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Smartphones: Die iPhone-Konkurrenz rüstet auf

Zwar gehen die meisten mobilen Internetnutzer mit dem iPhone ins Netz, doch die Luft wird dünner für Apples Vorzeige-Handy. Palm Pre und Windows-Handys setzen neue Akzente im Kampf um den Platz in der Hosentasche.

Der Herbst bringt frischen Wind in den Mobilfunkmarkt. Die Branche hat die Herausforderung iPhone angenommen und betrachtet den erfolgreichen Konkurrenten nicht mehr mit dem starren Blick des Kaninchens auf die Schlange. Im September gab es neue Nokia-Geräte, in der vergangenen Woche wurden die ersten "Windows Phones" vorgestellt und jetzt ist auch der Palm Pre in Deutschland gestartet.

Alle Herausforderer müssen sich daran messen lassen, ob man mit ihnen genauso bequem aufs Internet zugreifen kann wie mit dem Apple-Smartphone. Das iPhone liegt zwar in den Verkaufszahlen nur auf dem dritten Platz hinter Nokia und Blackberry. Die Statistik der Web-Nutzung mit mobilen Geräten zeigt aber, welche Smartphones im Internet angekommen sind. Hier liegt nach einer Erhebung der Firma Admob vom August das iPhone mit 40 Prozent vorn, gefolgt von Nokias Symbian-System (34 Prozent) und Blackberry (8 Prozent). Windows Mobile hat nur einen Anteil von vier Prozent und liegt damit gleichauf mit dem Newcomer Palm Pre und knapp hinter den Android-Handys (7 Prozent).

HTC ergänzt Windows mobile mit eigener Software

"Mit Windows 6.5 gehen wir einen großen Schritt hin zum Endkunden", sagt der Deutschland-Geschäftsführer des Geräteherstellers HTC, Lars-Christian Weisswange. Bisher seien Smartphones mit Windows Mobile ja mehr auf Business-Kunden ausgerichtet gewesen. Touchscreen-Geräte wie das Ende Oktober erscheinenden HTC HD2 (619 Euro ohne Vertrag) sollen professionelle Nutzung und Freizeit zusammenführen. "Jeder Geschäftskunde ist am Ende des Tages auch ein Privatkunde", meint Weisswange. Diese Ausrichtung findet ihren Ausdruck in dem neuen Markenauftritt der "Windows Phones".

Welches ist das überlegene Smartphone-Betriebssystem

Windows mobile 6.5 wirbt mit neuen Internet-Diensten wie "My Phone". Damit können sämtliche Handy-Daten wie Kontakte, SMS oder Fotos gesichert werden. Im Kern ist das Betriebssystem aber noch auf dem gleichen Stand wie 2002. Erst mit der Version 7, so ist zu hören, soll es im nächsten Jahr eine völlige Neuentwicklung geben. HTC behilft sich einstweilen damit, das Windows-System mit eigener Software zu ergänzen. Diese bietet eine alternative Sichtweise auf die Handy-Funktionen an: E-Mails, SMS oder Fotos werden nicht über die jeweilige Anwendung aufgerufen, sondern über ein Symbol der entsprechenden Person, mit der man kommuniziert. "Wir wollen erreichen, dass der Kunde sein Handy so nutzen kann, wie er auch denkt, nämlich personenbezogen", sagt Weisswange.

Browser als Schlüsselkriterium

Das Schlüsselkriterium für Erfolg im Smartphone-Markt ist aber wohl die Bedienung des mobilen Browsers. Der im Juni in den USA und jetzt auch in Deutschland gestartete Palm Pre hat einen Browser, der wie der iPhone-Browser Safari und Google Chrome auf der WebKit-Technik beruht. Diese ursprünglich im Linux-Projekt KDE entwickelten Open-Source-Bausteine zur Darstellung von HTML und JavaScript sind besonders schlank und schnell. "Das mobile Internet wird mit dem Palm Pre zur einfachsten Sache der Welt", verspricht der Deutschland-Chef von Telefónica O2, René Schuster. Die Vorderseite des Palm Pre wird fast vollständig von dem Touchscreen mit einer Auflösung von 320 mal 480 Pixel eingenommen.

Anders als das iPhone verfügt der Pre aber über eine vollwertige Tastatur, die mit einem "Slider-Mechanismus" ausgefahren wird. Das Breitband-Handy unterstützt neben dem UMTS-Mobilfunk auch WLAN für das Internet-Surfen daheim oder im Café und empfängt GPS-Daten für die Navigation. Fotos und Videos nimmt eine Drei-Megapixel-Kamera auf. Der interne Datenspeicher umfasst 8 GB, wobei 0,6 GB für das Betriebssystem benötigt werden.

Palm hofft auf viele Entwickler

Bei O2 kostet das Palm Pre 480 Euro, die während der Laufzeit des Zweijahresvertrags bezahlt werden. Die Daten-Flatrate kostet zusätzlich zehn Euro im Monat, wobei es die ersten 200 MB mit der vollen Geschwindigkeit bis 7,2 Megabit pro Sekunde gibt. Der darüber hinaus gehende Daten-Download wird dann auf ISDN-Geschwindigkeit (64 Kilobit pro Sekunde) reduziert. Der Pre hat ein neu entwickeltes Betriebssystem mit der Bezeichnung WebOS. Kontakte und Kalenderdaten stellt das System in einer integrierten Ansicht dar, wobei die Daten des Pre mit denen des Desktop-Computers synchron gehalten werden.

Gleiches gilt für die Kontakte in Facebook, Google Mail oder Outlook. Die Entwicklung von Anwendungen für WebOS lehnt sich an die Entwicklung von Webapplikationen an. Palm hofft daher, dass sich viele Programmierer dem neuen System zuwenden werden. Beim iPhone hat die Vielzahl von inzwischen rund 85.000 Programmen entscheidend zum Erfolg beigetragen; 125.000 Entwickler sind bei Apple dafür registriert, Software zu entwickeln. Im "Windows Marketplace for Mobile" stehen erst 200 Programme bereit, die deutschsprachige Ausgabe weist gerade mal 17 Anwendungen aus.

AP / AP