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Hintergrund: Warum die Berliner ihre U-Bahn lieben

Es gibt Lieder über sie. Sie spielt Nebenrollen in Kinofilmen. Und mehr als eine Million Menschen würden sie jeden Tag vermissen, wenn es sie nicht gäbe: die Berliner U-Bahn. 13 Gründe, warum die Berliner ihre U-Bahn lieben.

Die Berühmte

Die Rolle als Film-Diva fällt der Berliner U-Bahn nicht schwer. Sie fährt bei "Lola rennt" durchs Bild, ist im Kinderfilm "Emil und die Detektive" zu sehen und auch im US-Agententhriller "Die Bourne Verschwörung". Berlins Tatort-Kommissare Till Ritter (Dominic Raacke) und Felix Stark (Boris Aljinovic) verirren sich routinemäßig in den Berliner Untergrund. Nicht zu vergessen die Verfilmung des Musicals "Linie 1" mit den berühmten Wilmersdorfer Witwen. Und ein eigenes Kurzfilmfestival im U-Bahn-Fernsehen gibt es zu Berlinale- Zeiten auch. Der Titel: Going Underground. Die Jury: Fahrgäste.

Die Eventlocation

Mozart in der U-Bahn? In Berlin kein Problem. Ungenutzte Bahnhöfe machen erfinderisch. Im U-Bahnhof Bundestag gab es zuletzt die Zauberflöte zu sehen.

Die Flirtlinie

Liebe auf den ersten Blick in der U-Bahn - und dann keine Telefonnummer? Kein Problem. Auf den Online-Seiten der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) lässt sich eine Suchanzeige aufgeben. Das liest sich dann so: "U2 Richtung Ruhleben, zwischen Alex und Bülowstraße. Du brünett, sportlich, grünes T-Shirt ...".

Die Geheimnisvolle

U-Bahn ist nicht nur das, was der Fahrgast sieht. Im Berliner Untergrund gibt es zahlreiche "tote Tunnel", die auf Fehlplanungen in der Vergangenheit zurückgehen. In Steglitz wurde zum Beispiel ein gutes Stück der geplanten U10 unter der Schlossstraße fertiggegraben. Die unzugängliche Strecke, die auch am Potsdamer Platz und am Alexanderplatz Spuren hinterließ, heißt "Phantomlinie".

Die Geteilte

Geisterbahnhöfe hießen Stationen, in denen U-Bahnen nach dem Mauerbau 1961 einfach hindurchfuhren. Die DDR ließ die Bahnhöfe bewachen. Eine Ausnahme für Westberliner bildete der Umsteigebahnhof Friedrichstraße, der mit seinen Sperren und Kontrollpunkten aussah wie der Drehort für einen Spionagethriller.

Die Hübsche

Rathaus Schöneberg. Es gebe keine schönere U-Bahn- Station in Berlin als diesen Bahnhof an der U4, sagen viele Berliner. Aus Glasfenstern guckt der Fahrgast seit 1910 direkt in den Goldfischteich des Volksparks.

Die kalte Kriegerin

Da die S-Bahn nach dem Mauerbau 1961 noch in DDR-Hand blieb, wurde sie von vielen Westberlinern boykottiert. Als Ersatz wurde das U-Bahn-Netz im Westen stark ausgebaut - häufig ohne Rücksicht auf S-Bahn-Strecken. Deshalb fehlen bis heute an manchen Stellen sinnvolle Verbindungen zwischen U- und S-Bahn.

Die Neue

Die "Kanzler-U-Bahn" fährt vom 8. August an als U55-Shuttle zwischen dem Hauptbahnhof und dem Brandenburger Tor. Für 1,8 Kilometer braucht sie 3 Minuten. Der Bau kostete den Steuerzahler 320 Millionen Euro - bei 13 Jahren Bauzeit. Die geplante Verlängerung vom Brandenburger Tor zum Alexanderplatz bis 2017 wird weitere 433 Millionen Euro verschlingen. Berlin baut unterirdisch - auch damit Unter den Linden keiner Linde ein Ast gekrümmt wird.

Die Rekordverdächtige

Berlins U-Bahn ist mit ihrer Eröffnung im Jahr 1902 nicht nur die älteste Untergrundbahn Deutschlands. Sie besitzt heute mit 146 Kilometern Strecke und 173 Bahnhöfen das größte Netz in der Bundesrepublik. Am Anfang bekam die Berliner U-Bahn den Spitznamen "Tunneleule", weil ihre runden Lampen im Tunnel leuchteten wie Vogelaugen in der Nacht. Die Wagen aus DDR-Baureihen erhielten weniger schmeichelhafte Namen: "Blechbüchse" oder "Honeckers Rache".

Die Sichere

Der schwerste Unfall in der Berliner U-Bahn-Geschichte liegt schon 101 Jahre zurück. 1908 stießen zwei Wagen auf den Hochbahngleisen in Kreuzberg zusammen, einer stürzte ab. Dabei starben 18 Menschen.

Die Scherzhafte

Die Namen von Berliner U-Bahnstationen auf Unterwäsche wurden zum Running Gag: Für die Herren boten sich die Modelle Krumme Lanke oder Rohrdamm an, für die Damen Gleisdreieck, Jungfernheide - oder auch Schöneberg als BH. Auch der Aufdruck "Zurückbleiben bitte" fand Liebhaber.

Die Verwirrende

"Alle vier Minuten kommt die U-Bahn hier vorbei", textet die Berliner Band "Element of Crime". Das Lied handelt von der U-Bahn-Linie 1, die in Kreuzberg - schwer irritierend für alle Neu- Berliner - Untergrundbahn heißt, aber als Hochbahn auf Stelzen fährt. Ende des 19. Jahrhunderts galten Tunnel im wasserreichen Berliner Untergrund als zu gefährlich. Die AEG bewies 1895 das Gegenteil und die U1 tauchte ab.

Die Zeigeistige

An kaum einem Ort kann man so gut Leute gucken wie in der U-Bahn. Draußen gibt es ohnehin nichts zu sehen. Vom trendigen Haarschnitt bis zur modernen Ohrstöpsel-Technik - U- Bahnfahrer sind über den jüngsten Schrei immer bestens informiert.

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Ulrike von Leszcynski/DPA / DPA