USA
Analyst David E. Sanger in der „New York Times“: „Zweifellos war es ein taktischer Sieg in letzter Minute, der zumindest vorübergehend den Öl-, Düngemittel- und Heliumtransport durch die Straße von Hormus wieder in Gang bringen und die Märkte beruhigen dürfte (...). Doch keine der grundlegenden Fragen, die zum Krieg geführt hatten, wurde dadurch gelöst.“
Großbritannien
„The Times“: „Eine drängende Frage ist, ob (US-Präsident Donald) Trump akzeptieren wird, dass der Iran Transitgebühren für die Meerenge erhebt, womit er inzwischen bereits begonnen hat – und was vor Beginn des Krieges noch undenkbar war.(...) Trump hat sich seit Tagen darauf vorbereitet, den Konflikt zu beenden und die neue Führung im Iran anzuerkennen, was er als ‚Regimewechsel‘ bezeichnet, obwohl alles darauf hindeutet, dass es sich um eine radikalisierte, militantere Version des Regimes handelt, das vor dem Krieg bestand.“
Schweiz
„NZZ“: „Mit seinem Rückzieher gesteht (US-Präsident Donald) Trump im Grunde ein, dass eine Öffnung der Meerenge mit militärischen Mitteln kaum zu erreichen ist. Auch wenn es den USA unter beträchtlichen Verlusten gelingen sollte, iranische Küstengebiete mit Bodentruppen zu besetzen, wäre das Regime womöglich immer noch in der Lage, den Schiffsverkehr in der Straße von Hormus mit Drohnen und Raketen aus größerer Entfernung zu torpedieren.(...) Es dürfte schwierig werden, für Trump am Verhandlungstisch zu erreichen, was er nun im Krieg nicht erreichen konnte. (...) Zudem ist das Regime weiterhin im Besitz von über 400 Kilogramm an hochangereichertem Uran.“
Australien
„Sydney Morning Herald“: „Mit der Waffenruhe – sofern sie hält – dürfte ein Teil des Öls wieder fließen, vorausgesetzt, die Iraner halten ihr Versprechen ein, sichere Geleite durch die Straße zu gewährleisten. Bislang wurden dem Markt rund 40 Tage an Ölversorgung entzogen – mindestens 400 Millionen Barrel –, sodass es Monate dauern könnte, bis der Markt wieder normal funktioniert. Das setzt allerdings voraus, dass der Konflikt dauerhaft endet und die freie Durchfahrt durch die Meerenge möglich ist. (...)“
„The Age“: „Für diejenigen, die glauben, dass ‚Trump am Ende immer kneift‘, ist dies der bislang größte TACO-Moment (Trump Always Chickens Out, deutsch: Trump macht immer einen Rückzieher) des US-Präsidenten (...). Gleichzeitig ist jede Analyse dessen, was diese angebliche Waffenruhe bedeutet, weitgehend müßig – weil wir nicht wissen, ob sie Bestand haben wird, und weil alle drei Parteien – die USA, Iran und Israel – so sehr zu Meinungsmache, Hysterie, leeren Drohungen und patriotischem Getöse neigen, dass es schwerfällt zu wissen, was der Realität entspricht und was nicht.“
Italien
„La Repubblica“: „Wenn dies die Grundlage der Vereinbarung ist, wird es schwierig zu verstehen, warum (US-Präsident Donald) Trump den Krieg überhaupt wollte und wie Israel dieses Ergebnis akzeptieren kann. Der Chef des Weißen Hauses wird antworten, dass die Verhandlungen auch von seinen 15 Punkten ausgehen werden, die für die Islamische Republik deutlich strenger sind, und dass die Angriffe wieder aufgenommen werden, falls kein Kompromiss gefunden wird. Während wir abwarten, ob die nächsten zwei Wochen diese Lösung hervorbringen, steht fest, dass der US-Präsident derzeit einen Waffenstillstand akzeptiert hat, der ihm im Gegenzug wenig oder nichts von dem bietet, was er in der Nacht zu Beginn der Bombardierungen eigentlich gefordert hatte.“