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Erfinder-Ausstellung: Motorisierte Snowboards und Energiewände

Jugendliche Erfinder und berufserfahrene Tüftler im Kampf gegen Alltagsärgernisse: Bei der Ausstellung "Ideen-Erfindungen-Neuheiten" (IENA) gibt's viel der "Marke Eigenbau".

Jeden Frühling begann für Dominic Brandl aus dem niederbayerischen Ratzing und seine Freunde der gleiche Katzenjammer. Denn mit dem dahinschmelzenden Schnee war auch der Spaß am Snowboarden dahin. Inzwischen ist bei den drei Schülern des Maristengymnasiums Fürstenzell bei Passau das ganze Jahr über Snowboard-Saison - dank eines Ein-PS-Benzin-Motors, den sie samt Fahrgestell unter das Brett montiert haben. Jetzt brausen sie mit ihrem Snowboard im Sommer über den Asphalt.

Mit heulendem Motor präsentierten der zwölfjährige Dominic und seine Klassenkameraden das Snowboard-Mobil Marke Eigenbau am Dienstag auf dem Nürnberger Messegelände. Es dürfte eine der großen Attraktionen der an diesem Donnerstag beginnenden Internationalen Ausstellung "Ideen-Erfindungen-Neuheiten" (IENA) werden. Bei einer Neuheitenschau wurde deutlich: Vor allem Jugendliche erweisen sich häufig als erfindungsreich.

"Bei Fuß" gilt bald auch für PC-Mäuse

Oft sind es die kleinen Alltagsärgernisse, die Jugendliche zu Erfindungen anregen. Johannes Denner (14) aus dem niederbayerischen Fürstenzell ist so ein Fall. Wann immer er für seinen Vater eine großen Obstwiese abmähte, ärgerte er sich: "Ständig wurden die Messer des Mähwerks von herumliegenden Steinen beschädigt", berichtet der Achtklässler. Er sann auf Abhilfe und konstruierte eine Mechanik, die bei einem Widerstand das Mähwerk automatisch abschaltet.

Auch die Probleme Behinderter und Älterer geraten zunehmend ins Blickfeld von Erfindern. Dank einer Entwicklung dreier Auszubildender aus dem Bosch-Werk im schwäbischen Waiblingen können Menschen hoffen, die nur mit Mühe eine PC-Maus bedienen können. Eine von Stefan Büchler (20), Marc Schmid (20) und Benjamin Held (19) entwickelte Maus lässt sich mit den Füßen bedienen. "Wir haben uns einfach mal die Unfallstatistiken angeschaut und festgestellt: Handverletzungen liegen ziemlich weit vorne", sagt Büchler.

"Irgendwann aufgewacht"

Manchmal dauert es ein ganzes Berufsleben, bis ein Tüftler auf den richtigen Dreh kommt. So war es etwa bei dem 60 Jahre alten Ludek Ruzicka aus Zirndorf bei Nürnberg. Der Inhaber eines Ingenieurbüros für Haustechnik-Planung hatte sich immer wieder über die aufwendige Verlegung von Versorgungsleitungen in Gebäuden geärgert. Aber erst gegen Ende seiner beruflichen Laufbahn erfand er die Energiewand - ineinandersteckbare Bausteine, in denen alle Leitungen bereits integriert sind. Ruzicka: "Ich bin irgendwann aufgewacht: Plötzlich hatte ich die Idee."

Ergebnis solcher Ideen sind auch das "Regal aus der Dose", der "Fahrrad Personal Computer 1" mit Lichtsteuerung und Abstandswarner sowie das "intelligente Pannendreieck". Die weltweit bedeutendste Fachmesse für das Erfindungswesen präsentiert in diesem Jahr rund 600 Einzelerfindungen aus 27 Ländern.

Klaus Tscharnke / DPA