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40 Jahre unsichtbare Kampf-Jets: Wie ein russischer Wissenschaftler den USA aus Versehen das Stealth-Programm bescherte

Die weltweite Luftüberlegenheit der USA beruht auf ihren unsichtbaren Jets. F-22 und F-35 können nicht vom gegnerischen Radar geortet werden. Der erste Stealth-Prototyp flog vor 40 Jahren. Die wissenschaftlichen Grundlagen lieferte den USA ausgerechnet ein Russe.

Einer der  Have-Blue-Prototypen

Einer der  Have-Blue-Prototypen

40 Jahre ist es her, dass das erste Versuchsflugzeug "Hopeless Diamond" aus dem "Have Blue"-Programm im Dezember 1977 flog. Es gilt als das erste wirkliche Stealth-Flugzeug. Ziel seiner streng geheimen Entwicklung war es, den Radarschatten des Flugzeuges auf die Größe eines Vogels zu reduzieren. Wegen der Entwicklung von Luftabwehrraketen während des Kalten Krieges fürchteten die ihre angestammte Luftüberlegenheit gegenüber den Truppen des Warschauer Paktes zu verlieren. Zumindest drohte ihnen dieses Szenario in ihren durchgespielten Szenarien.

Die Langstrecken-Spionage-Flugzeuge U-2 und auch später die SR-71 "Blackbird" waren mit radarabsorbierender Farbe bemalt, die Form der SR-71 reduzierte zudem den Radarquerschnitt. Dadurch waren die Jets nicht so leicht zu orten, aber keineswegs unsichtbar. Sie verließen sich darauf, durch die Flughöhe und bei der SR-71 auch durch die enorme Geschwindigkeit Luftabwehrraketen entwischen zu können.

Chinas neuer Stealth-Kampfjet

Unfreiwilige Hilfe aus der UDSSR

Den Durchbruch zum Bau eines echten Stealth-Jets entdeckten die US-Wissenschaftler ironischerweise in einer älteren russischen Forschungsarbeit von Pjotr Jakowlewitsch Ufimzew. Der hatte mathematische Modelle entwickelt, die die Radarreflexion einer geometrischen Form berechnen konnten. Der leitende Entwickler der USA, Ben Rich, nannte diese Gleichungen später den "Durchbruch für die Stealth-TechnDologie".

Und auf der Stealth-Technik basiert die Luftüberlegenheit der USA bis heute. Die konkurrierenden Großmächte China und Russland sind erst 2017 über Prototypen hinaus gekommen.

SR-71 Blackbird: Der schnellste Jet der Welt – jetzt im Ruhestand
Eisüberkrustete Nase einer SR-71.

Eisüberkrustete Nase einer SR-71.


Ohnmächtiger Gegner

Durch die Stealth-Technik haben die Jets wieder die überlegene Rolle bekommen, die sie beim Beginn des Zweiten Weltkriegs hatten, als es noch kein leistungsfähiges Radar gab. Der einzige Unterschied: Die Flugzeuge des Gegners werden nach wie vor vom Radar entdeckt. Das Ungleichgewicht würde den Flugzeugen der USA einen einzigartigen Vorteil bieten. So als würden die Kampflugzeuge des Zweiten Weltkriegs auf die stoffbespannten Doppeldecker des ersten losgehen.


Schon das zweite Versuchsflugzeug des Programm, die HB1002, konnte in einem Praxistest gegen Radaranlagen und Luftverteidigungssysteme überzeugen. Die HB1002 wurde von den Verteidigern nämlich überhaupt nicht entdeckt. Beide Prototypen stürzten ab, das Programm wurde aber fortgesetzt.

Auf diesem Konzept basierte der erste militärische Stealth-Jet, die F-117A Nighthawk. Versuchsflugzeuge und F-117A erinnerten in ihrem eckigen Design an langgestreckte, geschliffene Diamanten. Dabei waren die eckigen Formen nicht nötig, um die Radarreflexionen zu reduzieren. Der Grund war ein ganz anderer: Die damaligen Computer konnten die Reflexionen runder und komplexer Formen nicht berechnen. Nicht von ungefähr sahen sie aus wie die dreidimensionalen Objekte in frühen Computerspielen.

Die Entwicklung der Prototypen verlief streng geheim. Die Öffentlichkeit entdeckte die Stealth-Technik erst durch die Rolle der F-117 bei der Panama-Invasion 1989 und im Golfkrieg von 1990. Heute nutzen der strategische Bomber Northrop B-2, das Kampflugzeug Lockheed Martin F-22 Raptor und die Varianten der F-35-Familie diese Technik. Grundsätzlich sind die Anforderungen des Stealth-Designs nicht leicht zu meistern, die Aerodynamik muss hinter der passenden Anti-Radarform zurücktreten.


Geht eine Ära zu Ende?

In den letzten Jahren gibt es Zeichen, dass die Ära der unsichtbaren Flugzeuge vorüber gehen könnte. Die Stealth-Technik absorbiert lediglich den Radarstrahl herkömmlicher Radaranlagen. Nun scheint es aber möglich, dass die sogenannte Passiv-Radar-Technik militärisch genutzt werden könnte. Oder aber, dass es gelungen ist, aus den Reflektionen auf anderen bisher nutzlosen Frequenzen waffenfähige Signale zu gewinnen. Während einer Krise in Syrien entfuhr es dem Sprecher des russischen Außenministeriums, General Igor Konashenkov, "dass all die Illusionen dieser Amateure über die Existenz  von 'unsichtbaren' Jets, einer ernüchternden Wirklichkeit" begegnen könnten. 

Doch über diese Anti-Stealth-Technik würden nur die direkten Konkurrenten des US-Militärs verfügen. Solange es zu keiner Auseinandersetzung zwischen diesen Mächten kommt, bleiben alle Annahmen hoch spekulativ. Andererseits haben die Stealth-Jets ihre Erfolge bislang gegen technologisch sehr rückständige Gegner erreicht.