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Flugzeug-Patent: Boeing dreht die Flügel um

Der US-Hersteller plant eine Revolution: Boeing erhält ein Patent für ein radikal neues Passagierflugzeug. Bei diesem zeigen die Tragflächen in die "falsche Richtung".

Von Gerhard Hegmann

Der US-Flugzeughersteller Boeing hat ein US-Patent auf ein revolutionär neues Flugzeug-Konzept erhalten. Dabei bricht der Airbus-Konkurrent mit dem üblichen Aussehen von Maschinen mit leicht pfeilförmig nach hinten geformten Tragflächen in der Mitte des Rumpfes. Aktuell arbeitet die gesamte Flugzeugindustrie - darunter zahlreiche Forschungseinrichtungen - an neuen Konzepten. Denn künftige Maschinen sollen umweltfreundlicher, leiser, komfortabler und vor allem wirtschaftlicher sein.

Bei dem Patent der Amerikaner ist der Rumpf mehr oval als rund. Dadurch wären auch bei kleineren Modellen zwei Mittelgänge zwischen den Sitzen möglich. Die Flügel befinden sich nicht mehr in der Mitte, sondern im hinteren Teil. Sie sind pfeilförmig nach vorne gerichtet. An der Vorderseite des Rumpfes gibt es kleine Flügel, wie sie auch einige Kampfflugzeuge zur Steuerung haben. Die Triebwerke sitzen hinten, über einer breiten Heckflosse mit zwei großen Seitenleitwerken.

Das Fliegen wird leiser

Bislang ist alles nur ein Patent mit der Nummer 7.090.865, das vom US-Flugzeughersteller Ende 2006 eingereicht und nun erteilt wurde. In der Patentschrift wird darauf verwiesen, dass durch die Anbringung der Triebwerke im hinteren Bereich oberhalb der großen Flügelflächen die Lärmabstrahlung nach oben und nicht mehr nach unten erfolgt. Damit wäre der Flieger also erheblich leiser.

In der Patentschrift ist von einer Auslegung von bis zu etwa 150 Passagieren die Rede, wobei das Konzept sowohl für Zivil- als auch Militärflugzeuge beantragt wurde. Die Auslegung des Boeing-Modells ähnelt Studien der Technischen Universität Berlin und der deutschen Luftfahrtforschungsagentur DLR über sein extrem lärmarmes Flugzeug (Advanced Low-Noise Aircraft).

Erinnerungen an den Sonic-Cruiser

Die von Boeing vorgeschlagenen kleinen Fügel am vorderen Rumpf erinnern an das spektakuläre Sonic-Cruiser-Modell des US-Herstellers. Das Projekt eines superschnellen Passagierfliegers wurde Anfang 2001 vorgestellt, aber im Herbst 2002 wieder zu den Akten gelegt.

Die Fluggesellschaften forderten vor zehn Jahren eher ein sehr wirtschaftliches, als ein sehr schnelles Flugzeug. Statt des Sonic Cruiser startete Boeing die Entwicklung des 787-Modells als erstem großen Passagierflugzeug, dessen Rumpf und Tragflächen überwiegend aus Kohlefaser-Bauteilen und nicht mehr aus Aluminium besteht.

Unter Flugzeugexperten wird heftig diskutiert, wann und ob Boeing sein derzeit meistverkauftes Modell 737 durch eine vollständige Neuentwicklung ablöst und wie das Modell dann aussieht.

Airbus schlägt einen anderen Weg ein und modernisiert seine meistverkaufte A320-Modellfamilie durch neue treibstoffsparende Triebwerke. Die ersten A320Neo-Flieger sollen Ende 2015 auf den Markt kommen. Erst um 2030 könnte es einen komplett neuen A320-Nachfolger geben, sagte jüngst Airbus-Verkaufschef John Leahy. Vermutlich kommt Airbus dann auch mit einem radikal neuen Flugzeugkonzept.

Der US-Konkurrent Boeing hat sich bisher noch nicht festgelegt, wie ein 737-Nachfolger - in der Branche als 797 bezeichnet - aussehen könnte. Aber in Patenten werden einige Technologien schon gesichert. Offen bleibt, ob sie auch genutzt werden.

FTD
  • Gerhard Hegmann