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Motorolas Projekt "Ara": Hier kommt das Lego-Handy

Motorola hat Pläne für ein Smartphone mit austauschbaren Modulen angekündigt. Das Projekt soll eine offene Plattform für Entwickler schaffen. Auch die Nutzer sollen Teil des Vorhabens werden.

Von Dominik Brück

Zu alt, zu langsam oder kaputt. Viele Menschen führen mit ihrem Mobiltelefon eine Beziehung auf Zeit. Der Großteil aller Handynutzer in Deutschland erwirbt regelmäßig ein neues Gerät. Dabei entstehen nicht nur immer wieder Kosten für den Kauf, sondern auch jede Menge Elektroschrott. Im September startete daher der niederländische Designer Dave Hakkens das Projekt "Phonebloks". Die Idee dahinter ist simpel: Hakken will ein Handy entwickeln, das aus verschiedenen austauschbaren Modulen besteht. Geht eine Komponente kaputt oder soll durch eine modernere ersetzt werden, ist das möglich ohne das gesamte Gerät gegen ein Neues eintauschen zu müssen. In einem Präsentationsvideo für das Projekt zeigt Hakkens, dass ein "Phonebloks"-Handy individuell zusammengestellt werden kann. Das bedeutet: Statt einer Kamera können sich Nutzer zum Beispiel einen größeren Akku einbauen lassen. Ähnlich wie Legosteine sollen die Module dann in das Handy eingebaut werden. Das Modell soll zudem offen für Komponenten unterschiedlicher Entwickler sein.

Motorola startet eigenes Projekt

Der Handyhersteller Motorola hat diese Idee jetzt aufgegriffen und will "eine offene Plattform für modulare Smartphones" schaffen, wie es auf dem Blog des Unternehmens heißt. Unter dem Projektnamen "Ara" soll eine Umgebung entstehen, die auch für Drittanbieter zugänglich ist. Von diesem Schritt erhofft sich Motorola mehr Innovationen und verkürzte Entwicklungszeiten für Neuerungen. "Wir wollen das für Hardware schaffen, was Android für die Softwareentwicklung erreicht hat", schreibt das Unternehmen. Android ist ein offenes Betriebssystem von Google, das jeder Hersteller für seine Software und Geräte nutzen kann.

Auch die Beziehung zwischen Entwicklern und Nutzern will Motorola auf ein neues Level heben. Durch die modulare Bauweise sei es Kunden möglich selbst zu entscheiden, wie ihr Handy aussehen soll, was es kostet, aus welchen Materialien es besteht und wie lange man es behalten wolle. Der Handyhersteller arbeitet bereits seit einem Jahr dem Projekt. Erste Module sollen in diesem Winter entwickelt werden.

Zusammenarbeit mit Phonebloks

"Ara" soll jedoch keine Konkurrenz für Dave Hakkens "Phonebloks" werden. Stattdessen will Motorola mit der "Phonebloks"-Community zusammenarbeiten. Das Projekt des Niederländers hatte innerhalb eines Monats Zulauf von fast einer Million Unterstützern erhalten. Das Präsentationsvideo wurde auf Youtube über 16 Million Mal aufgerufen. Durch den Austausch mit den "Phonebloks"-Fans erhofft sich Motorola Erkenntnisse für das unternehmenseigene Projekt. Auch die Popularität, die Hakkens Konzept im Netz bereits hat, dürfte ein Grund sein, warum Motorola die Kooperation mit "Phonebloks" sucht.

  • Dominik Brück