummernbereiche, für die besondere Gebühren anfallen können. Das bedeutet nicht, dass alle Angebote unter diesen Vorwahlen unseriös sind, im Gegenteil. Grundsätzlich handelt es sich legitime Zahlungssysteme. Außerdem sind die Anbieter laut Telekommunikationsgesetz (§66) verpflichtet, explizit auf die anfallenden Gebühren hinzuweisen. Schwarze Schafe gibt allerdings überall, weshalb es gut ist, diese Nummern zu erkennen, wenn man sie sieht:
- (0)900er: Mehrwertdienste-Rufnummern (Premium Dienste)
- (0)137er: Rufnummern für Massenverkehrsdienste
- (0)180er: Geteilte-Kosten-Dienste Rufnummern
- 118xx: Rufnummern für Auskunftsdienste
- (0)12er: Rufnummern für neuartige Dienste
- 5-stellige Kurzwahlnummern (Premium SMS)

Wenn Sie ganz sicher gehen wollen, lassen Sie 0137-, 0900- und - wenn möglich - Premium-SMS-Nummern - über den Kundenservice Ihres Mobilfunkanbieters sperren.

Weitere Informationen über diese Rufnummernbereiche gibt es bei der Bundesnetzagentur

Wo kann ich Missbrauch melden?

Die Bundesnetzagentur hat in ihrem Webangebot eine Meldestelle für jede Form von Rufnummernmissbrauch eingerichtet.

Hilfe finden Sie außerdem bei den Verbraucherzentralen