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Immobilien-Ausverkauf: Telekom-Funktürme: Kein Funken Fantasie

Seit März prüft die Telekom den Verkauf ihrer Funktürme. Die Prozedur dürfte sich hinziehen: Das Geschäft ist für Investoren unattraktiv - ein Großteil der Masten ist inzwischen schlicht überflüssig.

Von Volker Müller

Ihre Immobilien sind nicht zu übersehen: Bis zu 368 Meter recken sich die Masten der Deutschen Funkturm Gesellschaft in die Höhe. Längst sind sie in vielen Städten zu modernen Wahrzeichen und Touristenmagneten geworden. Ihre Zeit aber, so sagen Telekomexperten, ist abgelaufen: Kabelverbindungen sind billiger als Funkübertragungen. Einzelne Türme stehen fast vollständig leer. Selbst die Turmrestaurants drehen sich längst nicht mehr überall.

Die Entwicklung kommt der Deutschen Telekom höchst ungelegen. Sie hatte ihre Funkturmtochter mit 600 Mitarbeitern im März zum Verkauf gestellt. "Passt nicht zur Strategie der Telekom", begründete Vorstandschef René Obermann den Schritt damals. Bis zu 1 Mrd. Euro, so schätzten zwischenzeitlich Analysten, könnte der Funkturmbetreiber wert sein. Allein: Bislang mochte kein Investor ein Gebot abgeben.

Ein Großturm zum Verkauf

Annähernd 22.000 Funkmasten betreibt die 2002 gegründete Deutsche Funkturm Gesellschaft - ungefähr 16.000 Mobilfunkantennen auf Hausdächern, mehr als 6000 mittelgroße Masten an Waldrändern, an Autobahnen und in Gewerbegebieten sowie fast 500 Großtürme, unter ihnen der Berliner Fernsehturm, der Münchner Olympiaturm oder der Kölner Colonia-Turm. In der Bilanz stehen sie mit 707 Mio. Euro.

Ein Verkauf würde das Zahlenwerk der Telekom spürbar entlasten und die Kapitalrendite deutlich verbessern. Dabei gingen nicht nur Türme, Grundstücke und Technik an den Käufer über. Auch sollte er den Betrieb der Netze übernehmen. Das Lockmittel für Investoren: Dazu zählt auch der Betrieb aller Masten für T-Mobile, das bundesweit größte Mobilfunknetz.

Türme kosten viel Unterhalt

Viel mehr Argumente für potenzielle Käufer hat die Telekom allerdings nicht zu bieten: Die Türme binden erhebliches Kapital, sind teuer im Unterhalt, zweckgebunden und über das gesamte Bundesgebiet verstreut. Dem steht bislang ein Umsatz von nur 700 Mio. Euro gegenüber. Zudem wachsen Zweifel an der Zukunft des Geschäfts insbesondere mit den mittelgroßen Masten: Sie werden künftig für immer weniger Aufgaben gebraucht.

"Der Datenverkehr über Glasfaser hat Funkverbindungen abgelöst - das ist billiger, schneller und sicherer", sagt Philipp Geiger von der Unternehmensberatung Solon. Seit Jahren fallen die Margen. Das muss auch die Telekom festgestellt haben: Sie verkaufte vorvergangene Woche ihr Richtfunkgeschäft an den Telekomausrüster Ericsson. Garantien für die weitere Nutzung der bisherigen Antennenstandorte, die nun für einen Verkauf der Funktürme hilfreich wären, haben die Schweden nicht abgegeben.

Astbestverseuchte Drehrestaurants

"Zudem sind keine neuen Anwendungen für die Funktürme in Sicht", sagt auch Dan Bieler vom Marktforscher IDC. Dass ein Investor alleine die Immobilien entwickeln oder von der Verpachtung der teilweise leer stehenden, asbestverseuchten Drehrestaurants leben will - es wäre "eher unwahrscheinlich". Einzig für die TV-Ausstrahlung, den Amateurfunk sowie vereinzelt den Funkverkehr von Rettungsdiensten werden die Großmasten noch gebraucht. Es ist ein Geschäft mit "null Fantasie", lästern selbst Telekom-Mitarbeiter.

So bemüht ein Telekom-Sprecher das eher kuriose Beispiel einer Datenübertragung von Gipfel zu Gipfel im Harz, um die Funkturm-Gesellschaft anzupreisen - das sei billiger als das Verlegen einer Leitung durch Berg und Tal. Dass aber die Anbindung von Berggasthöfen und Harzer Ausflugslokalen Investoren locken dürfte, die Turmbauten zu erwerben, darf bezweifelt werden.

FTD