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Navigations-Software: Zielsuche mit dem Handy

Die Hersteller traditioneller Navigationsgeräte wollen am wachsenden Geschäft mit der Handynavigation teilhaben. Nun startet der europäische Marktführer Tomtom den Verkauf seiner Navigationssoftware für das iPhone in Apples App-Store.

Von Martin Ottomeier

Dort verkauft sich bereits die Software des Rivalen Navigon gut. "Smartphone-Navigation entwickelt sich rasant", sagte Egon Minar, Vorstandschef bei Navigon. Auch Analysten erwarten in den kommenden Jahren starkes Wachstum der Nutzerzahlen weltweit.

Nicht nur wegen dieser guten Prognosen ist das Geschäft für die Hersteller attraktiv. Auch die Margen sind bei der Software zumeist höher als bei den Navigationsgeräten oder Personal Navigation Devices (PND), die inzwischen an zahllosen Windschutzscheiben hängen. Ohnehin leidet der Hardwareabsatz unter der Wirtschaftskrise und ersten Sättigungstendenzen. Im zweiten Quartal ging die Zahl verkaufter Navis gegenüber dem Vorjahr weltweit um 16 Prozent auf 8,3 Millionen zurück, hat die britische Marktforschungsfirma Canalys ermittelt. "Die Mobilnavigation hatte eine harte Zeit", sagte Canalys-Analyst Tim Shepherd.

Dagegen steigt der Absatz von leistungsfähigen Smartphones. Im zweiten Quartal legte deren Zahl laut dem Marktforscher Gartner um 27 Prozent zu - und immer mehr davon sind mit dem Satellitennavigationssystem GPS ausgestattet. Mit der eingebauten Ortungstechnik und großen Touchscreen-Displays würden Smartphones wie das iPhone zunehmend in Konkurrenz zu PND treten, sagte Shepherd. 2012 wird sich rund ein Viertel der Navinutzer von einem Handy durch die Gegend lotsen lassen, schätzt Canalys. Experten zufolge werden die meisten Handys zurzeit aber vor allem von Fußgängern zur Navigation genutzt.

Die Anbieter stellen sich auf den neuen Trend ein. Der weltgrößte Handyhersteller Nokia hat eine eigene Navigationslösung für seine Geräte herausgebracht und bereits vor einiger Zeit den Kartenanbieter Navteq gekauft. Über 15 Handymodelle stattet das Unternehmen zurzeit serienmäßig mit GPS aus.

"Das Geschäft mit Handysoftware ist attraktiv"

Nokia sei eine starke Antriebskraft für die handybasierte Navigation, sagt Shepherd. Der US-Navihersteller Garmin, weltweit die Nummer eins, hat mit dem Nüvifone sogar ein eigenes Navigationshandy herausgebracht. Die Konkurrenten Tomtom und Navigon unterstützen nicht nur das iPhone, sondern auch andere Smartphones. "Handynavigationslösungen dürften schon in Kürze rund 10 bis 15 Prozent zu unserem Umsatz beitragen", sagt Navigon-Chef Minar.

Navigon kam vor rund zwei Monaten mit der iPhone-Software heraus. Sie war einige Zeit unter den am meisten gekauften Programmen in Apples App-Store - und das, obwohl sie mit fast 75 Euro Einführungspreis viel teurer war als die meisten anderen Anwendungen. "Das Geschäft mit Handysoftware ist attraktiv, weil die Gewinnmarge höher ist als beim Verkauf von Navigationsgeräten", sagte Minar.

Fallende Preise beim iPhone

Auch Tomtom werde wegen seiner großen Bekanntheit gute Verkäufe erzielen, schätzt Shepherd. Mit Kartenmaterial für Westeuropa kostet die Software knapp 100 Euro. Shepherd geht allerdings davon aus, dass die Preise für Navigationssoftware auf dem iPhone fallen werden. Die Konkurrenz ist groß. Neben Tomtom und Navigon gibt es eine Reihe weiterer Anbieter - mit teilweise anderen Preismodellen. So kann man manche Lösung auch mieten. Und mit Google Maps gibt es auch eine rudimentäre Form der Navigation kostenlos.

Tomtom bietet sein Programm mit Karten für Westeuropa oder nur für Deutschland, Österreich und die Schweiz an. Das Programm enthält auch die sogenannte IQ-Routes-Technologie, die historische Daten über die Auslastung der Straßen wie Staus berücksichtigt. Die Software nutzt die iPhone-spezifischen Funktionen wie Multitouch und Darstellung im Hoch- und Querformat.

FTD
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