50 Jahre Weltraumhündin Laika Der qualvolle Tod der bellenden Heldin


Nur knapp einen Monat nach dem Start des Sputnik versetzte die Sowjetunion vor 50 Jahren dem Westen einen weiteren Schock: Mit der Hündin Laika wurde das erste Lebewesen ins All geschickt. Die kommunistische Propaganda feierte sie als Heldin, doch ihr Tod war alles andere als würdevoll.

Übersetzt bedeutet ihr Name "die Bellende", aber am Ende dürfte Laika nur noch qualvoll gewinselt haben. Vor 50 Jahren schickte die damalige Sowjetunion im Sputnik 2 die zweijährige Mischlingshündin Laika als erstes Lebewesen ins All. Die Sowjetpropaganda behauptete damals, das Tier sei nach mehrtägigem Flug wegen Sauerstoffmangels friedlich entschlummert. Ein russischer Wissenschaftler enthüllte jedoch vor einigen Jahren, dass Laika schon nach wenigen Stunden überhitzt war und in ihrem engen Behältnis starb. Welchen Tod Laika auch erlitt, mit ihrem Pionierflug wurde sie unsterblich.

Deutsche Tierschützer waren schockiert über die Aktion mit Laika, mindestens so sehr wie US-Politiker über die sowjetischen Weltraum- Erfolge. Thilo Elsner, Nachfolger des 2002 gestorbenen Ex-Chefs der Bochumer Sternwarte, Heinz Kaminski, sagt: "Heinz hatte damals dauernd ungeladene Gäste aus der Region in seinem Keller. Sie erkundigten sich, wie es der sibirischen Steppenhündin im All gehe." Kaminski hatte 1957 - noch als Funkamateur - als Erster im Westen die Sputnik-Signale empfangen. Er wurde bundesweit als "Weltraumdetektiv" bekannt. "Kaminski erklärte Laien geduldig, dass nur technische Signale zu hören seien und keinesfalls Laikas "Wau-Wau" aus dem All."

Die Kühlung versagte

In einem 80 Zentimeter langen Metallzylinder hatte die Hündin ihre Reise in den Orbit begonnen. Ihr Satellit bot sogar ein kleines Guckloch als bescheidenen Luxus. Sauerstoff und Lebensmittel sollten für sieben Tage reichen. Ingenieure hatten eine Aufbereitungsanlage für Atemluft eingebaut, dazu passende Kühltechnik. Allerdings versagten die Kühl-Aggregate, als sich die Hitze der dritten, nicht abgestoßenen Stufe des Raketentriebwerks ausbreitete.

"Sputnik 2 war eine wahre Steigerung. Plötzlich flog mit mehr als 500 Kilogramm fast ein Kleinwagen im All, und dann noch ein Lebewesen an Bord", erläutert Elsner. Der erste Sputnik Anfang Oktober hatte kein Lebewesen an Bord und nur knapp 84 Kilogramm gewogen. Da jedoch der damalige Parteichef der KPdSU, Nikita Chruschtschow, die Propaganda-Wirkung des ersten Weltraumflugs erkannte, ließ er rechtzeitig zum 40. Jahrestag der Oktoberrevolution Laika ins All schießen.

"Spätestens mit Laika war den Amerikanern klar, dass sie ins Hintertreffen geraten waren. Der erste Sputnik war noch leicht, aber der zweite zeigte plötzlich, dass die USA per Weltraumflug angreifbar sein könnten", sagt Elsner.

Stoische Gelassenheit

Wie Generationen von menschlichen Raumfahrern nach ihr auch, hatte Laika ein strenges Auswahlverfahren durchlaufen. Die Tiere durften russischen Medienberichten zufolge höchstens sechs Kilogramm wiegen. In den Monaten vor dem Start wurden die vierbeinigen Kandidaten trainiert, in immer kleineren Käfigen Ruhe zu bewahren. Bis zu drei Wochen mussten sie auf engstem Raum ausharren. Laikas stoische Gelassenheit im Trainingslager gab letztlich den Ausschlag für ihren Flug.

Knapp ein halbes Jahr umkreiste Sputnik 2 mit der toten Laika die Erde. Im April 1958 tauchte der Satellit wieder in die Erdatmosphäre ein und verglühte. Es vergingen drei Jahre, bis der erste Mensch ins All startete - der sowjetische Pilot Juri Gagarin am 12. April 1961. Im Gegensatz zu Laika kehrte Gagarin wohlbehalten zurück.

Stefan Voß und Gregor Tholl/DPA DPA

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