Trend 2 Spiele


Für die kleine Pause am Bahnhof oder im Büro verwandeln sich viele Handys in Gameboys.

Tippt jemand hektisch auf seinem Handy, muss die Diagnose nicht immer SMS-Abhängigkeit heißen. Vielleicht fährt derjenige gerade ein Autorennen, kämpft gegen Außerirdische oder knobelt sich durch Tetris: Mobile Spiele sind im Trend, das Handy wird zum Gameboy-Ersatz.

Für Spieleentwickler und Handy-Portale im Internet ist das ein schönes Geschäft: Eine halbe Million Downloads verzeichnet das bisher meistverkaufte Handy-Spiel "Anno 1503". Aber auch bei anderen beliebten Titeln sind Verkäufe jenseits der 100.000 Stück keine Seltenheit.

Java macht's möglich

Der mobile Spieleboom konnte einsetzen, weil Handys Computern immer ähnlicher werden und die Programmiersprache Java verstehen. Die Entwickler können so mit recht geringem Aufwand Spiele gestalten, die flüssig laufen, gut aussehen und leicht zu verstehen sind. Am beliebtesten sind - wie bei den großen Brüdern PC und Konsole - Action- und Sportspiele. Kein Wunder bei meist jungen Mobilspielern zwischen 14 und 24 Jahren. So bekommt nicht nur das Moorhuhn, sondern auch der bekannte Prince of Persia seinen mobilen Auftritt. Einziges Manko: Obwohl das Spielprinzip packend umgesetzt ist, kann die grafische Pracht der PC-Vorbilder auf dem winzigen Display längst nicht erreicht werden.

Deutlich mehr Spielspaß verspricht die Einführung der 3-D-Grafik. Bereits ab Herbst sollen Spiele in der dritten Dimension schöner und schneller werden.

Kampf per Tastatur

Eine weitere Neuerung wird hierzulande vermutlich wegen der Datenschutzbestimmungen Zukunftsmusik bleiben: In Japan stellen so genannte Location Based Services - ortsbezogene Dienste - den Aufenthaltsort des Spielers fest und beziehen diese Information in das Spiel mit ein. Nähert sich im richtigen Leben ein Spieler, der im Handy-Rollenspiel zum Beispiel einen edlen Ritter darstellt, einem anderen, der virtuell als schwarzer Magier unterwegs ist, wird eine Botschaft ausgesandt, und die beiden können sich persönlich zum Duell treffen - zum Kampf per Tastatur.

Auch wenn Handy-Spiele für viele kaum mehr als ein netter Pausenfüller sind: Ohne vorinstallierte Spiele kommen nur noch wenige Geräte auf den Markt. Das Angebot zum Zeitvertreib ist selbst bei teuren Modellen ein Verkaufsplus. Doch nicht alle Handys eignen sich gleich gut zum Spielen. Dicke Daumen stellen potenzielle Spieler vor allem bei kleinen Tastaturen oft vor große Hindernisse. Auch die Handhabung der eingebauten Joysticks ist häufig unpräzise und führt schnell zum vorzeitigen "Game Over". Umgekehrt machen speziell zum Spielen gestaltete Handys wie das N-Gage von Nokia das Telefonieren durch ungewöhnliche Handhabung zur Herausforderung: Das Gerät wird mit der schmalen Seite an das Ohr gehalten. Mit dem Nachfolgemodell QD wird wieder normal telefoniert, für konservative Spielernaturen ist es daher besser geeignet.

Gameboy-Standards werden noch nicht erreicht

Noch reicht die Qualität der Spiele nicht an Gameboy-Standards heran. Dafür sind sie sehr viel günstiger. Mit Preisen zwischen zwei und fünf Euro pro Download kosten sie kaum mehr als ein Klingelton. Zu kaufen sind die Spiele nicht im Laden, sondern bei Mobilfunkanbietern oder bei Portalen wie handy.de oder jamba.de, wo die Spiele auch vorgestellt werden. Hat man das Wunschspiel gefunden, gibt man seine Telefonnummer an und bekommt eine SMS mit dem WAP-Downloadlink geschickt. Abgerechnet wird dann sehr übersichtlich über die Handy-Rechnung.

Carsten Görig print

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