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Experiment im Klassenraum 13-Jähriger baut Kernfusionsreaktor


Jamie Edwards ist 13 Jahre alt und hat in seiner Schule einen funktionierenden Kernfusionsreaktor gebaut. Der Schüler aus England ist der jüngste Mensch, dem das jemals gelang.
Von Timo Brücken

Andere Jugendliche hätten ihr Taschengeld vielleicht für Videospiele, Klamotten oder ein neues Fahrrad ausgeben. Aber nicht Jamie Edwards: Der 13-jährige Engländer kaufte sich einen Geigerzähler, mit dem man atomare Strahlung messen kann. Wofür er den brauchte? Edwards wollte der jüngste Mensch werden, der jemals einen funktionierenden Kernfusionsreaktor gebaut hat. Und nun hat er es geschafft.

In einem Klassenzimmer seiner Schule im nordwestenglischen Lancashire ließ er am Dienstag erfolgreich zwei Wasserstoffatome verschmelzen und erschuf so Helium - eine sogenannte Kernfusion. Dazu werden die Atome in einer Vakuumkammer unter Hochspannung gesetzt. Findet die Fusion wirklich statt, wird Strahlung freigesetzt, die der Geigerzähler registrieren müsste. Und so geschah es: "Ich hörte, wie der Geigerzähler ansprang und dachte: Was ist das?", erzählte Edwards stolz der BBC. "Dann schaute ich rüber zum Neutronendetektor, er schlug voll aus. Da wusste ich: Wir haben es geschafft."

"Wird unsere Schule in die Luft fliegen?"

Jamie Edwards interessiert sich schon länger für Physik und atomare Strahlung. Als er eines Tages dazu im Internet recherchierte, stieß er auf Taylor Wilson. Der hatte 2008 im Alter von 14 Jahren erfolgreich einen Kernfusionsreaktor gebaut - als bis dato jüngster Mensch. Edwards wollte diesen Rekord brechen, doch die Zeit drängte: Am Sonntag wird er 14 Jahre alt. Dass das Experiment so kurz davor doch noch gelang, verdankt Edwards seinem Freund George Barker.

Gemeinsam lasen die beiden Jugendlichen sich auf Webseiten für Amateurphysiker das nötige Wissen an und bewarben sich bei Laboren und Universitäten um finanzielle Hilfe. Doch niemand wollte ihnen Geld geben. "Es sah so aus, als würden sie mich nicht ernst nehmen", sagt Edwards. "Weil es wohl schwer zu glauben war, das ein 13-Jähriger so etwas schaffen kann." Stattdessen wandten die Jungen sich an ihren Schulleiter Jim Hourigan. "Wird unsere Schule in die Luft fliegen?", fragte der, wie die Zeitung "Daily Mail" berichtet. Doch er ließ sich beruhigen und versprach, das Projekt mit 3000 Pfund (umgerechnet etwa 3600 Euro) zu unterstützen.

Als nächstes ein Teilchenbeschleuniger

Mit Bauteilen aus Großbritannien, Litauen und den USA konstruierte Edwards seinen Reaktor. Der Klassenraum für das Experiment wurde mit Hilfe von Kaninchendraht und Warnschildern zur Sperrzone erklärt. Rektor Hourigan ließ ihn räumen als der große Moment gekommen war. Aus sicherer Entfernung startete Edwards die Fusion und lächelte zufrieden, als sie gelang. Sein Rekordversuch muss nun nur noch vom Open Source Fusor Research Consortium bestätigt werden. Später will Edwards einmal Atomingenieur oder theoretischer Physiker werden. Seine nächste Idee: ein Mini-Teilchenbeschleuniger.

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